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Hohenheimer Gärten: Was Besucher am grünen Juwel irritiert

Hohenheimer Gärten

Warum die Drohne im grünen Juwel keine Spielerei ist

15.06.2026, 06:30, aktualisiert 15.06.2026, 06:46
STUTTGART
Hohenheimer Gärten: Was Besucher am grünen Juwel irritiert
Die Hohenheimer Gärten feiern ihr 250-jähriges Bestehen. | Foto: Universität Hohenheim/Melina Fritz

Seit 250 Jahren sind die Hohenheimer Gärten eine Attraktion im Süden Stuttgarts. Die wissenschaftliche Anlage der Universität ist ein Kleinod für Forschung und Lehre wie auch Naherholung und Artenvielfalt, in dem Hightech längst zum Alltag gehört. Was das grüne Juwel alles zu bieten hat.


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Das weitläufige Areal erstreckt sich heute über etwa 30 Hektar und gliedert sich in mehrere Bereiche. Wer den Exotischen Garten an der Universität Hohenheim betritt, sieht gleich die uralten, bis zu 40 Meter hohen Baum-Giganten: Allen voran die mächtige „Liebesplatane“, die Herzog Carl Eugen von Württemberg 1779 für seine Frau Franziska pflanzen ließ und die seit 2023 ein Nationalerbe-Baum ist. Auf dem Weg in Richtung Botanischer Garten geht es vorbei an farbenprächtigen Staudenbeeten, idyllischen Teichen und historischen Bauten. Sowohl Genießer als auch Wissbegierige kommen auf ihre Kosten.

Tropische und subtropische Pflanzen entdecken

Im Sammlungsgewächshaus gibt es rund 1.000 tropische und subtropische Pflanzen zu entdecken – einschließlich der außerordentlich blühfreudigen Titanenwurz „Surprise“. Das Pflanzensystem mit 2.000 Pflanzenarten samt Eidechsenquartier dient vor allem Studierenden als grüner Lernort. Die Heilpflanzengärten ziehen auch Besucher in ihren Bann, ebenso wie die Flächen mit historischen und modernen Nutzpflanzen. Tief in die Thematik einsteigen kann man auch an der Anlage zur Vegetationsgeschichte der Nacheiszeit, zu der nach Angaben der Uni Hohenheim ein neuer Gartenführer erscheint.

Sanierung der Gewässer beinahe abgeschlossen

Jüngster Teil der Hohenheimer Gärten ist der naturnahe Landschaftsgarten. Der Monopteros-Hügel bietet einen Ausblick über die gesamte Anlage – über das Lavendellabyrinth und bis zum Hohenheimer Schloss. Momentan ist die Idylle allerdings noch leicht getrübt: Eine Baustelle mitten im Exotischen Garten fällt ins Auge. „Ganz sind die umfangreichen Sanierungsarbeiten noch nicht abgeschlossen“, berichtet Dr. Helmut Dalitz, wissenschaftlicher Leiter der Hohenheimer Gärten. Er ist aber zuversichtlich, dass in Kürze die gesamte Anlage in neuem Glanz erstrahlen werde. Die meisten sanierten Bereiche seien bereits jetzt zu bewundern, wie etwa ein besonderer Blickfang: „Direkt am Eingangsbereich bei der Plieninger Garbe wurde ein sprudelnder Quelltopf neugestaltet, von dem aus der Bachlauf jetzt seinen Ursprung nimmt.“

Effiziente Wassernutzung und Förderung der Biodiversität

Blühendes Staudenbeet vor dem Spielhaus in den Hohenheimer Gärten. | Foto: Universität Hohenheim/Melina Fritz
Blühendes Staudenbeet vor dem Spielhaus in den Hohenheimer Gärten. | Foto: Universität Hohenheim/Melina Fritz

Die Baumaßnahmen von Vermögen und Bau Baden-Württemberg, das ist der zentrale Dienstleister für das Immobilienmanagement des Landes, Universitätsbauamt Stuttgart und Hohenheim umfassen insbesondere die Sanierung der Bachläufe und Seen. Hintergrund sind nicht nur ästhetische Aspekte. „Die Maßnahmen dienen vor allem einer effizienteren Wassernutzung und der Förderung der Biodiversität“, erläutert Dalitz. Denn undichte Bachläufe führten in den vergangenen Jahren immer häufiger zum Austrocknen der Eiszeitteiche im Botanischen Garten. „Wir merken bereits jetzt, dass die Abdichtung des Bachbetts dem effizient entgegengewirkt.“

