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Reline-Kundenevent zur DWA-Debatte: Hersteller trifft Einbaupraxis

Reline-Kundenevent

DWA-Debatte: Herstellerperspektive trifft auf Einbaupraxis

14.07.2026, 11:11
ROHRBACH
Reline-Kundenevent zur DWA-Debatte: Hersteller trifft Einbaupraxis
Teilnehmer beim Reline-Kundenevent | Foto: RelineEurope

Was treibt die Kanalsanierungsbranche aktuell um – technisch, regulatorisch und klimapolitisch? Darum ging es beim exklusiven Kundenevent auf dem Werksgelände von Reline in Rohrbach. Im Mittelpunkt standen die kontrovers diskutierte Neufassung des DWA-Arbeitsblatts 143-3 und die Frage, welche Haltung Hersteller und Einbauer dazu einnehmen.

Bereits vor einigen Monaten hat Reline eine Führungsrolle in der Debatte um das DWA-Arbeitsblatt übernommen. „Da wird sehr viel Unruhe in den Markt gegeben, das können wir so nicht stehen lassen“, machte CEO Marc Stiebing gleich zu Beginn der Veranstaltung deutlich. Aus diesem Grund bringt sich das Unternehmen mit eigenen Messreihen, Auswertungen und Fachbeiträgen ein.

Das Event führte diese Auseinandersetzung fort und erweiterte den Blick bewusst um die Perspektive der Kunden. Viele von ihnen spüren die möglichen Folgen der Arbeitsblattnovellierung schon heute. Ein Ingenieurbüro hat zentrale Forderungen der Novellierung als Zusätzliche Technische Vertragsbedingung (ZTV) auf den Markt gebracht, die erste Kommunen bereits in Ausschreibungen einsetzen. Was offiziell noch Entwurf ist, schlägt damit direkt auf Baustellenabläufe und Projektkosten durch.

Dass Reline die Diskussion nicht allein führt, wurde in Rohrbach ebenfalls sichtbar. Anfang 2026 haben sich große Unternehmen der GFK-Branche zu einer Interessengruppe zusammengeschlossen, um gegenüber dem DWA-Arbeitskreis und dem DIBt-Expertenrat mit einer Stimme zu sprechen. Die insgesamt 58 Forderungen für regulatorische Neuregelungen wurden gemeinsam analysiert. Die Einschätzung fasste Stiebing so zusammen: „Rund 50 Prozent der Forderungen sind sinnhaft.“ Der entscheidende Streitpunkt bleibt die Frage, ob die Qualität bisher verbauter Schlauchliner tatsächlich derart weitreichende Verschärfungen wie in der Novellierung vorgesehen nötig macht. Einige Hersteller sehen dafür keinerlei Grundlage: „Die Reklamationsquoten der letzten zwei Jahre werden wir einem Notar melden und transparent kommunizieren“, kündigte Marc Stiebing an. Damit soll die Diskussion auf eine belastbare Datengrundlage gestellt und somit versachlicht werden.

Was der Entwurf in der Praxis bedeutet

Philipp Bergmann, Head of Sales Europe bei Reline, nahm in Rohrbach einen der zentralen Streitpunkte des Entwurfs unter die Lupe: die Wanddicke. Gleich mehrere Forderungen im Arbeitsblattentwurf zielen auf diesen Wert ab – mit weitreichenden Folgen, wie Bergmann anhand konkreter Zahlen verdeutlichte. Bei einem Alphaliner 500G mit DN 1200 würde die Verbundwanddicke um rund 24 Prozent steigen, in einzelnen Nennweitenbereichen des steiferen Alphaliner1800H sogar um über 50 Prozent. „Dafür gibt es keine technische Argumentation", kritisierte Bergmann. Tragfähigkeit, Dichtheit sowie Spül- und Abriebfestigkeit seien durch bestehende Normen nachgewiesen. Reline-Produkte erfüllten zudem heute etwa bereits die strengeren Prüfanforderungen, wie sie in Österreich und der Schweiz gelten.

Ein zweiter Streitpunkt ist der geforderte Reststyrol-Grenzwert von 2 Prozent, der laut Reline die Aushärtegeschwindigkeit um 25 Prozent senken und direkt in Einbauprozesse und Projektkalkulationen eingreifen würde. Die Folgen beider Verschärfungen reichten weit, von höheren Projektkosten über Innovationshemmung bis hin zur Marktverengung. Bei gleichbleibendem kommunalem Budget würden dickere Liner weniger sanierte Kanäle bedeuten und der Sanierungsstau sich verschärfen, bemängelt Reline.

Dass die Kritik keine Pauschalablehnung ist, zeigte Bergmann beim Thema Temperatur: Präzisere Vorgaben zur Aushärtung und Temperaturmessung auf der Baustelle bewertet Reline als sinnvoll. „Das ist unsere Aufgabe – da haben wir zu viel Interpretationsspielraum gelassen“, gab er sich selbstkritisch.

