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KI, Drohnen und Robotik krempeln den Kanalbetrieb um

Die Entwicklung bei künstlicher Intelligenz, Drohnen, Sensorik und Robotik im Kanalbetrieb nimmt weltweit deutlich an Fahrt auf. Was vor wenigen Jahren noch Forschungsprojekt war, ist heute einsatzfähig – und zunehmend betriebliche Realität. Wo steht die internationale Entwicklung und welche Konsequenzen ziehen wir daraus? Darum ging es auf der internationalen Konferenz „AI, Drones, Sensors and Robots for Smart Sewers and Urban Drainage“.

IKT-Konferez: KI, Drohnen und Robotik verändern den Kanalbetrieb
Dr. Iain Naismith moderiert die internationale IKT-Konferenz „AI, Drones, Sensors and Robots for Smart Sewers and Urban Drainage 2026“. | Foto: IKT

Im IKT – Institut für Unterirdische Infrastruktur kamen am 11. und 12. Februar 2026 Fachleute aus aller Welt zusammen. Präsentiert wurden Cutting-Edge-Technologien und neueste Erkenntnisse aus der Forschung für den Kanalbetrieb.

Drohnen im Kanal: Präzise 3D-Modelle und mehr Arbeitssicherheit

Referenten aus Großbritannien, Japan, Deutschland und den Niederlanden zeigten konkrete Anwendungsfälle. Drohnen mit LiDAR-Technologie erstellen hochpräzise 3D-Punktwolken von Kanaltrassen – zum Erkennen starker Querschnittsreduktionen oder schwierigen Geometrien.

Shauna Herron (UK) stellt Case Studies von Leitungsinspektion und -vermessung LiDAR-Drohnen vor. | Foto: IKT
Shauna Herron (UK) stellt Case Studies von Leitungsinspektion und -vermessung LiDAR-Drohnen vor. | Foto: IKT

Was dies fĂĽr Netzbetreiber und Inspekteure bedeutet:

  • Höhere Arbeitssicherheit durch weniger Einstiege in gefährliche Haltungen
  • Schnellere und vereinheitlichte Datenerhebung
  • Exakte 3D-Rohrvermessung mittels LiDAR
  • Präzise Erfassung von Querschnittsverengungen und Routenabweichungen
  • Verlässliche Geometrien fĂĽr passgenaue Liner-Konfektionierung

Case Studies aus Glasgow und Belfast zeigten, wie Mauerwerkskanäle und Düker millimetergenau erfasst wurden – ein klarer Mehrwert für die passgenaue Konfektionierung von Schlauchlinern.

Drohnen können auch schwimmen

Drohnen können nicht nur fliegen, sondern auch schwimmen. So wurden auch Über- und Unterwasserdrohnen vorgestellt. Sie kommen insbesondere in teil- oder vollgefüllten Haltungen zum Einsatz. Die Systeme entwickeln sich weiter – vor allem in Richtung höherer Autonomie.

VorfĂĽhrung einer Unterwasserdrohne aus den Niederlanden in der IKT-Versuchshalle | Foto: IKT
VorfĂĽhrung einer Unterwasserdrohne aus den Niederlanden in der IKT-Versuchshalle | Foto: IKT

Ein besonderes Highlight waren die Live-VorfĂĽhrungen von Flug- und Schwimmdrohnen in der Versuchshalle und im unterirdischen Forschungskanal des IKT. Technologien wurden so unmittelbar greifbar.

Sensorik: Der „Sewer Ball“ und das Micro-MAC-System

Mit dem „Sewer Ball“ aus Frankreich lassen sich im Freigefälle Temperatur, pH-Wert, Leitfähigkeit und Redoxpotenzial erfassen. Infiltrationen lassen sich lokalisieren und volumetrisch abschätzen – eine belastbare Grundlage, um Sanierungen zu priorisieren.

Das IKT stellte mit dem MAC-System eine zerstörungsfreie Methode zur Bestimmung der Rohr-Boden-Steifigkeit – geeignet für Großprofile und seit Neuestem auch für mittlere Nennweiten von DN 300-800. Damit lassen sich Altrohrzustände für die Sanierungsplanung bewerten und Qualität von Liner-Sanierungen prüfen.

