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Entwässerungsplanung nach Kölner Standard

Bauprojekte werden zunehmend komplexer, da die Anforderungen an die Nutzung von Flächen stetig wachsen und Multicodierung zunehmend zum Standard wird. Gleichzeitig erfordern häufigere Starkregenereignisse und Wetterextreme eine Anpassung der Bebauung sowie der Siedlungsstrukturen, um eine nachhaltige und sichere Entwicklung zu gewährleisten. Hierbei ist es hilfreich, Aspekte der Entwässerungsplanung für den Bemessungs- sowie für den Starkregenfall so früh wie möglich in den Planungsprozess einzubinden.

Leitfaden: Entwässerungsplanung nach Kölner Standard
Eiler Schützenplatz in Köln | Foto: StEB Köln

Vor diesem Hintergrund integrieren die Stadtentwässerungsbetriebe (StEB) Köln in Kooperation mit der Stadt Köln entwässerungstechnische Standards bereits in die frühen Phasen städtebaulicher Qualifizierungsverfahren. Ziel ist es, eine zuverlässige und zukunftsorientierte Entwässerungsplanung sicherzustellen, Flächenbedarfe frühzeitig zu identifizieren und diese im Bebauungsplan zu sichern. Dies erfordert und ermöglicht zugleich eine frühzeitige Abstimmung der StEB-Anforderungen mit Planern, Vorhabenträgern und den zuständigen Fachbereichen der Stadtverwaltung.

Aufgrund der Vielzahl beteiligter Akteure, darunter wechselnde Planungsbüros und investorengestützte Projekte, die mit den spezifischen Standards der StEB Köln häufig nicht vertraut sind, hat die Fachabteilung der StEB Köln einen Leitfaden zur Unterstützung der oftmals komplexen Planungsprozesse entwickelt. Dieser fasst alle relevanten Standards und Anforderungen der StEB Köln bis zur Leistungsphase 4 nach HOAI zusammen und dient als maßgebliches Handbuch zur entwässerungstechnischen Erschließung neuer Baugebiete. Damit wird die wasserbewusste Siedlungsentwicklung gefördert, die Berücksichtigung von blau-grüner Infrastruktur sichergestellt sowie zusätzliche Flächenbedarfe und Planungsgrundsätze frühzeitig verankert. Es erfolgt zudem eine frühzeitige Sensibilisierung für genehmigungsrelevante Themen und potenzielle entwässerungstechnische Herausforderungen.

Der Fokus der entwickelten Standards bezieht sich auf die Umsetzung von öffentlichen Flächen und damit verbundenen öffentlichen Entwässerungseinrichtungen. Die Standards sind sowohl bei städtischen als auch investorengestützten Bauvorhaben als Grundlage heranzuziehen. Themen des Leitfadens sind: Starkregen, Regenwasserbewirtschaftung und Technische Standards.

Ein zentrales Element in der Zusammenarbeit zwischen den Fachplanern und den StEB Köln ist das sogenannte Startgespräch. Es stellt die erste Kontaktaufnahme dar und dient dem gegenseitigen Kennenlernen der Projektakteure sowie der Klärung der Rollen innerhalb des Projekts. Darüber hinaus bietet es einen generellen Überblick über das Projektgebiet und ermöglicht erste fachliche Überlegungen. Besonders wichtig ist dabei die frühzeitige Vermittlung technischer Standards sowie der Hinweis auf Aspekte, die im weiteren Planungsverlauf einer besonderen Berücksichtigung bedürfen.

Während Schmutzwasser in den öffentlichen Kanal eingeleitet wird, obliegt das Niederschlagswasser zusätzlichen Anforderungen. Hier wird eine möglichst weitgehende Versickerung im Sinne des Wasserhaushaltsgesetzes (§ 55 Abs. 2 WHG und §44 Landeswassergesetz NRW) angestrebt, mit dem Ziel, so wenig Niederschlagswasser wie möglich in die Kanalisation einzuleiten. Diese Maßnahme steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung und Genehmigung durch die Untere Wasserbehörde der Stadt Köln.

