Megabaustelle München
Logistik extrem: Dechant meistert Rohbau fürs Strafjustizzentrum

Riesige Betonmengen, eisige Winter und nur eine einzige Zufahrt im Herzen Münchens. Der Rohbau des neuen Strafjustizzentrums verlangte den Bauingenieuren von Dechant alles ab. Mit beheizten Schalungen, 200 Meter langen Pumpenrohren und 75.000 Stützen bändigte das Bauteam die extremen logistischen Hürden dieses Megaprojekts am Leonrodplatz.

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Das neue Strafjustizzentrum vereint sieben Justizbehörden auf 39.000 Quadratmetern. Bevor der Hochbau überhaupt startete, kämpften die Tiefbauer tief im Münchner Erdreich gegen das Grundwasser. Für einen komplett trockenen Keller verlegten die Arbeiter ein spezielles Frischbeton-Verbundsystem und gossen eine massiv bewehrte, 2,02 Meter dicke Bodenplatte. Auf diesem wasserundurchlässigen Fundament wachsen bis zu sieben Obergeschosse mit gewaltigen Raumhöhen von bis zu 13 Metern in den Himmel.
Statischer Drahtseilakt und massenhaft Material
Die Architektur des Gebäudes gleicht einem unregelmäßigen Labyrinth. Verwinkelte Haftzellen im Keller, 54 Gerichtssäle in unterschiedlichsten Größen und weite Innenhöfe blockieren jegliche Standardisierung bei der Schalung. Dieser offene Entwurf forderte von den Statikern einen immensen Materialeinsatz. „Dies machte bei der baulichen Umsetzung den Einsatz von zusätzlichem Traggerüstmaterial erforderlich“, beschreibt Philipp Vazquez, Leiter der Unternehmensentwicklung bei Dechant, die bauliche Hürde. Insgesamt verbaute das Unternehmen für den Rohbau rund 64.000 Kubikmeter Beton, 11.269 Tonnen Betonstahl sowie ein gewaltiges Stützsystem aus 72.000 klassischen Stahlrohrstützen und 3.200 massiven Schwerlaststützen.

100 Betonmischer im Nadelöhr Innenstadt
Die größte Zerreißprobe für die Bauleiter war jedoch nicht die Statik, sondern der extreme Platzmangel. Die komplette Großbaustelle besaß nur eine einzige Zufahrt. Das Logistikteam dirigierte an Spitzentagen über 100 anrollende Betonmischfahrzeuge durch dieses urbane Nadelöhr. Die Verteilung des Materials erfolgte über sechs Hochbaukräne und eine mächtige Pumpen-Infrastruktur. Über hydraulische Drehverteiler und ein 200 Meter langes Rohrleitungssystem pumpten die Arbeiter den Frischbeton quer über das Areal in die Schalungen.
Betonieren bei Frost und Hitze
Die streng getaktete Bauzeit von vier Jahren verbot jegliche witterungsbedingten Pausen. „Ein Betonbau dieser Dimension und Arbeiten bei sämtlichen Witterungsverhältnissen und zu allen Jahreszeiten stellen zudem besondere Herausforderungen an Organisation und Bautechnik vor Ort dar“, erklärt Bauingenieur Vazquez. Fielen die Temperaturen im Winter unter den Gefrierpunkt, packten die Arbeiter die Bauteile in Dämmungen ein und heizten die Schalungen. Im Hochsommer schützten dagegen großflächige Berieselungsanlagen den frischen Beton vor dem Austrocknen und Verbrennen.
Eigene Schreinerei für Sichtbeton
Trotz des enormen Zeitdrucks und der harten Witterungsbedingungen verlangte der Freistaat Bayern als Bauherr höchste Präzision an den Oberflächen. Das Gebäude zeichnet sich durch seine acht Meter hohen Säulen und freiliegende Unterzüge aus glattem Sichtbeton aus. Für die millimetergenaue Vorfertigung der Schalungselemente baute Dechant eigens eine Schreinerei direkt auf der Baustelle auf. Zimmerleute fertigten dort die Formen für 6.000 Quadratmeter Wandfläche in der höchsten Sichtbetonklasse SB4, die der Justizfassade nun ihren markanten Charakter verleihen.
Einweihung pünktlich nach zehn Jahren Bauzeit

Vom ersten Spatenstich bis zur feierlichen Übergabe des schlüsselfertigen Gebäudekomplexes vergingen insgesamt zehn Jahre Bauzeit. Dechant hielt das für die erweiterten Rohbauarbeiten veranschlagte Zeitfenster von exakt vier Jahren pünktlich ein. „Für diese Arbeiten wurden rund vier Jahre Bauzeit veranschlagt – und pünktlich eingehalten“, bilanziert Unternehmensentwickler Philipp Vazquez. Das Justizzentrum hat seinen Betrieb am Leonrodplatz mittlerweile aufgenommen und führt die zuvor im Stadtgebiet verteilten Strafjustizbehörden an einem zentralen Standort zusammen.
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