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💬 Interview Annika Bach: Bürokratie abbauen, Infrastruktur stärken
B_I umweltbau-Chefredakteur Boris Valdix beim Oldenburger Rohrleitungsforum im Gespräch mit BGT-Geschäftsführerin Annika Bach | Foto: B_I MEDIEN, teils KI-generiert

B_I umweltbau: Frau Bach, Sie sind seit dem 1. Oktober 2025 Geschäftsführerin beim BGT. Sie haben reichlich Erfahrung in Sachen Unternehmenskommunikation wie beispielsweise in der Industrie, in einer NGO sowie in einem Verein und kannten die Grabenlos-Branche zuvor nicht. Was waren Ihre Eindrücke in den ersten Monaten?

Annika Bach: Ich habe schnell gemerkt, wie viel in dieser Branche passiert, ohne dass man es auf den ersten Blick wahrnimmt. Um die Branche besser zu verstehen, habe ich mir gleich zu Beginn die Verfahren direkt auf den Baustellen angeschaut. Ich bin das erste Mal in meinem Leben durch einen Kanal gegangen und in einem Waggon im neuen ElbX-Tunnel unter der Erde durchgefahren. Das ist etwas völlig anderes, als am Schreibtisch über die einzelnen Verfahren nachzulesen.

Bei den Gesprächen vor Ort und auch auf Messen ist mir die Offenheit und Begeisterung der Menschen für das grabenlose Bauen aufgefallen.

B_I umweltbau: Zu Ihren Aufgaben beim neuen Verband zählen die Interessenvertretung gegenüber Politik und Öffentlichkeit sowie die strategische Weiterentwicklung der Verbandsarbeit. Worauf kommt es Ihnen dabei an?

Bach: Für mich war am Anfang wichtig, die Branche wirklich zu verstehen. Was macht sie aus? Wo liegen die aktuellen Herausforderungen? Im nächsten Schritt geht es darum, diese Stärke sichtbarer zu machen. Die Branche hat einen direkten Einfluss auf unsere Infrastruktur, wird aber oft nicht entsprechend wahrgenommen.

Bürokratie abbauen und klare Rahmenbedingungen schaffen

Gerade im politischen Bereich gibt es verschiedene Ansatzpunkte, an denen wir als Verband ansetzen können. Ein Beispiel sind die Dichtheitsprüfungen der Abwasseranlagen. Zwar sind Eigentümer grundsätzlich für den ordnungsgemäßen Zustand ihrer Abwasseranlagen verantwortlich, eine einheitliche, bundesweite Prüfpflicht mit festen Fristen existiert jedoch nicht. Statt klarer Vorgaben entsteht ein Flickenteppich aus Regelungen auf Landes- und kommunaler Ebene.

Ein anderes Beispiel für unsere aktuelle Verbandsarbeit ist der Umgang mit Genehmigungen und Verfahren. Wir haben einen Antrag für die Erdverlegung mit Schlauchlinern eingebracht, mit dem Ziel, Bürokratie abzubauen und gleichzeitig klare, verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen. Es geht darum, Verfahren in anerkannten Emissionsstandards einzuordnen, unnötige Anforderungen zu vermeiden und gleichzeitig die Arbeitssicherheit zu gewährleisten.

Ein weiteres wichtiges Thema ist für uns die Nachhaltigkeit. Im Arbeitskreis Nachhaltigkeit erarbeiten wir aktuell konkrete Grundlagen, darunter ein Informationsblatt sowie Ansätze für mehr Transparenz und Vergleichbarkeit. Dabei geht es ganz konkret um zwei Dinge: klare Anforderungen an Umweltproduktdeklarationen und die Frage, wie nachhaltige Ausschreibungen so gestaltet werden können, dass Angebote wirklich vergleichbar sind, insbesondere im Bereich grabenloser Verfahren.

In der Verbandsarbeit ist mir wichtig, dass das gesamte Spektrum der Branche abgebildet wird. Wir haben im Vorstand eine breite fachliche Expertise über Neubau und Sanierung hinweg. Darauf bauen wir auf. Ein Schwerpunkt liegt auf Wissensvermittlung und gleichzeitig auf einem starken, funktionierenden Netzwerk.

B_I umweltbau: Wie profitieren die Mitglieder von einem gemeinsamen Grabenlos-Verband?

