So rüstet sich die Stadtentwässerung gegen Blackout und Cyberangriffe
Ein Blackout hat nach einem Anschlag tagelang das Stromnetz im Berliner Südwesten lahmgelegt. Dabei ist auch offengelegt worden, wo es bei der kritischen Infrastruktur der Bundeshauptstadt hakt. Für einen bedeutenden Teil von Dresdens kritischer Infrastruktur ist die Stadtentwässerung zuständig. Es wäre dramatisch, wenn nach einem Blackout bei der Abwasserentsorgung der Haushalte oder der rasant wachsenden Mikrochipindustrie nichts mehr gehen würde. „Da haben wir als Betreiber eine besondere Verantwortung“, sagt Geschäftsführer Ralf Strothteicher.

„Wir sind auf verschiedene Krisenszenarien eingerichtet“, erklärt Strothteicher. „Die Lage wird nach unserer Einschätzung zunehmend ernster.“ Dabei gehe es nicht nur um einen Blackout, sondern auch um Hochwasser der Elbe oder anderer Gewässer, Pandemien oder einen Cyberangriff aufs IT-System des Unternehmens. „Nach einer entsprechenden Risikobewertung haben wir verschiedene Konzepte für die jeweiligen Szenarien erarbeitet, um die Schäden gering zu halten und nach dem Ereignis schnell zu einem regulären Betrieb unserer Anlagen zurückkehren zu können“, sagt der Abwasser-Chef. Es sei wichtig, die Notfälle auch regelmäßig praktisch zu üben.
Notfall Blackout: Stromversorgung im Klärwerk gekappt
Seit über zehn Jahren testet die Stadtentwässerung den Ernstfall, wenn zum Beispiel bei einem Blackout der Strom nicht nur regional, sondern in Mitteleuropa für mehrere Tage ausfällt. Bei den Übungen wird die Stromversorgung am Zulauf gekappt, was im Klärwerk „kleine Insel“ genannt wird. Dabei handelt es sich um die Anlagen vom Zulauf über den Sandfang und den Grob- sowie den Feinrechen bis hin zum Hauptpumpwerk.

Zur Stromversorgung gibt es für diesen Fall ein großes Notstromaggregat, das eine Leistung von 1.000 Kilowatt hat. Allerdings kann das nicht die Versorgung des gesamten Klärwerks sichern. Deshalb müssen auch die drei Blockheizkraftwerke an den Faultürmen wieder in Betrieb genommen werden, die eine Leistung von drei Megawatt (MW) haben, was 4.080 PS entspricht. Geplant ist ein weiteres Blockheizkraftwerk, sodass dann mit vier MW insgesamt eine Leistung von 5.440 PS zur Verfügung steht. Da beim Blackout weniger Klärgas aus den Faultürmen kommt, wurde für solche Notfälle ein Erdgasanschluss hergestellt.
Die eigene Stromerzeugung: Energie aus Klärgas, Sonne und Wasserkraft
„Bei der eigenen Energieerzeugung von Strom und Wärme liegen wir jetzt schon bei knapp 90 Prozent“, erklärt Strothteicher. Derzeit werden jährlich rund 18.000 Kilowattstunden (kWh) erzeugt. Der Großteil des grünen Stroms wird aus dem Klärgas der beiden Faultürme erzeugt. In die Faultürme kommen täglich rund 1.000 Tonnen Klärschlamm. Bakterien zersetzen organische Bestandteile im Klärschlamm und es steigt Faulgas empor, etwa 60 Prozent Methan, der Rest Kohlendioxid.

Es folgen weitere Aufbereitungsschritte. Kompressoren erzeugen letztlich den nötigen Gasdruck für die Motoren des jeweiligen Blockheizkraftwerks. Sie treiben Generatoren an. So kann sehr energieeffizient Wärme und Strom erzeugt werden. Mit der Wärme der Abgase werden die Faultürme und das benachbarte Betriebsgebäude beheizt. „Geplant ist, dass das vierte Blockheizkraftwerk 2027 in Betrieb geht“, nennt der Abwasser-Chef das Ziel.


„Wir haben auch noch Photovoltaikanlagen installiert“, verweist Strothteicher auf einen weiteren Baustein. Damit werden jährlich bis zu 160.000 kWh erzeugt. Darüber hinaus sind Geothermieanlagen mit vier 100 Meter tiefen Erdbohrungen und Wärmepumpen installiert, mit denen Bürogebäude in den ehemaligen Faultürmen beheizt und gekühlt werden können. „Wir erzeugen am Standort Strom und Wärme, sodass wir weitgehend unabhängig von der öffentlichen Energieversorgung sind“, nennt er den großen Vorteil auch für Notfälle.
Der Hochwasserschutz: regelmäßig Ernstfall geprobt
Aber nicht nur den Blackout, sondern auch den Flutfall testet die Stadtentwässerung regelmäßig. Dafür gibt es Hochwasserschutz-Konzepte für das Klärwerk, für das Kanalnetz und für die Pumpwerke. Alle zwei Jahre wird der Ernstfall in Kaditz geprobt. Aufgebaut wird dabei ein technisches Schutzsystem, das den Kaditzer Deich zumindest um einen Dreiviertelmeter erhöht. Schließlich war das Klärwerk bei der Flut 2002 komplett überschwemmt worden. Durch diese und viele weitere Schutzmaßnahmen konnte das Klärwerk bei der Juniflut 2013 hingegen zuverlässig weiterarbeiten.

Doch die mobile Schutzwand ist bald nicht mehr nötig. Die Landestalsperrenverwaltung will ab dem Frühjahr einen Flutschutz für die Übigauer Insel bauen, der auch das Klärwerk schützt. Vorgesehen ist, dass der 1,4 Kilometer lange Deich um rund einen Meter erhöht wird. Der schützt das Klärwerk vor einer besonders großen Flut wie 2002.
Rohrpost abonnieren!
Wir graben für Sie nach Neuigkeiten. Die Ergebnisse gibt es bei uns im Newsletter.
Jetzt anmelden!


Die weitere Vorsorge: Pandemie-Lager und Schutz vor Cyberkriminellen
„Wir haben auch entsprechende Konzepte für den Fall einer Pandemie“, erläutert Strothteicher. Bei der Corona-Pandemie ab 2020 wurden sie umgesetzt und weiterentwickelt. Denn der ordnungsgemäße Betrieb muss in jeder Krise aufrechterhalten werden. So gibt es ein Pandemielager, in dem unter anderem Schutzmasken, Handschuhe, Einweganzüge und Desinfektionsmittel eingelagert sind.

Zudem sind Cyberkriminelle in den vergangenen Jahren immer professioneller geworden. „Wir arbeiten daran, es den Angreifern möglichst schwer zu machen und im Schadensfall die Auswirkungen möglichst gering zu halten“, sagt Geschäftsführer Strothteicher.
Quelle: Stadtentwässerung Dresden
Weiterlesen:
Neueste Beiträge:
Meistgelesene Artikel
Jetzt Ausschreibungen finden
Wählen Sie eine Leistungsart, die Sie interessiert.


Bau


Dienstleistung


Lieferung
Verwandte Bau-Stichworte:
Top Bau-Stichworte:
Jetzt zum Newsletter anmelden:
Leitungsbau, Kanalsanierung, Abwasser – erfahren Sie das wichtigste rund ums Thema unterirdische Infrastruktur.