Zur Unterstützung dieser Zielsetzung wird die optimierte Wasserhaushaltsbilanzierung nach DWA-M 102-4 (Grundsätze zur Bewirtschaftung und Behandlung von Regenwetterabflüssen zur Einleitung in Oberflächengewässer - Teil 4: Wasserhaushaltsbilanz für die Bewirtschaftung des Niederschlagswassers - März 2022) herangezogen. Dabei ist eine Abweichung des Planungszustandes vom Referenzzustand von maximal 10 Prozent zulässig.

Die Planung der Entwässerung für private und öffentliche Grundstücke erfolgt nach den anerkannten Regeln der Technik, wie bspw. dem DWA-Arbeitsblatt A 118 (Bewertung der hydraulischen Leistungsfähigkeit von Entwässerungssystemen, Januar 2024) und dem DWA-Arbeitsblatt A 138-1 (Anlagen zur Versickerung von Niederschlagswasser – Teil 1: Planung, Bau, Betrieb, Oktober 2024). Darüber hinaus gibt es Vorgaben zum Umgang mit Starkregen. Für die Entwässerungsplanung der privaten Grundstücke wird auf die DIN 1986-100 (Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke –Teil 100: Bestimmungen in Verbindung mit DIN EN 752 und DIN EN 12056, Dezember 2016) verwiesen. Die Forderung eines Überflutungsnachweises für die privaten Grundstücke erfolgt dabei unabhängig von der Grundstücksgröße. In Neuerschließungsgebieten wird darüber hinaus der Nachweis mit einem 100-jährlichen Regenereignis für das Gesamtgebiet gefordert.

Dies entspricht auch den Anforderungen an den Starkregennachweis auf öffentlichen Verkehrsflächen. Öffentliche Flächen müssen dem 100-jährlichen Ereignis standhalten und zusätzlich durch eine Sensitivitätsanalyse für ein 200-jährliches Ereignis auf mögliche Schwachstellen und Optimierungspotenziale untersucht werden. Auch innovative Ansätze wie die Nutzung von Grauwasser und die Ausweitung der Nutzung von Regenwasser sowie die Potenzialanalyse zur Abwasserwärmenutzung finden mittlerweile stärkeren Einzug in die Planungen.

Der Leitfaden der StEB Köln enthält darüber hinaus konkrete technische Vorgaben zu Kanalanlagen, wie die einzuhaltenden Anfangsschachttiefen, Haltungslängen und zu verwendenden Rohrmaterialien. Es wird auf vorhandene Schemazeichnungen verwiesen, beispielsweise zu Standardschächten, Anbindungen an den Hauptkanal, innen- und außenliegenden Abstürzen sowie – neu ab 2026 – auch auf Planungsmodule der blau-grünen Infrastruktur.

Versickerungsmulde | Foto: StEB Köln
Versickerungsmulde | Foto: StEB Köln

Aus betrieblicher Sicht sind weiterhin Grundsätze zu nachfolgenden Themen einzuhalten: angeschlossene befestigte Verkehrsfläche pro Sinkkästen, der Mindestabstand von Baumpflanzungen zu Haltungen und Schächten sowie die Befahrbarkeit und Anfahrbarkeit etwaiger Entwässerungseinrichtungen durch Betriebsfahrzeuge.

Zur Unterstützung der Fachplaner enthält der Leitfaden wie oben aufgeführt eine Vielzahl hilfreicher Informationen. Ergänzend stehen Kartenmaterialien zur Verfügung, darunter Kanalbestandskarten, eine Ausweisung für multifunktionale Flächen sowie Gefahrenkarten für Starkregen, Hochwasser und Grundhochwasser. Seit Kurzem stehen die Starkregengefahrenkarten außerdem als 3D-Karte zur Verfügung (www.hw-karten.de). Darüber hinaus erfolgen Verweise auf mitgeltende Regelwerke und Veröffentlichungen. Ein Beispiel hierfür ist die Empfehlung zur Optimierung der Wasserversorgung von Stadtbäumen durch das Planungsmodul „Wasser muss zum Baum“. Dieses Modul behandelt den Umgang mit Niederschlagswasser in Bezug auf Baumstandorte und wurde vom Amt für Landschaftspflege und Grünflächen der Stadt Köln im Grünhandbuch Köln veröffentlicht. Die enge ämterübergreifende Zusammenarbeit zur Entwicklung der Module hat noch einmal mehr hervorgehoben, wie wichtig die ganzheitliche Betrachtung und Kooperation für das Themenfeld des Regenwassermanagements ist, um hier zukunftsfähige Projekte entstehen zu lassen.

