Ladeinfrastruktur
Wie TyroCharge das Lade-Dilemma bei E-Baumaschinen lösen will

Um das markenübergreifende Laden von elektrischen Baumaschinen zu ermöglichen, präsentiert das Unternehmen TyroCharge die erste Systemlösung für den neuen VDE-Standard LiCom. Das System soll als offener Standard das Stecker-Chaos auf Baustellen im Niedervoltbereich von 24 bis 120 Volt beenden.

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Die Elektrifizierung von Baumaschinen schreitet schnell voran, besonders im Bereich der Kompaktmaschinen. Doch während Akkus und Antriebssysteme technisch ausgereift sind, fehlt der Bauwirtschaft bislang ein offener Industriestandard für das Laden im Niedervoltbereich. Fast jeder Hersteller nutzt eigene Stecker, Kommunikationsprotokolle und Sicherheitskonzepte.
Diese herstellerspezifischen Insellösungen machen es Bauunternehmen und Baumaschinen-Vermietern schwer. Sie kämpfen auf den Baustellen mit Ladeinfrastrukturen, die nicht untereinander kompatibel sind. Die fehlende Standardisierung erschwert die Skalierung gemischter E-Maschinenflotten massiv und treibt zudem den Entwicklungsaufwand für die Baumaschinenhersteller (OEMs) in die Höhe.
Einheitlicher Standard für die Baupraxis
Diese Lücke soll der neue Standard LiCom (VDE V 0622) schließen. Er definiert die Kommunikation zwischen Baumaschine und Ladegerät im Spannungsbereich von 24 bis 120 Volt sowie die dafür notwendigen Sicherheitsfunktionen und Ladeabläufe. Vereinfacht ausgedrückt soll LiCom im Segment der Kompaktbaumaschinen das leisten, was der CCS-Standard für Hochvolt-Elektrofahrzeuge im Pkw- und Lkw-Bereich ist: eine gemeinsame, herstellerunabhängige Sprache. LiCom ist dabei kein geschlossenes System von TyroCharge. Die Spezifikation wird in einem industrieübergreifenden Standardisierungsprozess entwickelt und steht der gesamten Baubranche offen zur Verfügung.
Erste Systemkomponenten für Baumaschinenhersteller
Das auf Ladeinfrastruktur spezialisierte Technologieunternehmen TyroCharge aus Österreich hat nun die erste fahrzeug- und ladeseitige Referenzimplementierung des Standards auf der Branchenmesse iVT Expo Köln vorgestellt. Die Systemlösung besteht aus drei Kernkomponenten:
- LiCom Vehicle Interface (LVI): eine Schnittstelle zur direkten Integration auf der Fahrzeugseite des Baggers oder Radladers.
- LiCom Charging Board (LCB): eine elektronische Baugruppe zur Integration in die mobilen oder stationären Ladegeräte.
- LiCom-Ladesystem: ein System, das die Kommunikation zwischen Baumaschine und Ladestation unter realen Bedingungen abbildet.
Für Baumaschinenhersteller reduzieren diese Komponenten den Entwicklungsaufwand und bieten mehr Flexibilität bei der Auswahl von Lieferanten für die Batterie-Peripherie. Der primäre Fokus der Entwickler liegt laut TyroCharge-Gründer Mario Gebhart auf der Erstausrüstung neuer Fahrzeuge, um eine schnelle Marktdurchdringung zu erreichen. Das fahrzeugseitige Integrationsmodul (LVI) sei jedoch bewusst so konzipiert worden, dass es auch in bestehende elektrische Maschinen integriert werden kann. Nach Angaben von TyroCharge ermöglicht dieser Retrofit-Ansatz Bauunternehmen und Vermietern den schrittweisen Übergang, da bestehende und neue Maschinengenerationen parallel betrieben werden können, ohne auf unterschiedliche Ladesysteme angewiesen zu sein.

Ergänzung zu etablierten Wechselakkus
Auch schon bestehende Batterie-Allianzen der Branche stehen dem neuen Standard nicht im Weg. Gegenüber bau.bi betont Gebhart, dass LiCom und etablierte Wechselbatterie-Konzepte wie etwa das von Wacker Neuson initiierte "Battery One" keine konkurrierenden, sondern ergänzende Lösungen seien. Ein Niedervolt-Ladestandard könne sich nur erfolgreich etablieren, wenn er unabhängig von der Bauart der Batterie – ob fest verbaut oder als Wechselsystem – funktioniere.
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Der LiCom-Standard erlaube es beispielsweise, in der Mittagspause zunächst den fest verbauten Akku eines Baggers über einen Schnelllader zu versorgen und anschließend dasselbe Ladegerät zu nutzen, um parallel mehrere Wechselbatterien eines Systems wie Battery One zu laden. Erste Integrationsprojekte für solch gemeinsame Ladeinfrastrukturen unterschiedlicher Batteriekonzepte befinden sich laut Gebhart gemeinsam mit führenden OEMs der Baumaschinenbranche schon in der Vorbereitungsphase.
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