Nordbau 2026
Qualität statt Masse: Eine Branche sucht den "Bauturbo"

Die Baubranche wartet ungeduldig auf den versprochenen „Bauturbo“. Inmitten dieser angespannten Lage geht die Nordbau vom 9. bis 13. September in Neumünster in ihre 71. Runde. Wir haben mit der künftigen Messechefin Natalja Solohor gesprochen – sie übernimmt die Leitung als Nachfolgerin von Wolfgerd Jansch und kennt die Nordbau aus dem Effeff.
Vor gut 20 Jahren hat Natalja Solohor bei der Nordbau mit der Standbetreuung begonnen, sie kennt das komplexe Messe-Procedere also von der Pike auf. Wer sie zur aktuellen Stimmung in der Branche befragt, bekommt ehrliche Antworten. „Ja, der eine oder andere ist verhalten“, bestätigt sie den aktuellen Trend auf dem Markt. „Man wartet natürlich, dass es weitergeht, auf die Genehmigungsprozesse, die schneller werden sollen, auf die versprochenen schnellen Bauweisen. Dennoch dürfen wir nicht vergessen, von welchem Niveau wir kommen.“
Um den politisch viel zitierten "Bauturbo" wirklich zu zünden, braucht es ihrer Ansicht nach Austausch auf Augenhöhe: „Da müssen sicherlich mal die richtigen Leute miteinander sprechen“, so Solohor. „Wir als Nordbau bieten da eine verlässliche, jährliche Kommunikationsplattform an, wo Fachleute miteinander ins Gespräch kommen können. Und weil wir nicht so riesig sind, können wir flexibel reagieren.“
Klasse statt Masse: Die neue Messe-Realität
Auch wenn die Konjunktur schwächelt, das Interesse der Aussteller aus der Baumaschinenindustrie ist ungebrochen. „Bei den Ausstellern sind wir fast wieder auf Vor-Corona-Niveau. Wir sind im Außenbereich ausgebucht, und in den Hallen gibt es nur noch vereinzelte Plätze, die frei sind“, resümiert Solohor. Bei den Besucherzahlen sehe die Welt jedoch anders aus: „Die Vor-Corona-Zahlen erreichen wir bei den Besuchern nicht. Das ist auch gar nicht unser Plan. Denn wir müssen hier ehrlich sein. Seit 2020 hat sich der gesamte Markt stark verändert. Niemand geht mehr über eine Messe ziellos spazieren und guckt sich nur um.“
Das Erfolgsrezept liege heute woanders: „Am Ende des Tages ist es die Qualität der Besucher, die für die Aussteller und damit auch für die Messegesellschaft über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Hier müssen wir immer wieder neue und spannende Themen setzen.“
Conbau Nord: Antworten für den Hochbau
Ein solches "neues Thema", das sich schnell etabliert hat, ist die "Conbau Nord", die dieses Jahr bereits zum dritten Mal stattfindet und fest in die Nordbau integriert wurde. Mit 30 Expertinnen und Experten sowie 15 Sessions stehen Wissenschaft und Praxis bei dem Wohnungsbaukongress im Fokus. „Die Conbau Nord bringt Expertinnen und Experten branchenübergreifend zusammen, um praxisnahe Lösungen für die Bau- und Energiebranche zu diskutieren“, erklärt Solohor. „Die Veranstaltung ist deshalb so spannend, weil sie interdisziplinär ist. Es geht hier um Austausch, nicht um Vortragsbeschallung. Im Zentrum steht die Frage: Welche Wohnformen, soll es angesichts der Rahmenbedingungen, wie etwa Klima, Wohnungskrise etc., zukünftig geben.“ Aus dieser Überlegung sei das Modell entstanden, um den Hochbau auf der Messe wissenschaftlich zu stärken.
Holzbauhalle löst Ziegelforum ab
Eine Schlüsselrolle spielt dabei der Holzbau. Er bekommt 2026 eine eigene Sonderschau in Halle 4 + 6, die künftig jährlich stattfinden soll. Solohor betont die Relevanz für Planer und Bauunternehmer: „Holzbau steht für alles, was wir derzeit im Hochbau brauchen. Es geht um serielles, schnelles und kostensparendes Bauen. Es geht auch um Aufstockung, um ohne zusätzlichen Flächenverbrauch Wohnraum zu schaffen – vor allem in den Innenstädten.“
Trotz dieser neuen Ausrichtung vergisst die Messe ihre Wurzeln nicht. Auch wenn Norddeutschland früher durch eine Vielzahl von Ziegelherstellern geprägt war: „Der Markt ist total bereinigt worden“, sagt Solohor nüchtern. „Früher hatten wir in Schleswig-Holstein eine große Anzahl an Herstellern. Das ist nicht mehr so. Wir haben noch zwei Anbieter. Ziegel ist norddeutsches kulturelles Bauen – deshalb bemühen wir uns weiter.“
Infrastrukturforum: Realitätscheck für Großprojekte
Während der Hochbau nach Lösungen sucht, steht der Verkehrswegebau in Norddeutschland vor gigantischen Aufgaben. Mit der Finanzierungszusage für die Autobahnen A 20, A 26 und A 39 rücken große Infrastrukturvorhaben in den Fokus. Die Nordbau reagiert darauf mit dem neuen „Infrastrukturforum“ in Halle 1. Von Mittwoch bis Freitag gibt es hier zwischen 12 und 13 Uhr einen Live-Podcast zu den Themen Autobahn, Bundeswehr und DBInfraGo. Vertreter der Bauindustrie und des Bundesbauministeriums debattieren hier unter der Leitung des VDBUM über schnelle Beschaffung, Effizienz und Planungssicherheit für Maschinenhersteller.
Technik, Forschung und der Kampf um Fachkräfte
Auf dem vollen Freigelände zeigt sich, wie diese Großprojekte umgesetzt werden sollen: Elektrobetriebene Baumaschinen, wachsende Automatisierung, Sensorik und KI prägen das Bild. Wer sehen will, was möglich ist, sollte den Demonstrator der TH Lübeck in Halle 1 besuchen, der anschaulich zeigt, wie weit die 3D-Betondrucktechnik heute schon ist.
Doch die beste Technik nützt nichts ohne Personal. Am Messe-Donnerstag richtet sich das Format „NordJob Bau:Technik“ erneut an rund 1.000 zukünftige Schulabgänger, die bei konkreten Gesprächsterminen direkt in Kontakt mit potenziellen Arbeitgebern treten können. Branchengrößen wie Strabag/Züblin, Zech, Leonhard Weiss, Bunte, Brauckmann & Damm oder Terras zeigen in Neumünster als Direktaussteller Flagge.
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Drei Tipps für den Messebesuch
Wer bei all den Angeboten den Überblick verliert, für den hat Natalja Solohor drei klare Empfehlungen für den Messebesuch: „Auf jeden Fall die Leistungsschau im Freigelände, die finde ich immer wieder faszinierend. Dann aufgrund seiner Aktualität das Infrastrukturforum für die Tiefbauer, und schließlich würde ich unbedingt die ausstellenden Verbände ansprechen, um ins Gespräch zu kommen.“
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