Abschließend werden die Planer darauf hingewiesen, welche Unterlagen für die Freigabe des Entwässerungskonzeptes und der -planung bei den StEB Köln vorzulegen sind. Hierzu gehören ein Bericht zur Nachvollziehbarkeit der Randbedingungen und der gewählten Systeme, ebenso wie die zeichnerische Aufarbeitung des Entwässerungskonzepts und der -planung mit zunehmendem Detaillierungsgrad. Ebenso sind die rechnerischen Nachweise für die Dimensionierung der entwässerungstechnischen Anlagen abzugeben.

Eine aktuelle Neuerung des vorgestellten Leitfadens stellt die Einführung eines Excel-Sheets dar, das alle relevanten Informationen thematisch bündelt. Eine integrierte Checkliste bietet eine Übersicht darüber, welche Aspekte in welcher Bearbeitungsphase zu berücksichtigen sind. Die einzelnen Punkte sind direkt mit den entsprechenden Tabellenblättern verlinkt, was die Strukturierung und Nachverfolgbarkeit der Planung deutlich erleichtert. Die Überarbeitung des bisherigen Leitfadens in Form eines Excel-Sheets stellt einen wichtigen Schritt zur verbesserten Übersichtlichkeit dar. In der Vergangenheit wurde immer wieder deutlich, dass die Informationsfülle des Leitfadens dazu führt, dass Inhalte nicht berücksichtigt werden. So können nun neben den Startgesprächen das Wissen und die Vorgaben kompakt zur Verfügung gestellt und seitens der StEB Köln ein Standard und eine Arbeitserleichterung im Rahmen der Prüfung etabliert werden.

Literatur:
Merkblatt DWA-M 102-4: Grundsätze zur Bewirtschaftung und Behandlung von Regenwetterabflüssen zur Einleitung in Oberflächengewässer - Teil 4: Wasserhaushaltsbilanz für die Bewirtschaftung des Niederschlagswassers, Hennef, 2022)

Arbeitsblatt DWA-A 118: Bewertung der hydraulischen Leistungsfähigkeit von Entwässerungssystemen, Hennef, 2024)

Arbeitsblatt DWA-A 138-1: Anlagen zur Versickerung von Niederschlagswasser – Teil 1: Planung, Bau, Betrieb, Hennef, 2024).

DIN 1986-100: Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke –Teil 100: Bestimmungen in Verbindung mit DIN EN 752 und DIN EN 12056, Beuth, Berlin, 2016)

Stadt Köln: Grünhandbuch Köln, https://www.stadt-koeln.de/artikel/71743/index.html, letzter Zugriff: 08.10.2025

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Autorinnen:

Alina Kosmützky, Sachgebiet Erschließungen und Klimafolgenanpassung, StEB Köln; alina.kosmuetzky@steb-koeln.de | Foto: David Ausserhofer
Alina Kosmützky, Sachgebiet Erschließungen und Klimafolgenanpassung, StEB Köln; alina.kosmuetzky@steb-koeln.de | Foto: David Ausserhofer
Dr. Maria Ceylan, Sachgebietsleitung Erschließungen und Klimafolgenanpassung, StEB Köln; maria.ceylan@steb-koeln.de | Foto: privat
Dr. Maria Ceylan, Sachgebietsleitung Erschließungen und Klimafolgenanpassung, StEB Köln; maria.ceylan@steb-koeln.de | Foto: privat

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