Bepflanzt werden die Ufer der sanierten Bachläufe mit heimischen Stauden und Auengewächsen – ein Gewinn für die Biodiversität. Basierend auf einer historischen Analyse, die von Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Universitätsbauamt Stuttgart und Hohenheim in Auftrag gegeben wurde, wird zudem die denkmalgeschützte Parkanlage wieder ein Stück näher an den historischen Originalzustand angeglichen. Dazu werden nicht nur Bachläufe, sondern auch Wegeführungen angepasst.

Ungemähte Wiesen sorgen für Irritation

Eine blühende, artenreiche Wiese – das Ergebnis des Hohenheimer Wiesenmahd-Versuchs. | Foto: Melina Fritz
Eine blühende, artenreiche Wiese – das Ergebnis des Hohenheimer Wiesenmahd-Versuchs. | Foto: Melina Fritz

Was so manchen Besucher der Hohenheimer Gärten zunächst irritiert, sind die großen Flächen ungemähter Wiesen. „Diese Unordnung ist Absicht“, stellt Dr. Robert Gliniars klar, Kustos der Hohenheimer Gärten. „Wir sind in erster Linie eine wissenschaftliche Anlage, und Biodiversität ist eines unserer wichtigsten Forschungsthemen. Seit über 25 Jahren mähen wir weniger – ein wissenschaftliches Projekt, bei dem wir die Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt erforschen.“ Und bei genauerem Hinsehen kreucht und fleucht es auf den Flächen zwischen bunten Blumen – durch das Hohenheimer Wiesenmahd-Projekt kehren immer mehr seltene Arten zurück.

Und laut Uni so erfolgreich, dass der Hohenheimer Campus 2023 bei der ICA Biodiversity Challenge mit 2.087 wilden Tier- und Pflanzenarten zum artenreichsten Campus Europas gekürt wurde. „Damals haben Forschende, Studierende und engagierte Citizen Scientists zusammen mehr als doppelt so viele Arten digital erfasst als ursprünglich angepeilt. Darunter seltene Spinnenarten, Wildorchideen oder Dachse“, denkt Gliniars zurück. „Nicht mitgezählt wurden die über 8.000 Pflanzenarten, die wir in den Gärten durch Menschenhand kultivieren.“

Hightech gegen Klimawandel

Gelegentlich gleitet der Blick von Parkbesuchern gen Himmel, denn seit Frühjahr 2025 dreht eine Hightech-Drohne wöchentlich ihre Kreise über den Hohenheimer Gärten. Die Technik ist keine Spielerei, sondern Teil eines wissenschaftlichen Projekts, sagt Dalitz: „Der Klimawandel setzt den historischen Baumbestand zunehmend unter Stress.“

„Unsere Drohne mit Spezialkamera liefert Daten über Gesundheit und Wasserbedarf der Bäume.“ Zusammen mit den Daten von rund 100 Sensoren, die Baumkletterer an den Kronen installiert haben, tragen sie dazu bei, die alten Bäume zu schützen und den Wasserverbrauch durch gezielte Bewässerung zu minimieren. „Forschung wie diese trägt dazu bei, dem Klimawandel zu trotzen“, erläutert der Experte.

Historischer Charme der Hohenheimer Gärten bleibt

Eingang zu einem der Heilpflanzengärten an der Universität Hohenheim. | Foto: Universität Hohenheim/Melina Fritz
Eingang zu einem der Heilpflanzengärten an der Universität Hohenheim. | Foto: Universität Hohenheim/Melina Fritz

Trotz der heutigen Nutzung für Forschung und Lehre bleibe der historische Charme der Hohenheimer Gärten auf Schritt und Tritt spürbar, betont die Universität. Es gab sie bereits, als vom Hohenheimer Schloss noch nicht einmal der Grundstein gelegt war: 1776 errichteten Herzog Carl Eugen und Franziska von Hohenheim die sogenannte Englische Anlage, heute der Exotische Garten. Sie war als künstliches Dorf angelegt, von Franziska liebevoll „Dörfle“ genannt. Einige noch vorhandene Bauten wie das Spielhaus stammen aus dieser Zeit.