Bach: Die Kompetenzen und Tätigkeiten der beiden bisherigen Verbände sind nun gebündelt, das Themenspektrum ist erweitert und Synergien werden genutzt. Bei Messen sorgt der gemeinsame Auftritt von mehreren Mitgliedsunternehmen für mehr Aufmerksamkeit und durch verschiedene Aktionen mehr neue Kontakte.

Über den neuen Verband werden Vertriebs- und Marketingmaßnahmen unterstützt und es entsteht ein konkreter Mehrwert: Über unsere Online-Unternehmenssuche werden Unternehmen von Auftraggebern gezielt gefunden. Zusätzlich bearbeiten wir in der Geschäftsstelle die Anfragen und leiten sie an passende Mitglieder weiter.

Mitglieder des Verbandes entwickeln die Branche mit. In den Arbeitskreisen entwickeln sie Merkblätter zu Verfahren und erarbeiten Qualitätsstandards. Zu den Mitgliedern zählen Vertreter von Ingenieurbüros, branchenbezogenen Dienstleistungsunternehmen, Herstellern und ausführenden Unternehmen sowie Netzbetreiber und Kommunen.

Über den Bundesverband grabenlose Technologien (BGT)

Gründung: 2025

Sitz: Berlin

Rechtsform: Eingetragener Verein

Rund 225 Mitglieder: Unternehmen, Ingenieurbüros, Kommunen, Netzbetreiber, Hochschulen und persönliche Mitglieder

Nationale Interessenvertretung mit internationaler Vernetzung

Annika Bach ist Geschäftsführerin des Bundesverbands grabenlose Technologien (BGT). Kommunikation und Netzwerkaufbau prägen ihren beruflichen Weg seit vielen Jahren. Im Herbst 2025 übernahm sie die Leitung des neu gegründeten Verbands, der aus der Fusion der German Society for Trenchless Technology (GSTT) und des Rohrleitungssanierungsverbands (RSV) hervorgegangen ist.

An der Branche reizt sie besonders, dass die unterirdische Infrastruktur fast unsichtbar ist und dennoch die wesentliche Grundlage für funktionierende Städte und Gemeinden, Gesundheits- und Umweltschutz bildet. Messen versteht sie als Orte des direkten Austauschs. Persönliche Gespräche, neue Kontakte und unerwartete Begegnungen stehen für sie im Mittelpunkt, insbesondere auf Veranstaltungen wie der kommenden IFAT in München.

B_I umweltbau: Inwieweit werden die bisherige Regelwerksarbeit, die bestehenden Arbeitskreise und die internationalen Aktivitäten fortgeführt? Und was passiert mit der Mitgliedschaft in der ISTT?

Bach: Durch den Zusammenschluss von zwei Verbänden decken wir die Bandbreite der grabenlosen Technologien ab. Bestehende Arbeitskreise führen wir weiter und bauen sie gezielt aus.

Ein zentraler Bestandteil unserer Arbeit bleibt die Regelwerkarbeit. Sie kommt aus der Praxis und muss auch in der Praxis funktionieren. Die bestehenden Merkblätter entwickeln wir weiter und überführen neue Themen schnell in praxisnahe Standards. Gleichzeitig treiben wir gemeinsam mit anderen europäischen Grabenlos-Verbänden die Harmonisierung der Regelwerke auf europäischer Ebene voran. Ziel ist es, einheitliche und anwendbare Standards zu schaffen, die direkt in Projekte einfließen können.

Auch international sind wir aktiv und bauen das weiter aus. So arbeitet der Arbeitskreis International Business Development mit europäischen Grabenlos-Verbänden zusammen und stärkt die Vernetzung der Branche über nationale Grenzen hinweg.

Unsere Mitgliedschaft in der International Society for Trenchless Technology führen wir fort. So bringen sich BGT-Vertreterinnen und Vertreter in allen ISTT-Committees ein. Aktuell stellt der BGT mit einem Mitglied den Chairman der ISTT und ist mit einem Vorstandsmitglied zudem im Board of Directors vertreten. Das unterstreicht die starke internationale Position der deutschen Branche.

Die deutsche Grabenlos-Industrie nimmt international eine Vorreiterrolle ein und setzt in vielen Bereichen die maßgeblichen Standards. Diese Position wollen wir weiter ausbauen und gezielt in die internationale Zusammenarbeit einbringen.