Robotik: Autonome Inspektion und Reparatur

EU-Forschungsprojekte wie PIPEON entwickeln autonome Inspektions- und Reparaturroboter für Abwasserkanäle. Diese sollen selbstständig durch raue Kanalumgebungen navigieren, Schäden erkennen, Hindernisse beseitigen und Sensoren in unzugänglichen Bereichen installieren können.

Prof. Franz Tscheikner-Gratl aus Norwegen berichet ĂĽber erste Ergebnisse des Forschungsprojekts PIPEON. | Foto: IKT
Prof. Franz Tscheikner-Gratl aus Norwegen berichet ĂĽber erste Ergebnisse des Forschungsprojekts PIPEON. | Foto: IKT

Das Institut für Datenbankorientiertes Konstruieren (IDoK) an der Jade Hochschule forscht an Roboterhunden. Sie sollen in engen und gefährlichen Umgebungen Transport- und Assistenzaufgaben für Kanalarbeiter übernehmen.

KI im Kanalbetrieb – Artificial & Human Intelligence

Referenten aus Australien, Belgien, GroĂźbritannien und Deutschland zeigten konkrete Use Cases:

  • KI-gestĂĽtzte Videoauswertung
  • Infiltrationserkennung
  • Ăśberflutungsprognosen
  • BelĂĽftungssteuerung
  • KI-basierte Investitions- und Sanierungsplanung

Damit verschiebt sich der Fokus im Kanalbetrieb: weg von rein reaktiver Bewertung hin zu datenbasierter, strategischer Priorisierung. Allerdings zeigen die gemachten Erfahrungen: Ohne „Human-in-the-Loop“ sinkt die Genauigkeit. KI bleibt Assistenzsystem – die Verantwortung beim Menschen.

Was jetzt zählt: Daten sammeln, Chancen nutzen

In der abschließenden Podiumsdiskussion wurde deutlich: Die größte Herausforderung ist nicht die KI selbst, sondern die Daten. Validierte Schadenskodierungen, saubere Zeitreihen, strukturierte Bestandsdaten – ohne diese Basis bleibt jede KI ein Blindflug.

Michael Voß von der Stadtentwässerung Frankfurt/M. stellt Anforderungen an KI aus Sicht eines Netzbetreibers. | Foto: IKT
Michael Voß von der Stadtentwässerung Frankfurt/M. stellt Anforderungen an KI aus Sicht eines Netzbetreibers. | Foto: IKT

Die Zukunft des Kanalbetriebs wird datengetrieben. Netzbetreiber mĂĽssen sich darauf jetzt schon vorbereiten, so Prof. Bosseler, Wissenschaftlicher Leiter des IKT.

Denn: Nicht die KI-Technologie steht im Mittelpunkt – sondern die Qualität der Daten. Wer heute Daten sammelt und validiert, schafft die Basis für gute Entscheidungen von morgen.

Fazit fĂĽr kommunale Netzbetreiber

Die Konferenz zeigte: Drohnen machen komplizierte Inspektionen möglich und erhöhen die Arbeitssicherheit, Sensorik schafft belastbare Daten, Robotik automatisiert Aufgaben und KI beschleunigt Auswertung und Priorisierung. Aber der Mensch bleibt verantwortlich.

Und wer heute Daten strukturiert erfasst und validiert, schafft die Grundlage fĂĽr den datengetriebenen Kanalbetrieb von morgen.

Die nächste IKT-Konferenz zu KI, Drohnen, Sensoren und Robotern findet am 3. und 4. Februar 2027 in Gelsenkirchen statt.

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Jetzt reinhören: Der Podcast zur Konferenz

Weitere Einblicke und eine Einordnung der wichtigsten Erkenntnisse bietet Prof. Dr.-Ing. Bert Bosseler, Wissenschaftlicher Leiter des IKT, im aktuellen Podcast: Bosselers Notizen vom 11./12.02.2026 zur internationalen IKT-Konferenz

Alle Podcasts von Prof. Dr.-Ing. Bert Bosseler finden Sie hier: KanalSpezial – der KomNetAbwasser-Podcast des IKT

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Quelle: IKT


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