Fahrbericht
"Nashorn" mit Pritsche: Was der neue KGM Musso EV kann

Erschwingliche Elektro-Allradler sind im gewerblichen Fuhrpark noch Mangelware. Die südkoreanische Marke KGM schickt nun den Musso EV ins Rennen – einen optisch auffälligen Pick-up mit viel SUV-Komfort. Wie viel Nutzwert bringt das „Nashorn“ im Arbeitsalltag tatsächlich?

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KGM – bitte wer oder was ist das? Wer jetzt forsch auf eines der zahlreichen jungen chinesischen Fabrikate tippt, liegt falsch. KGM stammt aus Südkorea und ist eine junge Marke mit alter Geschichte. Das Unternehmen firmierte einst als Ssangyong und blickt auf sieben Jahrzehnte wechselhafter Geschichte im Automobilbau zurück. Seit drei Jahren weht hier ein frischer Wind. Dies wird auch beim neuen Pick-up KGM Musso EV deutlich.
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Attraktive Anschaffungspreise und lange Batterie-Garantie
Netto geht’s beim KGM Musso EV bereits mit 35.286 € für die Variante „Core“ los, nahezu voll ausgestattet von Leichtmetallrädern über Navi bis zur Zweizonen-Klimaanlage – da sind sie wieder, die SUV-Gene. Auf der Liste der Extras stehen lediglich vier Positionen: Allradantrieb, Metallic-Lackierung, Wärmepumpe und elektrisch verstellbare Sitze mit Belüftung vorn sowie Sitzheizung reihum. Beachtung verdient die Garantie: sieben Jahre oder 150000 km Vollgarantie, gar zehn Jahre oder 1 Mio. km auf die Antriebsbatterie. Das spricht für die Robustheit des Musso EV – ein Nashorn eben. KGM – sollte man sich merken.
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SUV-Plattform Torres als Grundlage
Basis des Pick-ups ist der KGM Torres EVX, ein SUV mit elektrischem Frontantrieb. Für den Schritt zum Pick-up rasiert KGM das Heck ab und ersetzt es durch eine Pritsche. Radstand und Länge wachsen mit diesem Eingriff jeweils um rund einen halben Meter. Damit streckt sich der Pick-up auf 5,16 m, bleibt indes zwei Handspannen unterhalb von klassischen Midsize-Pickups.
Allradantrieb des Pick-ups erhöht die Anhängelast
Das trifft auch auf den Antrieb zu. Serienmäßig fährt der KGM als Fronttriebler mit einer Leistung von 152 kW (207 PS) und 339 Nm Maximaldrehmoment vor. Gegen einen Aufpreis von 3.361 € netto fügt KGM eine zweite E-Maschine mit identischer Potenz an der Hinterachse hinzu. Daraus resultiert eine Systemleistung von 175 kW (238 PS). Mit vier Fahrmodi stellt sich der Pickup auf unterschiedliche Anforderungen ein. Im Bauch hält eine Lithium-Eisenphosphat-Batterie 80,6 kWh Energie bereit. Geladen wird vorne links über dem Radlauf mit maximal 120 kW, ein eher mäßiges Tempo.
Zurrösen auf der verkleideten Pritsche

Die Ladebordwand klappt dank Dämpfern links und rechts leichtgängig auf und ab, seitliche Trittstufen helfen beim Entern der Ladefläche. Sie ist rundum mit Kunststoff verkleidet und misst in Länge und Breite 1,52 auf 1,35 m. KGM spricht zwar von Palettenmaß, doch Vorsicht, die Europalette passt nur längs ins Heck. Fracht lässt sich mit insgesamt acht Zurrösen sichern. Die Nutzlast beläuft sich je nach Variante auf rund eine dreiviertel Tonne. Auf der Pritsche gestattet KGM davon nur eine halbe Tonne. Nicht genug? Der KGM Musso EV darf 1,8 t ziehen, mit Allradantrieb hat KGM das Spektrum jüngst auf 2,3 t erweitert. Somit entpuppt sich der Musso EV eher als Halbstarker in seinem Segment.
Karosseriedesign mit geschlossener Frontpartie
Sanft schimmert der goldglänzende Lack, herausgeputzt sind schmückende Details – so schick kann ein Pickup aussehen: Da wäre vorn ein nahezu geschlossener Grill anstelle des typischen Schlunds asiatischer Pick-ups. Darüber gibt’s ein Tagfahrlicht in Baggerzahn-Optik, seitlich kräftige Nüstern mit integrierten LED-Scheinwerfern, schließlich einen Unterfahrschutz und zwei schmückende rote Abdeckungen. Hinter ihnen verbergen sich Abschleppösen.
Praktische Schutzplanken für den Baustelleneinsatz