Es fehlt nicht an Wissen oder Technik, sondern an Umsetzung

B_I umweltbau: Gibt es Themen, die Sie besonders in den Fokus rücken möchten?

Bach: Ein Thema steht für mich im Mittelpunkt: der Zustand unserer Leitungsnetze. Wir sehen, dass sie im öffentlichen und politischen Bewusstsein noch nicht den Stellenwert haben, den sie eigentlich haben müssten. Dabei geht es hier um Versorgungssicherheit, Ressourcen- und Umweltschutz und am Ende auch um Kosten. Es fehlt nicht an Wissen oder Technik, sondern an konsequenter Umsetzung. So entsteht ein Sanierungsstau, der uns am Ende deutlich teurer zu stehen kommt.

Annika Bach: „Wir wollen den Verband als starke Stimme der Branche positionieren und gleichzeitig Mehrwert für unsere Mitglieder schaffen.“ | Foto: BGT
Annika Bach: „Wir wollen den Verband als starke Stimme der Branche positionieren und gleichzeitig Mehrwert für unsere Mitglieder schaffen.“ | Foto: BGT

Wir brauchen mehr Transparenz über den Zustand der Netze, klarere Zuständigkeiten und vor allem einen verlässlichen Vollzug bestehender Regelungen. Und wir müssen stärker dahin kommen, dass vorhandene Lösungen auch tatsächlich eingesetzt werden.

Grabenlose Technologien sind in vielen Fällen wirtschaftlich und ökologisch die bessere Option. Trotzdem werden sie noch nicht konsequent genutzt. Unser Ziel ist es, die Rahmenbedingungen so mitzugestalten, dass diese Verfahren selbstverständlich eingesetzt werden, und zwar vorausschauend und nachhaltig.

B_I umweltbau: Welche Ziele haben Sie sich zusammen mit dem Vorstand gesetzt?

Bach: Wir haben uns vorgenommen, den Verband als starke Stimme der Branche zu positionieren und gleichzeitig Mehrwert für unsere Mitglieder zu schaffen.

Ein zentraler Punkt ist für uns die fachliche Arbeit. Wir bauen die Arbeitskreise weiter aus und entwickeln praxisnahe Regelwerke. Uns ist wichtig, dass diese Arbeit nicht im Verband stehen bleibt, sondern draußen in Projekten Wirkung zeigt.

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Darauf aufbauend vertreten wir die Interessen der Branche klarer gegenüber Politik und Auftraggebern. Themen wie Daseinsvorsorge, Klimaanpassung und der Erhalt der unterirdischen Infrastruktur müssen deutlich stärker auf die Agenda.

Gleichzeitig bringen wir Fachthemen schneller in die Praxis. Zukünftig sind zum Beispiel Webinare und Fachformate geplant, die sich direkt an Kommunen, Planer und Netzbetreiber richten und konkrete Entscheidungsgrundlagen liefern.

Und wir arbeiten daran, die Sichtbarkeit des Verbands zu erhöhen und das Netzwerk weiter zu stärken. Ziel ist es, mehr Unternehmen einzubinden und den Austausch zwischen Industrie, Planern und Netzbetreibern intensiver zu machen. Am Ende geht es uns nicht darum, Themen nur zu diskutieren, sondern die Branche konkret voranzubringen.

B_I umweltbau: Die IFAT in München steht vor der Tür. Der BGT ist mit einem großen Gemeinschaftsstand vertreten. Auf was freuen Sie sich am meisten? Und was hat der Verband geplant?

Bach: Vor allem freue ich mich darüber, dass wir zum ersten Mal auf der IFAT mit einem Gemeinschaftsstand vertreten sind. Zusätzlich laden wir gemeinsam mit dem Kunststoffrohrverband zu Vorträgen ein, bei denen es um die moderne Infrastruktur geht. Im Fokus stehen schnelle, ressourcenschonende und wirtschaftliche Lösungen für die Modernisierung und den Erhalt unserer Netze. Außerdem führen wir die Messebesucher und -besucherinnen an die Stände unserer Mitglieder – sowohl am Gemeinschaftsstand als auch an den anderen Ständen auf der Messe. An einem Nachmittag sind alle BGT-Mitglieder an unseren Stand zu einem Branchentreffen eingeladen. Ich freue mich darauf, persönlich mit unseren Mitgliedern über die Themen zu sprechen, die sie bewegen und die wir gemeinsam voranbringen können.

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