Kranlogistik
Am Abgrund: Nachtschicht für 450-Tonnen-Krane

Unten hohle Passagiertunnel, oben Starkstromleitungen und in der Mitte kaum Platz für schwere Maschinen: Der Umbau des Duisburger Hauptbahnhofs verlangt logistische Meisterleistungen. In einem nächtlichen Wettlauf gegen die Zeit rüstete BKL die Baustelle mit gewaltigen 500-Metertonnen-Turmdrehkranen aus.
Die Modernisierung der Bahnsteige und des Daches am Duisburger Hauptbahnhof gleicht einer Operation am offenen Herzen. Die beauftragte SEH Engineering GmbH benötigt für die schweren Hebearbeiten vier große Obendreher des Typs TLS 80 20T. Da der Bahnverkehr tagsüber rollt, blieben der BKL Baukran Logistik GmbH für die spektakuläre Montage der 500-Metertonnen-Krane nur enge nächtliche Sperrpausen.
Schwergewichte auf hohlem Grund
Für den Aufbau der Turmdrehkrane fuhren die Logistiker zwei mächtige Mobilkrane – einen GMK6450-1 und einen LTM 1450-8.1 – auf. Die Aufstellung der 450-Tonner entwickelte sich jedoch zu einem statischen Drahtseilakt. Unter der ohnehin winzigen gemeinsamen Zufahrt verlaufen Bestands- und Passagiertunnel. Die Techniker platzierten die Stützen der Mobilkrane daher so präzise, dass das immense Gewicht der Maschinen die unterirdischen Gänge nicht belastete.
Heben direkt neben der Hochspannungsleitung

Eine weitere Gefahr drohte aus der Luft. Direkt neben den Standplätzen der Autokrane verlief eine Hochspannungsleitung der Bahn. Das erzwang eine strikte Erdung der Maschinen. Die Rüstteams statteten die Krane mit bis zu 52,5 Meter langen Wippspitzen aus. Diese enorme Ausladung erlaubte das sichere Schwenken der bis zu 16,8 Tonnen schweren Baukranteile über alle Störkanten und Leitungen hinweg.
Bauteile schweben im Schichtbetrieb ein
Die Enge am Bahnhof ließ keinen Raum für Zwischenlagerungen. BKL taktete die Anlieferung der riesigen Kranelemente per Lkw auf die Minute genau. Tagsüber schraubten die Mechaniker die angelieferten Module am Boden vor. Sobald die Nacht hereinbrach und der Zugverkehr stoppte, hoben zwei Montageteams die Stahlgiganten im Parallelbetrieb in den dunklen Himmel.

Präzisionsarbeit sichert den Bauablauf
Nach drei intensiven Nächten meldete das Team den erfolgreichen Aufbau. Die Obendreher arbeiten nun millimetergenau innerhalb der geforderten Radien und strengen Sicherheitsabstände. Zwei der Baukrane traten bereits im vergangenen Juli die Heimreise an. Die verbleibenden zwei Großkrane heben noch bis voraussichtlich 2028 schwere Lasten für den neuen Duisburger Bahnhof.
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