Seitlich verleiht die schräge Dachlinie der Karosserie ordentlich Schwung. Unten sind Radläufe und die empfindlichen Schweller schützend beplankt. Darüber hinaus beweisen die KGM-Designer Liebe zum Detail. Mit angedeuteten Griffen sowohl vorne auf den Radläufen als auch weiter hinten für den eleganten Übergang vom Fahrerhaus zur Pritsche. Davor schimmert silbrig die Silhouette eines Nashornschädels. Musso heißt schließlich Nashorn auf Koreanisch.
Digitales Cockpit und großzügiges Platzangebot im Fond
Zu den Überraschungen des Musso EV zählt sein geräumiges und gut ausgestattetes Cockpit – SUV-Schick statt Pickup-Arbeitsmaschine. Der Platz in der ersten Reihe ist üppig, die Sitze sind bequem und duften in gehobener Ausstattung dezent nach Leder. Dahinter bleibt genug Raum für Passagiere. Im Stil der aktuellen Mode ist das Lenkrad mehreckig geformt. Seine diversen Tasten sind für die Grundfunktionen der Fortbewegung verzichtbar. Vor dem Fahrer dehnt sich ein guter halber Meter Glas mit zwei Displays. Die Armaturen sind eher verspielt als gut ablesbar. Und wer die Klimatisierung einstellen will, muss erst per Tastendruck das entsprechende Menü öffnen, denn praktische Drehregler sind Fehlanzeige.
SUV-Fahrwerk mit Schraubenfedern sorgt für Komfort

Unterwegs profitiert der Musso EV von seinen SUV-Genen. Da wäre ein Antritt mit ordentlich Wumms der zweimotorigen Variante, eine gut abgestimmte Lenkung sowie ein vergleichsweise komfortables Fahrwerk dank der Mehrlenker-Hinterachse mit Schraubenfedern. Eine Niveauregulierung hält das Heck in der Waagerechten. Sonderlich gelenkig ist der Pickup allerdings nicht, da müssen Rückfahrkamera plus Einparkhilfen vorne wie hinten unterstützen. Was der Fahrer übersieht, entdeckt der serienmäßige Totwinkel-Assistent. Ohnehin fährt bereits serienmäßig ein ganzes Rudel Helfer mit.
Fazit: Günstiger Baustellen-Stromer mit Abstrichen bei der Anhängelast

Der KGM Musso EV ist mit rund 35.000 Euro Netto-Einstiegspreis und bis zu zehn Jahren Batteriegarantie eine wirtschaftliche und komfortable E-Alternative für den straßennahen Service und leichte Transportaufgaben. Für den Baustelleneinsatz müssen Fuhrparkleiter jedoch Kompromisse eingehen: Mit maximal 2,3 Tonnen Anhängelast bei Allradantrieb, einer mäßigen Ladeleistung von 120 Kilowatt und rund 750 Kilogramm Nutzlast bleibt das südkoreanische „Nashorn“ hinter den klassischen Diesel-Arbeitstieren zurück.
KGM Musso EV im Schnellcheck für den GaLaBau
- Was kostet der elektrische Pick-up KGM Musso EV?
Die Netto-Preise für das südkoreanische Elektro-Modell starten in der Variante "Core" bereits ab 35.286 Euro. - Hat der KGM Musso EV Allradantrieb?
Serienmäßig verfügt das Fahrzeug über Frontantrieb. Ein zweiter Elektromotor für echten Allradantrieb ist gegen einen Aufpreis von 3.361 Euro (netto) erhältlich. - Wie viel Gewicht darf der KGM Musso EV ziehen?
In der Standardausführung liegt die Anhängelast bei 1,8 Tonnen. Mit dem optionalen Allradantrieb erhöht sich die maximale Zuglast des Pick-up-Modells auf 2,3 Tonnen. - Welche Garantie bietet der Hersteller auf die Batterie?
KGM gewährt eine außergewöhnlich lange Garantie von zehn Jahren oder bis zu 1 Million Kilometern auf die LFP-Antriebsbatterie des Musso EV.



