Baukonjunktur 2022
Warum Unternehmen im Osten kein dickes Umsatzplus erwarten

Das ostdeutsche Bauhauptgewerbe erwartet 2022 kaum Umsatzwachstum. Laut aktueller Umfrage rechnen dort viele Betriebe eher mit einer stabilen Lage anstatt einer deutlichen Konjunkturbelebung. Dabei hat die Bauwirtschaft zwei Faktoren besonders im Blick.
Besagte Befragung von Ende 2021 stammt vom Bauindustrieverband Ost (BIVO), der die Interessen von 260 Bauunternehmen mit 20.000 Beschäftigten in den Ländern Berlin, Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt vertritt. Die Auswertung ergab nun, dass 38 Prozent der Betriebe in den neuen Ländern 2022 mit einem besseren Umsatzergebnis rechnen als 2021. Von 20 Prozent der Befragten werden Umsatzeinnahmen in Vorjahreshöhe prognostiziert, während 42 Prozent mit weiteren Umsatzeinbußen rechnen. Etwas stärkere Wachstumsimpulse werden 2022 bei den Unternehmen, die überwiegend im Hochbau tätig sind, erwartet. Hier ging in der Umfrage rund die Hälfte der Firmen (53 Prozent) von einer Zunahme ihrer Erlöse in diesem Jahr aus. Im Tiefbau waren es knapp ein Viertel (23 Prozent), wohingegen in diesem Segment jedes zweite Unternehmen 2022 einen Umsatzrückgang befürchtet. Etwa acht von zehn Bauunternehmen vermeldeten bei der Befragung, dass die Anzahl ihrer Beschäftigten im Jahr 2022 gleich bleiben (55 Prozent) oder leicht ansteigen (23 Prozent) werde.
Bundesregierung, Bauinvestitionen und Preisanstieg
Angesichts der Umfrage beurteilt Robert Momberg, Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbandes Ost, die Konjunkturaussichten 2022 zurückhaltend: Er gehe von einer „insgesamt eher stabilen Lage anstatt einer dynamischen baukonjunkturellen Entwicklung aus“. Und weiter: „Da bisher noch nicht erkennbar ist, wie die ambitionierten Vorhaben der neuen Bundesregierung zeitnah in konkrete Bauinvestitionen umgesetzt werden und inwieweit sich der Preisanstieg der Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe auch 2022 dämpfend auf die Baukonjunktur auswirken wird, starten wir abwartend in das Jahr 2022“, so Momberg.
Einen optimistischen Blick in die Zukunft hatten Mitte Dezember die Präsidenten der beiden größten Bauverbände, der Zentralverband des deutschen Baugewerbes (ZDB) sowie der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB), gewagt: Demnach lassen die hohen Auftragsbestände durchaus Raum für eine Umsatzsteigerung auf 151 Milliarden Euro im Jahr 2022, was einer Steigerung um nominal 5,5 Prozent entspricht. Bei einer veranschlagten Preisentwicklung für Bauleistungen von jahresdurchschnittlich 4 Prozent, bedeute das einen realen Zuwachs von 1,5 Prozent. Bei den Beschäftigten erwarte die Branche einen weiteren Aufbau um 10.000 auf 915.000 Beschäftigte, so die Bauspitzenverbände.
2021 stabile Nachfrage nach Bauleistungen
Das höchste Wachstum habe der Wohnungsbau verzeichnet. Dieser verbuchte von Januar bis Oktober 2021 Auftragseingänge in Höhe von 3,3 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entsprach das einem Plus von 17,9 Prozent. Der Wirtschaftsbau entwickelte sich nach Verbandsangaben im Vergleich mit 2020 ebenfalls positiv. Mit einem Auftragswert von sechs Milliarden Euro per Oktober 2021 sei das Ergebnis um 3,9 Prozent besser als im Jahr zuvor. Keine positive Bilanz lasse sich im öffentlichen Bau ziehen. Die Bestellungen summierten sich hier im Zeitraum Januar bis Oktober 2021 auf 5,6 Milliarden Euro. Das seien 4,1 Prozent weniger als vor einem Jahr. „Unter Berücksichtigung üblicher saisonaler Effekte und regionaler Besonderheiten am Ende eines Jahres erwartet der BIVO für das Gesamtjahr 2021 ein Auftragsvolumen in Ostdeutschland von rund 18 Milliarden Euro, was einen Zuwachs im niedrigen einstelligen Bereich gegenüber dem Vorjahr bedeutet“, so Momberg.
Leichte Stagnation der Umsätze in Mecklenburg-Vorpommern
Unterdessen haben sich die Umsätze in der Bauwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern von Januar bis Oktober 2021 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum leicht verringert und bewegen sich bei einem Minus von 1,2 Prozent. Dies teilt der Bauverband Mecklenburg-Vorpommern mit. „Das ist eine leichte Stagnation, die aber nichts an der Gesamteinschätzung ändert, dass bis Jahresende eine ähnliche Umsatzgröße wie 2020 erreicht werden kann“, sagt Hauptgeschäftsführer Jörg Schnell. Die Beschäftigung sei nach wie vor stabil. Ein Appell des Bauverbandes lautet, die Voraussetzungen für schnelle Auftragserteilungen zu schaffen. Die Erteilung von Baugenehmigungen, die schnelleren Planungsvorläufe und auch die Bereitstellung von Bauland spielten eine besondere Rolle.
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