Das bewegt die Einbauer

Welche konkreten Folgen die aktuellen Entwicklungen um die ZTV und das DWA-Arbeitsblatt in der Praxis haben, schilderten viele Einbauunternehmer, die nach Rohrbach gekommen waren. „Womit wir da täglich konfrontiert sind, ist eine Katastrophe", sagte Uwe Theim, Geschäftsführer der LineTec Umwelttechnik GmbH. „Ich habe inzwischen den fünften Auftrag, bei dem ich Messungen durchführe, die aus meiner Sicht nichts über die tatsächliche Qualität des eingebauten Liners aussagen. Die Kosten lagen bei einem Projekt allein bei 10.000 Euro – bezahlt von der Stadt.“

Was ihn besonders ärgert: Werden Grenzwerte nicht erreicht, drohen künftig womöglich finanzielle Sanktionen, obwohl das eingebaute Produkt technisch einwandfrei ist. Hinzu kommt ein praktisches Problem: Dürfen Liner künftig nur noch zwischen 15 und 25 Grad Außentemperatur eingebaut werden, schrumpft das nutzbare Einbaufenster aus seiner Sicht auf wenige Monate im Jahr – mit direkten Folgen für Kapazitäten und Kalkulation.

Willi Geiger, Geschäftsführer der Geiger Kanaltechnik GmbH & Co. KG, schlug einen anderen Ton an. „Es hat in den vergangenen Jahrzehnten mehrere Qualitätssprünge gegeben, dann ist zu lange nichts bei den Regelwerken passiert, jetzt sind wir getrieben." Für ihn liegt die Chance darin, sinnvolle Punkte aufzunehmen und das Produkt weiter zu verbessern.

GFK-Schlauchlining und Klimaziele

Was Theim und Geiger aus der Einbaupraxis beschrieben, hat Marina Schirrmann, Senior Sustainability Officer bei Reline, in ihrem Vortrag um eine weitere Dimension erweitert. Kommunen und andere Auftraggeber verfolgen verbindliche Klimaziele und lassen diese zunehmend in Beschaffung und Projektbewertung einfließen. Die grabenlose Sanierung mit GFK-Linern ist dabei die CO₂-effizienteste Methode – das belegen unabhängig Daten des Fraunhofer Umsicht: Bei DN 1200 erzeugen GFK-Liner rund 7.200 kg CO₂ pro 50 Meter Einbau, ein konventionelles Betonrohr kommt auf rund 16.772 kg. Für Einbauunternehmen ist das ein Verkaufsargument gegenüber ihren Kunden.

Rund 90 Prozent der CO₂-Emissionen eines GFK-Schlauchliners entfallen auf das Material – nicht auf Produktion oder Einbau. Genau hier sieht Schirrmann den Widerspruch im aktuellen Entwurf: „Tritt das Arbeitsblatt in seiner derzeitigen Fassung in Kraft, würden wir weitaus mehr Material unter die Erde bringen als aktuell. Das würde die Bemühungen der Branche für mehr Nachhaltigkeit konterkarieren.“ Wie groß der Hebel ist, zeigen Relines eigene Zahlen für 2025: 61.000 Tonnen CO₂ und 888.000 Kubikmeter Wasser seien eingespart worden.

Eine Neuvorstellung und Einblicke hinter die Kulissen

Vorgestellt wurde an diesem Tag auch Thomas Reingruber, der als Director Global Sales & Marketing die internationale Marktentwicklung von Reline verantwortet. Er bringt langjährige Erfahrung im internationalen Vertrieb mit und wird Kundenbeziehungen in bestehenden wie neuen Märkten ausbauen.

Zum Programm des exklusiven Kundenevents gehörte auch ein Rundgang durch Labor und Produktion. Maurice Gilbert aus dem Team Entwicklung erläuterte die Reststyrolprüfung nach ISO-Norm, die seit Kurzem mit einem eigenem Gaschromatographen durchgeführt werden kann. In der Produktion zeigte Andreas Thomalla, Leiter Produktion bei Reline, vier neue Tränkanlagen mit automatisierter Rezeptverwaltung, die eine gleichmäßige Wandstärke in der Wicklung sicherstellen – entwickelt und gebaut im hauseigenen Maschinenbau unter der Leitung von Denis Heß. Dessen Team verantwortet auch den Bereich Equipment, der sich mit seinen Produkten vom Transportband über die Lichterkette bis zum Sanierungsfahrzeug vorstellte.

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Reline leitet seinen Anspruch in der DWA-Debatte aus dieser Fertigungstiefe ab. Wer eigene Prüfverfahren betreibt und eigene Messreihen vorlegt, kann in der Diskussion um DWA-A 143-3 mit Daten argumentieren – und genau das ist der Anspruch, mit dem Reline nach eigenen Angaben in den weiteren Prozess geht.

Alle bisherigen Berechnungen und Argumentationen hat das Unternehmen in einem Whitepaper zusammengefasst, das in Kürze auf der Reline-Website zum Download bereitsteht.

Quelle: RelineEurope



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