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Atlas Baumaschinen: 180 Mitarbeiter wechseln in Transfergesellschaft

Atlas Baumaschinen: 180 Mitarbeiter wechseln in Transfergesellschaft
Wird der Kaufvertrag für die Atlas-Gruppe genehmigt, wechseln 180 der Beschäftigten in eine Transfergesellschaft. | Foto: Atlas GmbH

Die insolvente Atlas-Gruppe steht vor einem radikalen Umbau: Nach der Übernahme durch den kanadisch-türkischen Investor Buhler Versatile soll fast die Hälfte der Belegschaft in eine Transfergesellschaft wechseln. Noch haben die zuständigen Behörden dem Deal aber nicht zugestimmt.

Der insolvente Baumaschinenhersteller mit Standorten in Delmenhorst, Ganderkesee und Vechta wird fast die Hälfte der insgesamt 400 Mitarbeiter entlassen. Sie werden übergangsweise in einer Transfergesellschaft beschäftigt, wurde zwischen Betriebsrat und dem Generalbevollmächtigten von Atlas vereinbart. Zuvor muss aber die Übernahme behördlich genehmigt werden.

Käufer der Traditionsmarke ist der kanadische Landmaschinenhersteller Buhler Versatile (Winnipeg), der zur türkischen Asko-Gruppe gehört, einer familiengeführten Industrieholding, die im Agrar- und Baumaschinensektor aktiv ist. Mit dem Erwerb will die Gruppe ihre Präsenz auf dem europäischen Markt ausbauen. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Die Unterzeichnung des Kaufvertrags erfolgte am 11. Juni 2026, drei Tage später als ursprünglich geplant.

Die vertragliche Vereinbarung umfasst sämtliche Vermögenswerte der operativ tätigen Gesellschaften. Dazu gehören die Atlas GmbH, die Atlas Spare Parts GmbH, die Atlas Group Services GmbH, die Atlas Kompakt GmbH sowie die Anteile an der britischen Atlas Cranes UK Ltd. Der endgültige Vollzug des Deals (das sogenannte „Closing“) steht jedoch noch unter zwei entscheidenden Vorbehalten.

Übernahme steht noch unter Vorbehalt

Zum einen betrifft dies die behördliche Freigabe: Da ein ausländischer Investor einen deutschen Traditionshersteller übernimmt, muss das Bundeswirtschaftsministerium das Geschäft nach dem Außenwirtschaftsgesetz (AWG) prüfen und genehmigen. Die zweite, weitaus brisantere Vollzugsbedingung ist die Ausarbeitung und Umsetzung eines Konzepts zu sogenannten „Personalmaßnahmen“, auf das sich jetzt geeinigt wurde. Buhler Versatile übernimmt laut Vertrag nur einen „erheblichen Teil“ der Beschäftigten – und eben nicht die komplette Belegschaft. Wie jetzt bekannt wurde, wird nur gut die Hälfte übernommen. Die noch zu gründende Transfergesellschaft soll die 180 Entlassenen neun Monate lang unterstützen.

Gewerkschaft warnt vor Arbeitsplatzabbau

Der personelle Vorbehalt hatte in den Werken für hochkochende Emotionen und massive Unsicherheit gesorgt. Die IG Metall Oldenburg kritisierte vor allem die Kommunikationspolitik des neuen Eigentümers scharf. „Ein Neustart gelingt nicht, indem man Belegschaften ausdünnt und Know-how aus dem Unternehmen drängt. Sollten tatsächlich 200 Arbeitsplätze abgebaut werden, käme dies einem Kahlschlag gleich“, so Gewerkschaftssekretär Arne Bischoff. Das werde die Gewerkschaft nicht akzeptieren.

Stehen komplette Werke vor dem Aus?

Durch dieses Sanierungsszenario rückt die Existenz der drei Standorte Ganderkesee, Delmenhorst und Vechta ins Zentrum der Debatte. Es stelle sich die Frage, ob bei einem Abbau von rund 200 Arbeitsplätzen überhaupt alle Standorte erhalten bleiben könnten, hatte Martina Bruse, Geschäftsführerin der IG Metall Oldenburg, kritisiert. „Ohne belastbare Standortgarantien bleibt für die Beschäftigten alles offen – und das ist keine Grundlage für Vertrauen.“

Das steht bei einer Standort-Diskussion auf dem Spiel

Die drei Atlas-Werke in Norddeutschland sind hochspezialisiert und eng verzahnt. Jeder Standort fertigt spezielle Maschinen oder Kernkomponenten:

  • Ganderkesee (Stammwerk): Hier schlägt das Herz der Baggerproduktion. In Ganderkesee werden die Atlas-Mobilbagger, Kettenbagger, Industrie-Umschlagmaschinen und die technologisch anspruchsvollen Zweiwegebagger (Gleisbau) montiert.
  • Delmenhorst: Das Werk ist historisch auf die Fertigung von hydraulischen Ladekranen (Aufbaukrane für Lkw) spezialisiert. Zudem ist hier die Atlas Kompakt GmbH für den Vertrieb von Mini- und Midibaggern angesiedelt.
  • Vechta: Hier werden wichtige Kernkomponenten gefertigt. Vechta produziert die Hydraulikzylinder für Krane und Bagger sowie verschiedene Anbaugeräte.

Sollte der Investor tatsächlich erwägen, einen dieser Standorte im Zuge der Sanierung zu schließen, müsste die Produktion der dortigen Kernprodukte entweder an einen anderen Standort verlagert oder langfristig eingestellt werden.

Vorläufiges Ende einer langen Krise

Die Atlas-Gruppe steckte seit gut zwei Jahren in einer tiefen Krise, verschärft durch die schwache Baukonjunktur und interne Spannungen mit der früheren Eignerfamilie Filipov. Zu Jahresbeginn beantragte Atlas Insolvenz in Eigenverwaltung, die am 6. Februar 2026 vom zuständigen Amtsgericht Delmenhorst angeordnet wurde. Ziel: die Sanierung und Fortführung des Traditionsunternehmens.

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(Hinweis der Redaktion: Die Atlas Weyhausen GmbH aus Wildeshausen, die Radlader der Marke Weycor herstellt, ist rechtlich und wirtschaftlich ein eigenständiges Unternehmen und von der Insolvenz der Atlas GmbH nicht betroffen.)


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