Gemeinsam Lösungen finden
Nach den 200 Teilnehmern bei der Jubiläumsveranstaltung vor einem Jahr in Berlin konnte Dr. Robert Stein in der Zentralheize in Erfurt beim 11. Kanalgipfel erneut eine Rekordbeteiligung vermelden. Das eindeutige Signal: Die Veranstaltung setzt ihren Erfolgskurs fort.

Der Kanalgipfel in Erfurt am 24. und 25. September 2025 liegt nun schon einige Zeit zurück, die dort diskutierten Themen haben jedoch bis heute nichts von ihrer Aktualität und Brisanz verloren. „Die klassischen Ansätze, mit denen wir unsere Netze jahrzehntelang geplant, betrieben und instand gehalten haben, stoßen an ihre Grenzen“, betonte Dr. Robert Stein zum Auftakt der Veranstaltung. Die Herausforderungen seien heute komplexer, dringlicher und vielfältiger als jemals zuvor.
Doppelte Aufgabe: Sanierung der Netze und Klimaresilienz
Der Verlust von wertvollem Wissen und Erfahrung durch das altersbedingte Ausscheiden vieler hochqualifizierter Fachkräfte in den nächsten Jahren trifft auf wachsenden Sanierungsbedarf der alternden Netze. Gleichzeitig haben sich die Rahmenbedingungen mit den klimatischen Veränderungen gewandelt. Nötig sei ein Wandel hin zu einer blau-grünen Infrastruktur, die nicht nur ableiten sondern darüber hinaus speichern, reinigen, kühlen, Lebensräume schaffen und so aktiv zur Klimaanpassung und Lebensqualität beiträgt, betonte Dr. Stein. „Wir stehen vor einer doppelten Aufgabe: Sanierung des Bestehenden und gleichzeitig die Transformation zu resilienten und nachhaltigen Systemen.“ Diese Aufgaben seien zu groß, als dass sie von einzelnen Akteuren allein bewältigt werden könnten. „Nur im Zusammenspiel – technisch, kaufmännisch und politisch – können wir die Weichen stellen.“

Genau diese Aufgabe hat sich der von der Ingenieurgesellschaft Prof. Dr.-Ing. Stein & Partner GmbH, der FH Aachen und den Kanalflüsterern organisierte Kanalgipfel gesetzt. Die Veranstaltung versteht sich als Plattform, auf der technische Innovationen auf kaufmännische Strategien treffen, die politische Rahmenbedingungen mit den praktischen Anforderungen des Netzbetriebs verknüpft und im Dialog gemeinsam begehbare Wege gefunden werden.
Dieses besondere und in gewisser Weise einzigartige Konzept trifft offenbar von Gipfel zu Gipfel auf stetig wachsende Zustimmung und Akzeptanz, wie die steigenden Teilnehmerzahlen belegen.
Mit Mut ins Machen kommen
Nicht nur die Beschreibung der anstehenden Aufgaben und Herausforderungen stand im Mittelpunkt der Vorträge und Diskussionen. Es wurde auch über Lösungsansätze gesprochen. „Wir müssen ins Machen kommen“, forderte der Vorstand der Wirtschaftsbetriebe Duisburg, Sebastian Beck. Dafür seien nicht nur zielführende Strategien erforderlich, sondern auch der Mut und die Entschlossenheit, sie umzusetzen. Mittelfristig sei auch die Finanzierung eine Herausforderung, denn die Instandhaltung der kommunalen Infrastruktur erfordere künftig mehr finanzielle Mittel. Aktuell, und da war sich Sebastian Beck mit vielen Stimmen in Erfurt einig, sei das Geld oftmals nicht der limitierende Faktor. „Viele moderne Abwasserbetriebe verfügen bereits heute über mehr Investitionsmittel, als sie tatsächlich umsetzen können“, betonte Sebastian Beck. Dafür brauche es neben Bürokratieabbau und Pragmatismus, Digitalisierung und KI insbesondere Vereinfachungen im Vergabe-, Planungs- und Baurecht.

Vergabe optimieren
Michael Hippe vom Ingenieurbüro Fischer Teamplan und Vorsitzender des Vorstandes des Verbandes zertifizierte Kanalsanierungsberater/in wies auf die alarmierend geringer werdenden personellen Kapazitäten hin. Der ohnehin schon spürbare Fachkräftemangel werde sich durch die demografische Entwicklung auf allen Ebenen verschärfen, so Hippe. Bei gleichzeitig zunehmendem Sanierungsbedarf lasse sich das Problem nur lösen, wenn sich die erforderlichen Sanierungen mit weniger Personalaufwand umsetzen lassen. Prozessautomatisierung, Optimierung des Datenflusses und Einsatz künstlicher Intelligenz seien diesbezüglich bereits vorhandene Ansätze.
Ein weiterer wichtiger Punkt sei die Vergabegestaltung. „Die derzeitige, vielfach rein preisorientierte Vergabepraxis ist alles andere als qualitätsfördernd“, so Hippe. Dies erhöhe nicht nur das Qualitätsrisiko, sondern in drastischem Maße auch den Betreuungs- und Überwachungsaufwand und damit den Personalbedarf, um dieses Qualitätsrisiko wenigstens einigermaßen einzudämmen. Aus diesem Grund habe der VSB in einer Arbeitsgruppe als zusätzliche Anforderung an Ingenieurleistungen die Publikation „Nationale Vergabe von Ingenieurleistungen der Kanalsanierung“ erarbeitet. In dieser Veröffentlichung wird das Vorgehen zur Vergabe der Ingenieurleistungen nach Leistungskriterien aufgezeigt. Alternativen in der Vertragsgestaltung wie Verträge mit Vergütung nach Aufwand, Jahresverträge, integrierte Projektabwicklung oder sogenannte Pone House-Verfahren könnten ebenfalls einen Beitrag leisten, die Vergabegestaltung von personalintensivem Aufwand zu entlasten.

Aktuelle Agenda
In weiteren Vorträgen standen praxisnahe Herausforderungen und zukunftsweisende Strategien im Mittelpunkt. Thematisiert wurden unter anderem
- integrative Umsetzungen von Schwammstadt-Ansätzen zur klimaresilienten Infrastrukturplanung
- die CO₂-Bilanzierung auf Unternehmensebene
- Finanzierungsstrategien für den Werterhalt von Abwassersystemen
- KI-Technologien in der Inspektion und in der Substanzbewertung von Kanalisationen
- sowie die interkommunale Zusammenarbeit zur effizienten Nutzung knapper Ressourcen.
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Diese Themenspektrum spiegelt die aktuelle Agenda der Branche wider: nachhaltige Instandhaltung, Digitalisierung, Ressourceneffizienz und finanzielle Tragfähigkeit im kommunalen Infrastrukturmanagement. Der Festabend lieferte ergänzend die perfekte Gelegenheit, um die vielen Impressionen aus den Vorträgen zu diskutieren.

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