Gebäudesanierung
Vom Schandfleck zum KfW-55-Bau: Sanierung von Don Camillo und Peppone

Zwei markante Hochhäuser aus den 1960er-Jahren in Wolfsburg-Detmerode werden grundlegend transformiert. Statt eines Abrisses setzt die Neuland Wohnungsgesellschaft auf den Erhalt der Ortbeton-Tragstruktur. Vorgestellte Balkontürme auf 27 Meter tiefen Bohrpfählen und massives Kalksandsteinmauerwerk machen aus den Problemimmobilien KfW-55-Bauten.

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Die beiden Hochhäuser Don Camillo und Peppone prägen seit den 1960er-Jahren das Stadtbild im Wolfsburger Stadtteil Detmerode. Mit 13 und 23 Geschossen dienten die Gebäude jahrzehntelang als weithin sichtbare Landmarken, gerieten jedoch zunehmend durch bauliche Schäden und soziale Probleme in Verruf. Bei der Übernahme durch die Neuland Wohnungsgesellschaft zeigte sich die Haustechnik in desolatem Zustand, während der eigentliche Ortbeton-Rohbau eine solide Tragfähigkeit bot. „Die Bewehrung saß an der richtigen Stelle und die Tragfähigkeit war gegeben“, begründet Neuland-Geschäftsführer Hans-Dieter Brand die Entscheidung für den Erhalt der bestehenden Rohbaustruktur. Durch das Weiterbauen am Bestand wird der energieintensive Abbruch und Neubau des Baukörpers vermieden.
Fünf Millionen Euro für Schadstoffbeseitigung

Vor den eigentlichen Umbauarbeiten war eine aufwendige Asbestsanierung erforderlich. Weil freigewordene Wohnungen wegen der Schadstoffbelastung nicht mehr vermietet werden durften, liefen beide Hochhäuser sukzessive leer. Über 35 Stockwerke hinweg wurden die Wohnungen Etage für Etage in einem geschlossenen Drei-Kammersystem von Schadstoffen befreit. Die Gesamtkosten für diese Sanierungsphase beliefen sich auf fünf Millionen Euro. Nach Abschluss der Dekontamination stand der unverbaute Rohbau für die statische und energetische Neugestaltung bereit.
Pfahlgründung bis in 27 Meter Tiefe
Konstruktiv liegen die größten bautechnischen Eingriffe vor der ursprünglichen Fassadenlinie. Der Entwurf des kanadischen Planers Chris Doray sieht neue Treppenhäuser, außenliegende Aufzüge und großformatige, vorgestellte Balkontürme vor. Da diese schweren Neubauteile nicht an das bestehende Hochhaus angehängt werden durften, leiten separate Pfahlgründungen mit massiven Gründungstischen die Lasten direkt in den Baugrund ein. Beim 23-geschossigen Turm Don Camillo reichen die Bohrpfähle bis in eine Tiefe von 27 Metern.
Hydraulische Pressen regulieren Setzungen
Das unterschiedliche Setzungsverhalten zwischen dem jahrzehntelang ruhenden Altbau und den neuen Konstruktionen erforderte präzise Ausgleichsmaßnahmen. Während der Rohbauphase kamen hydraulische Pressen zum Einsatz, mit denen Setzungen im Millimeterbereich kontinuierlich nachjustiert wurden. Beim Turm Peppone mussten einzelne Lastpunkte gezielt angehoben werden, damit die Bauteile dauerhaft auf gleichem Höhenniveau mit dem Bestandsbaukörper blieben. Erst nach dem finalen Einpegeln erfolgte das kraftschlüssige Vergießen der Knotenpunkte.
Nachweis veränderter Windlasten

Die neu gestaltete Gebäudehülle mit ihrer skulpturalen Metallfassade und den vorgesetzten Balkonen veränderte das Strömungsverhalten des gesamten Baukörpers. Weil sich die baurechtlichen Lastannahmen und Berechnungsmethoden seit der Errichtung vor 50 Jahren grundlegend verschärft haben, war ein vollständiger Neunachweis der Windlasten unverzichtbar. Die statische Neuberechnung zog an mehreren Stellen lokale konstruktive Verstärkungen der aussteifenden Ortbetonwände nach sich.
Kalksandstein für Brand- und Schallschutz
Im Innenbereich wurden neue Raumstrukturen und Wohnungstrennwände komplett in Kalksandstein-Bauweise realisiert. Verwendet wurden Vollsteine der Formate 2 DF bis 8 DF in der Rohdichteklasse 2,0 und der Druckfestigkeitsklasse 20. Diese Steine gewährleisten schlanke Wandquerschnitte bei hoher Tragfähigkeit und bieten gleichzeitig den bauphysikalisch geforderten Schallschutz. Mit großformatigen 8-DF-Elementen wurde zudem eine neue, durchgehende Tragwand über sämtliche Geschosse gemauert. „Nach den vielen Unwägbarkeiten innerhalb des Baus war es gut, ein einfaches Material zu verarbeiten, das jeder gut kennt“, so Brand.
Deutliche Senkung des Energiebedarfs
Die Kombination aus gedämmter Hülle, vorgesetzten Balkonen statt innenliegenden Kältebrücken-Loggien und moderner Haustechnik verändert die energetische Bilanz der Wohnanlage erheblich. Beide Türme erreichen nach Abschluss der Maßnahmen den KfW-55-Standard. Der CO2-Ausstoß sinkt im Vergleich zum unsanierten Ursprungszustand um rund 75 Prozent. Helle Erschließungskerne, ein verglaster Panoramalift an der Außenfassade und zeitgemäße Grundrisse wandeln die vormaligen Problembauten in moderne Wohngebäude.
Bauverzögerung und neuer Fertigstellungstermin

Die Revitalisierung von Don Camillo und Peppone gilt als eines der anspruchsvollsten Sanierungsvorhaben im norddeutschen Hochhausbestand. Ursprünglich war die Fertigstellung für deutlich frühere Zeitpunkte avisiert. Die vorbereitenden Arbeiten begannen im Jahr 2017. Nach mehreren zeitlichen Verschiebungen strebt die Neuland Wohnungsgesellschaft nun den Sommer 2027 für die bezugsfertige Übergabe aller 212 Wohnungen an.
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