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Kanalbau und -betrieb/

Trassenbegehung Kanalnetz: Praxis-Checkliste zur oberirdischen Kanalkontrolle

Kontrolle von Trassen

Was die Oberfläche über den Kanal verrät

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Christian Bone
31.08.2026, 09:34, aktualisiert 31.08.2026, 09:46
GELSENKIRCHEN
Trassenbegehung Kanalnetz: Praxis-Checkliste zur oberirdischen Kanalkontrolle
Akute Gefahren erfordern sofortige Sicherungs- und Untersuchungsmaßnahmen. | Foto: Radio Essen

Eine neue Checkliste unterstützt Abwasserbetriebe bei der systematischen Trassenbegehung ihrer Kanalnetze. So gewinnen sie wertvolle Zusatzinformationen für Betrieb, Sanierungsplanung und Risikobewertung.

Setzungen im Asphalt, auffällige Gerüche, zugewachsene Schächte oder schwer erreichbare Trassenabschnitte: Manche Probleme des Kanalnetzes zeigen sich zuerst dort, wo niemand in den Kanal schaut – an der Oberfläche.

Bei der Begehung von Kanaltrassen lassen sich solche Auffälligkeiten systematisch erfassen und dokumentieren. Wie man dies in der Praxis strukturiert macht, zeigt der neue Kommunale Hinweis „Oberirdische Kontrolle von Kanaltrassen“ einschließlich einer Checkliste.

Betriebe aus dem Kommunalen Netzwerk der Abwasserbetriebe – KomNetAbwasser haben diese praxisnahe Handreichung gemeinsam mit dem IKT – Institut für Unterirdische Infrastruktur erarbeitet. Ziel ist es, sichtbare und anderweitig wahrnehmbare Auffälligkeiten an der Oberfläche und im Umfeld der Kanaltrassen systematisch zu erfassen. So gewinnen Abwasserbetriebe wertvolle Zusatzinformationen für Betrieb, Sanierungsplanung und Risikobewertung ihrer Kanalnetze.

Trassenbegehungen als zweite Perspektive

Trassenbegehungen ersetzen weder Videobefahrungen noch technische Inspektionen von Leitungen. Sie liefern aber Informationen, die im Kanal selbst unsichtbar bleiben: neue Verkehrsbelastungen, Baustellen, versiegelte Flächen, Baumstandorte, eingeschränkte Zugänge oder Veränderungen an der Straßenoberfläche. Die ergänzende Betrachtung der Oberfläche entlang der Kanaltrassen und ihres Umfelds vervollständigt das Bild.

Wenn Plan und Wirklichkeit auseinanderlaufen

Die oberirdische Kontrolle gleicht vorhandene Bestandsdaten mit der Situation vor Ort ab:

  • Wo verlaufen Leitungen tatsächlich?
  • Welche Schachtabdeckungen fehlen oder sind beschädigt?
  • Wurden Abschnitte erneuert, ohne dass alle Bestandsdaten nachgeführt wurden?

Schachtabdeckungen, Belüftungsöffnungen und Einbindungen in Verkehrsflächen lassen sich direkt dokumentieren. Damit wird das Kanalkataster aktualisiert.

Verkehr, Bäume, Baustellen: Das Umfeld wirkt mit

Die Umgebung einer Kanaltrasse verändert sich laufend. Schwerverkehr kann Leitungen und Bauwerke stärker beanspruchen als ursprünglich vorgesehen. Baumwurzeln erhöhen das Risiko von Einwuchs, Bauarbeiten oder neue Versiegelungen verändern Randbedingungen.

Auch die Lage an Gewässern, in Wasserschutzgebieten oder auf stark genutzten Verkehrsflächen beeinflusst die Folgen einer möglichen Störung. Solche Informationen systematisch zu erfassen hilft, Reinigungs-, Wartungs- und Sanierungsmaßnahmen sinnvoll zu priorisieren.

