Regenwasserbehandlung
Teilstrom oder Vollstrom?
Die Anforderungen an die Behandlung von Niederschlagswasser steigen kontinuierlich durch strengere Umweltvorgaben, zunehmende Flächenversiegelung und veränderte Niederschlagsmuster. Für Planer stellt sich dabei die Frage, ob der gesamte Abfluss behandelt werden muss oder ob eine Teilstrombehandlung ausreicht. Dabei ist festzustellen, dass das gezielte Reinigen von spezifischen Niederschlagsmengen an Bedeutung gewinnt.


Vom Kalibrierschlauch zum Werkzeug in der grabenlosen Sanierung
Der AIRBAGLINER® von Bodenbender hat sich vom klassischen Kalibrierschlauch zu einem festen Bestandteil moderner Sanierungssysteme entwickelt.
Niederschlagsabflüsse können im Teilstrom behandelt werden (DWA-A 102-2). Dabei wird nur ein definierter Anteil des Zuflusses gezielt gereinigt. Grundlage der Auslegung ist die kritische Regenspende (rkrit). Sie bestimmt die Wassermenge, die einer Behandlungsanlage zugeführt wird. Der darüber hinausgehende Abfluss wird bei höheren Niederschlagsintensitäten über eine Überlaufvorrichtung (Bypass) abgeleitet.
First Flush mit höchster Schadstoffbelastung
Bei üblichen Regenereignissen wird das gesamte anfallende Wasser zunächst über die Behandlungsanlage geführt. Dieser erste Abfluss, auch als „First Flush“ bezeichnet, enthält in der Regel die höchste Schadstoffbelastung, da er Ablagerungen von befestigten Flächen aufnimmt. Erst bei länger andauernden oder intensiven Regenfällen steigt die Abflussmenge so weit an, dass ein Teil des Wassers über den Überlauf abgeführt wird. Dieses Wasser weist eine geringere Schadstoffkonzentration auf, da die größere Wassermenge verdünnt wirkt und der stärker belastete erste Anteil bereits gezielt behandelt wurde. Das Prinzip ermöglicht eine wirksame Reduzierung der Schadstofffracht bei gleichzeitig angepasster Dimensionierung der Behandlungsanlage.
Vollstrombehandlung bleibt bei sensiblen Anwendungen erforderlich
Trotz der Vorteile von Teilstromlösungen gibt es Anwendungsfälle, in denen eine vollständige Behandlung des gesamten Niederschlagswasserabflusses vorgeschrieben ist. Dies gilt insbesondere für die Versickerung in das Grundwasser (DWA-A 138-1). Hier steht der Schutz von Boden und Grundwasser im Vordergrund. Eine hydraulische Entlastung ist in diesen Anwendungsfällen nicht vorgesehen.
Planung erfordert differenzierte Betrachtung
Während bei Einleitungen in Oberflächengewässer zunehmend Teilstromlösungen eingesetzt werden, gelten für Versickerungsanlagen strengere Anforderungen. Für die Auslegung dezentraler Anlagen liefert der Entwurf DWA-M 179-1 zusätzliche Hinweise zur Dimensionierung und zum Betrieb. Entscheidend sind dabei u.a. die Filtrationsgeschwindigkeit, die Filtermächtigkeit sowie das Verhältnis von angeschlossener Fläche zur Behandlungsfläche.

Oberflächenfiltration als entscheidender Leistungsfaktor
Auch im Teilstrombetrieb zeigt die Oberflächenfiltration ihre Vorteile. Der stärker belastete Erstabfluss wird gezielt behandelt und von Schadstoffen befreit. Bei höheren Niederschlagsintensitäten gelangt Wasser mit geringerer Schadstoffkonzentration in den Überlauf. Die Reinigungsleistung bleibt dadurch auch bei wechselnden Belastungen zuverlässig erhalten.
Dezentrale Lösungen unterstützen flexible Konzepte
Dezentrale Systeme ermöglichen eine Anpassung an unterschiedliche Anforderungen vor Ort. Systeme wie Drainfix Clean von Hauraton lassen sich sowohl für die Vollstrom- als auch für die Teilstrombehandlung einsetzen und unterstützen damit verschiedene Entwässerungskonzepte im urbanen Raum.
Quelle: Hauraton
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