Bau-Tarifverhandlungen
Gewerkschaft droht mit Scheitern der Verhandlungen

In Wiesbaden startet heute um 10 Uhr die dritte Runde der Tarifverhandlungen für die Beschäftigten im Bauhauptgewerbe. Begleitet wird sie von verschiedenen Aktionen, kündigte die IG Bau an. Verhandlungsführer Carsten Burckhardt warnte vor dem Scheitern der Tarifverhandlungen, sollten die Arbeitgeber ihr Angebot heute nicht nachbessern.
Es könnte eine lange und zähe dritte Runde werden. Die Gewerkschaft sei bereit, „bis tief in die Nacht und auch am nächsten Tag noch“ zu verhandeln, sagte Carsten Burckhardt, Vorstandsmitglied der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) und Verhandlungsführer der Arbeitnehmer, im Vorfeld – unter der Voraussetzung, dass die Arbeitgeber ein Angebot vorlegen, das „einen echten Ausgleich für die immens gestiegenen Lebenshaltungskosten“ bedeute. Die Bau-Arbeitgeber haben in der zweiten Verhandlungsrunde eine Lohnerhöhung von jeweils 3 Prozent für die ersten und für die folgenden zwölf Monate vorgeschlagen. Das nannte Burckhardt „unterirdisch“. Die Gewerkschaft fordert für den gleichen Zeitraum und über alle Einkommensgruppen hinweg 500 Euro mehr monatlich. Die Arbeitgeber müssten deshalb noch „eine kräftige Schippe drauflegen“. Insgesamt sei die Baubranche immer noch gut aufgestellt. Für den hohen Baubedarf würden weiterhin dringend Fachkräfte gebraucht, „ordentliche Lohnerhöhungen“ seien damit eine Investition in die Zukunft der Branche, argumentiert Burckhardt.

Forderung der IG Bau liegt auf Rekordhöhe
Dass die Arbeitgeber auf die Forderung der IG Bau in der dritten Runde eingehen, ist unwahrscheinlich. Denn rechnerisch bedeuten 500 Euro im Monat Erhöhungen zwischen 7,1 Prozent in der obersten Gehaltsgruppe und 22,5 Prozent in der untersten Lohngruppe, hat der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) ausgerechnet. Für Azubis wären das sogar fast 50 Prozent Lohnzuwachs im 1. Lehrjahr. Das sei ein „neuer Rekord in der Tarifgeschichte des Baugewerbes“, so der ZDB in seinem Verbandsorgan „ZDB direkt“.
Scheitert die Tarifrunde, geht es in die Schlichtung
Vor dem Start der dritten Runde warnte Burckhardt vor dem Scheitern der Verhandlungen. Sollten die Arbeitgeber nicht ein deutlich verbesserstes Angebot auf den Tisch legen, werde es in die Schlichtung gehen. Auch Arbeitskampfmaßnahmen wie Streiks seien dann nicht auszuschließen. Die dritte Runde am heutigen Dienstag werde deutschlandweit mit verschiedenen Aktionen der Bau-Beschäftigten begleitet, so Burckhardt. Da Streiks während der Tarifverhandlungen nicht erlaubt sind, veranstalten die Beschäftigten zum Beispiel sogenannte „aktive Mittagspausen“. Gestreikt werden darf erst, wenn eine Schlichtung scheitert.
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