Warum sich Goethes Begeisterung in Grenzen hielt

Die Nutzung änderte sich mit der Gründung der Gartenbauschule 1780 und vor allem mit der Einrichtung der Landwirtschaftlichen Unterrichts-, Versuchs- und Musteranstalt im Jahr 1818, aus der 1967 die Universität Hohenheim hervorging. Schon früh waren die Gärten ein Anziehungspunkt: Schiller, Uhland und Mörike fanden hier Anregungen zu ihren Werken. Lediglich Goethes Begeisterung hielt sich in Grenzen: Er nannte die Anlage einen „mit unzähligen Ausgeburten einer unruhigen und kleinlichen Phantasie übersäeten Garten“.

Der Monopteros – der beste Aussichtspunkt in den Hohenheimer Gärten. | Foto: Universität Hohenheim/Agron Beqiri
Der Monopteros – der beste Aussichtspunkt in den Hohenheimer Gärten. | Foto: Universität Hohenheim/Agron Beqiri

Das sind die Hohenheimer Gärten

Der Exotische Garten (9,3 Hektar), gestaltet im Stil eines Englischen Landschaftsgartens, ist der älteste Teil der Hohenheimer Gärten und steht unter Denkmalschutz. Besonders bekannt ist er für seinen einzigartigen Baumbestand und historische Monumente wie das Spielhaus oder das römische Wirtshaus.

Der Schlosspark und der Botanische Garten (13,4 Hektar) südlich des Schlosses sind besonders artenreich. Dank eines reduzierten Mähzyklus und anderer wissenschaftlich begleiteter Biodiversitäts-Maßnahmen siedeln sich hier zunehmend seltene Wildpflanzen und -tiere an. Dies brachte der Universität Hohenheim 2023 unter anderem den Titel des „Artenreichsten Campus Europas“ ein. Besucher gewinnen zudem einen Einblick in die Vegetationsgeschichte der Nacheiszeit und die Anfänge der landwirtschaftlichen und pharmazeutischen Nutzung.

Der Landschaftsgarten (7,2 Hektar) ist der jüngste Teil der Hohenheimer Gärten. Er entstand in den 1990er Jahren und verbindet den Botanischen Garten und den Exotischen Garten im Süden, was ausgedehnte Spaziergänge durch die gesamte Anlage ermöglicht.

Zum Landesarboretum Baden-Württemberg wurde der Exotische Garten im Jahr 1953 erhoben, später kam der Landschaftsgarten dazu. Es enthält eine beeindruckende Vielfalt von rund 2.500 Laub- und Nadelholzarten bzw. -Varietäten. Über 150 Bäume sind älter als 100 Jahre. Das Arboretum ist eine Sammlung von Gehölzen, die auch Forschung und Lehre zur Verfügung steht.

Was in den Hohenheimer Gärten auf dem Programm steht

  • Ganzjährig: Sonntagsführungen in den Hohenheimer Gärten Verschiedene thematische Führungen, etwa zu Baumveteranen, Heilpflanzen, Pilzflora, Moose, Flechten, essbare Wildpflanzen und exotischen Pflanzen im Sammlungsgewächshaus.
  • Digital: Virtuelle Gärten – Kugelpanoramen aus dem Exotischen Garten Der virtuelle Rundgang durch die Hohenheimer Gärten ist auf der Jubiläums-Website zu finden – ein imposanter Eindruck samt Informationen über Highlights der Anlage.
  • Neuer Gartenführer „Hohenheim – Die vegetationsgeschichtliche Anlage“: Ein Spaziergang durch 14.000 Jahre Waldgeschichte: Der neue Gartenführer wird am Tag der offenen Tür vorgestellt. In Wort und Bild begleitet er auf rund 150 Seiten durch die vegetationsgeschichtliche Anlage in den Hohenheimer Gärten und zeigt, wie sich die Klimageschichte auf die Vegetation in Süddeutschland auswirkt.
  • Tagung des Verbandes Botanischer Gärten vom 17. bis 20. September 2026 inklusive Festakt am 18. September für geladene Gäste zur Fertigstellung der Gewässersanierung im Exotischen Garten.

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Quelle: Elsner

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