Klimastress, Kostendruck, KI: Die neuen Aufgaben für Leitungsnetze
Beim 38. Oldenburger Rohrleitungsforum stand das Leitthema „Alt und Neu – Strategien für Netze von morgen“ im Mittelpunkt. Die Referenten machten deutlich, dass die Netzinfrastruktur in Deutschland vor großen Aufgaben steht: Klimawandel, Digitalisierung sowie Energie- und Wärmewende erfordern neue Lösungen – gleichzeitig bleibt der Bestand das Rückgrat der Daseinsvorsorge.

Prof. Dr.-Ing. Katharina Teuber von der Jade Hochschule richtete den Blick auf die Siedlungswasserwirtschaft. Aus ihrer Sicht stellen häufigere Starkregenereignisse und längere Trockenperioden urbane Wassersysteme vor doppelte Herausforderungen: Kanalnetze stoßen bei Starkregen an Kapazitätsgrenzen, während Trockenphasen die Versorgungssicherheit belasten.
Teuber betonte, dass künftig stärker über alternative Wasserressourcen und neue Nutzungskonzepte nachgedacht werden müsse. Digitalisierung eröffne dabei neue Möglichkeiten: Sensorik, Simulationsmodelle und KI-gestützte Zustandsanalysen könnten helfen, bestehende Netze intelligenter zu steuern, Speicherkapazitäten besser auszuschöpfen und Sanierungen gezielter zu planen. Gerade vor dem Hintergrund von Fachkräftemangel gewinnen automatisierte Assistenzsysteme an Bedeutung.
Fernwärme als Schlüssel der Wärmewende

Dr.-Ing. Bernd Wagner vom Energieeffizienzverband AGFW hob das große Potenzial der Fernwärme für Nachhaltigkeit und Energieeffizienz hervor. Die Wärmewende erfordert einen massiven Ausbau: Bis 2045 soll die Zahl der angeschlossenen Gebäude deutlich steigen, gleichzeitig müssen Wärmenetze klimaneutral werden.
Wagner stellte unterschiedliche Forschungsansätze vor, um Netze nachhaltiger zu ertüchtigen. Dazu zählen grabenlose Sanierungsverfahren wie Schlauchliner-Technologien, die Rohre länger nutzbar machen können. Assetmanagement und digitale Messdaten sollen zudem Predictive-Maintenance-Strategien ermöglichen. Beim Neubau spielen ressourcenschonende Bauverfahren eine Rolle, etwa selbstverdichtende Verfüllbaustoffe, die Einsparpotenziale gegenüber konventionellen Methoden bieten.
Gasnetze der Zukunft mit Wasserstoff und Biogas

Heiko Fastje, Leiter Technik bei EWE Netz, beschrieb den grundlegenden Wandel der Gasversorgung. Fossiles Erdgas wird perspektivisch auslaufen, gleichzeitig bleiben Gase als Energieträger unverzichtbar – insbesondere erneuerbarer Wasserstoff und Biogas.
Fastje machte deutlich, dass sich der Einsatz von Gasen künftig verschiebt: Während heute viele Gebäude mit Gas beheizt werden, liegt der Fokus zukünftig stärker auf Industrie, Gewerbe und flexibler Stromerzeugung. Verteilnetzbetreiber müssen daher frühzeitig analysieren, wo erneuerbare Gase regional verfügbar sein werden, und ihre Netze entsprechend anpassen. Simulationen und strategische Planung werden dabei zum Schlüssel.
Resilienz und Sicherheit der Trinkwassernetze

Dr. Wolf Merkel vom DVGW unterstrich die hohe Zuverlässigkeit der Trinkwasserversorgung in Deutschland. Technische Standards und kontinuierlicher Substanzerhalt sorgen für eines der weltweit sichersten Netze.
Gleichzeitig nehmen die Herausforderungen zu: Klimawandel, Extremwetter sowie physische und digitale Angriffe rücken stärker in den Fokus. Merkel betonte die Notwendigkeit, Resilienzmaßnahmen systematisch in die strategische Planung aufzunehmen. Dazu gehören Risikoanalysen, datengetriebene Betriebsführung sowie Investitionen in Redundanzen, Speicher und überregionale Versorgungskonzepte. Auch die Finanzierung bleibt ein zentraler Punkt, da klimainduzierte Zusatzinvestitionen in den kommenden Jahren Milliardenbeträge erfordern können.
Forum als Plattform für Austausch und Zukunftsstrategien

Mike Böge, Geschäftsführer des Instituts für Rohrleitungsbau, stellte die Rolle des Oldenburger Rohrleitungsforums als zentrale Plattform der Branche heraus. „Alt und Neu“ bedeute nicht nur technische Innovation, sondern auch Wissenstransfer zwischen Erfahrung und Nachwuchs sowie den Dialog zwischen Forschung und Praxis.
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Das Forum bringt Akteure aus Abwasser, Trinkwasser, Gas, Fernwärme und weiteren Bereichen zusammen und schafft Raum für spartenübergreifenden Austausch. Mit über 1.000 Teilnehmern und mehreren tausend Messebesuchern zählt es zu den wichtigsten Branchentreffen rund um die unterirdische Infrastruktur.
Netze von morgen: Bestand erhalten und Zukunft gestalten
Die Beiträge der Referenten machten deutlich: Die Netze von morgen entstehen durch die intelligente Weiterentwicklung bestehender Infrastruktur. Digitalisierung, klimafeste Planung, neue Sanierungsverfahren und erneuerbare Energieträger sind entscheidende Bausteine, um Versorgungssicherheit und Nachhaltigkeit langfristig zu gewährleisten.
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