Gerüche und Setzungen ernst nehmen

Verkehrsbelastungen und sichtbare Folgen von Kanalschäden gehören zum Umfeld, das bei der oberirdischen Trassenkontrolle erfasst wird. | Foto: IKT
Verkehrsbelastungen und sichtbare Folgen von Kanalschäden gehören zum Umfeld, das bei der oberirdischen Trassenkontrolle erfasst wird. | Foto: IKT

Auffällige Gerüche können auf Betriebsstörungen infolge von Ablagerungen oder Blockaden hindeuten. Setzungen von Straßenoberflächen, Ausspülungen, Hohlräume, Schäden an Schachtbauwerken oder veränderte Ein- und Ausläufe verlangen ebenfalls Aufmerksamkeit.

Werden akute Gefahren sichtbar, müssen Sicherungsmaßnahmen und weitergehende Untersuchungen unverzüglich eingeleitet werden. Gleichzeitig gilt: Nicht jeder Schaden kündigt sich an der Oberfläche an. Die regelmäßige technische Inspektion des Kanals bleibt unverzichtbar.

Fünf Elemente eines strukturierten Kontrollgangs

Die Checkliste des KomNetAbwasser gliedert die Begehung in fünf übersichtliche Bereiche:

  1. Grundlagen: Lage, Pläne und Kontrollintervalle
  2. Umgebungseinflüsse: Baustellen, Verkehr und Eingriffe
  3. Zugänglichkeit und Vegetation: Zuwegungen, Bäume und Bewuchs
  4. Indikatoren für Betriebsstörungen: Gerüche, Setzungen und Erosionsspuren
  5. Dokumentation: Befunde sichern und Folgemaßnahmen festlegen

Befunde müssen mit Notizen und Fotos protokolliert werden. Abweichungen sollten in Karten, Lageplänen und Kanalkataster nachgeführt werden – wenn möglich, bereits während der Begehung digital.

Besonders wichtig ist es, Folgemaßnahmen, Verantwortlichkeiten und Termine gleich festzuhalten. So wird aus einem Rundgang ein nachvollziehbarer betrieblicher Vorgang.

Wissen über Abteilungsgrenzen hinweg

Trassenbegehungen durch Teams der Stadtentwässerung sind nicht die einzige Informationsquelle. Auch die Straßenunterhaltung, der Bauhof sowie Teams der Sinkkastenreinigung und der Straßen- und Wegekontrolle nehmen Veränderungen wahr, die für den Kanalbetrieb relevant sein können. Deswegen sollte zwischen diesen Stellen ein pragmatischer Informationsfluss festgelegt werden, damit Beobachtungen nicht versanden. Wird ein Dienstleister mit der Begehung beauftragt, muss man diesem klare Vorgaben für eine vollständige und nachvollziehbare Dokumentation machen – dies bereits in der Ausschreibung.

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Vom Einzelproblem zum gemeinsamen Werkzeug

Die Checkliste ist nicht am Schreibtisch entstanden. Der Impuls kam aus der ingenieurtechnischen Beratung im KomNetAbwasser. Die Checkliste wurde mit teilnehmenden Abwasserbetrieben abgestimmt. Zahlreiche wertvolle Praxiserfahrungen sind dabei eingeflossen. Das zeigt die Arbeitsweise dieses kommunalen Netzwerks: Aus Fragen einzelner Abwasserbetriebe entstehen im Austausch mit Kollegen aus anderen Kommunen gemeinsame Lösungen, die alle Teilnehmer des KomNetAbwasser nutzen können.

Mehr als 200 Abwasserbetriebe, ein gemeinsamer Wissenspool

Im KomNetAbwasser bündeln mehr als 200 kommunale Abwasserbetriebe ihre Erfahrungen und unterstützen sich gegenseitig. Sie greifen zugleich auf die Fachkompetenz des IKT und seiner spezialisierten Ingenieure zurück. Kommunale Hinweise, Checklisten und der direkte Austausch machen Wissen für den Betriebsalltag nutzbar. Mit der BildungsFlat können zudem alle Mitarbeiter der teilnehmenden Betriebe sämtliche Seminare und Lehrgänge des IKT ohne zusätzliche Teilnahmegebühren besuchen.

Kommunalen Hinweis und Checkliste lesen: „Oberirdische Kontrolle von Kanaltrassen“

KomNetAbwasser kennenlernen und mitmachen: www.komnetabwasser.de, mitmachen@komnetabwasser.de, Tel.: 0209/17806-0

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