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GaLaBau in Sachsen: VGL-Präsident Andreas Wehle zu Schwammstadt und Sparzwang

GaLaBau in Sachsen

Mehr Mut zum Umdenken

16.06.2026, 13:17, aktualisiert 16.06.2026, 13:36
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GaLaBau in Sachsen: VGL-Präsident Andreas Wehle zu Schwammstadt und Sparzwang
Andreas Wehle ist Präsident des Verbands Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Sachsen (VGLS). | Foto: VGLS

Trockenheit, kommunale Finanznot, politische und bürokratische Hürden belasten den sächsischen Garten- und Landschaftsbau. Im Interview analysiert Andreas Wehle, Präsident des Verbands Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (VGL) Sachsen die aktuelle Vergabepraxis im Freistaat. Wehle warnt vor Defiziten bei der Pflege von Kommunalgrün und wünscht sich mehr Mut bei der Umsetzung von Schwammstadt-Konzepten.

B_I galabau: Herr Wehle, gerade der Osten und Norden Sachsens leiden extrem unter den trockenen Sommern. Wie reagieren die sächsischen Betriebe in der Praxis auf den sinkenden Grundwasserspiegel – wird bei der Pflanzen- und Baumauswahl inzwischen radikal umgedacht?


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Andreas Wehle: Verantwortungsvoller Umgang mit Wasser wird zukünftig nicht nur eine Notwendigkeit im Osten und Norden unseres Landes. Bei Auswahl und Pflege bestehender und neu angelegter Pflanzungen gilt es Erfahrungen anderer Kolleginnen und Kollegen, Berufsverbände, zum Beispiel Baumschulen, und die Zusammenarbeit von Institutionen wie GALK, die Deutsche Gartenamtsleiterkonferenz, konstruktiv zu nutzen.

Bewährte Arten sind dabei durch geeignete, trocken- und krankheitsresistente und bewährte Baumarten auch anderer Herkunftsgebiete zu ergänzen. Technische Möglichkeiten wie Bewässerungssysteme, spezielle Baumsubstrate sowie Baumpatenschaften sind weitere Möglichkeiten, Bäume auch in trockenen Sommern zu erhalten. Die Wertschätzung des Grüns ist Aufgabe aller – wir Landschaftsgärtner übernehmen dabei gern Verantwortung.

Innovationsstau: Schwammstadt-Konzepte scheitern an der Finanzierung

B_I galabau: Städte wie Leipzig und Dresden wachsen und verdichten sich. Wie bewerten Sie den aktuellen Stand der Schwammstadt-Konzepte in den sächsischen Kommunen?

Wehle: Obwohl teilweise in Sachsen mitentwickelt, sind andere Kommunen bei der Umsetzung weiter als Sachsen. Das Wissen zur Notwendigkeit ist da – es fehlen der politische Wille und vor allem Finanzen, um Pilotprojekte umzusetzen.

Urbane Freiflächen und Elb-Uferwiesen wie hier in Dresden spielen eine Schlüsselrolle beim Klimaschutz. Für sich verdichtende Großstädte fordert der VGL Sachsen die zügige Umsetzung von Schwammstadt-Konzepten, um urbanes Grün als natürlichen Wasserspeicher nutzbar zu machen. | Foto: Pixabay/Pauline_17
Urbane Freiflächen und Elb-Uferwiesen wie hier in Dresden spielen eine Schlüsselrolle beim Klimaschutz. Für sich verdichtende Großstädte fordert der VGL Sachsen die zügige Umsetzung von Schwammstadt-Konzepten, um urbanes Grün als natürlichen Wasserspeicher nutzbar zu machen. | Foto: Pixabay/Pauline_17

Sparzwang der Kommunen: Gefährdung hochwertiger Grünanlagen

B_I galabau: Die Haushaltslage vieler sächsischer Kommunen ist angespannt. Spüren Ihre Mitgliedsbetriebe bereits, dass Städte und Gemeinden beim kommunalen Grün, bei Parks und der Pflege den Rotstift ansetzen?

Wehle: Wir beobachten mit Sorge zwei Trends: Die Pflege auch hochwertig angelegter Neuanlagen fällt sichtbar fehlenden Mitteln in der Unterhaltung kommunaler Grünanlagen zum Opfer. Die parallel dazu, vor allem im ländlichen Raum, stattfindende Überdimensionierung kommunaler Bauhöfe und Eigenbetriebe verhindert den Einsatz entsprechend personell und technisch gut ausgerüsteter Fachunternehmen. Dem politischen Willen, den klimatischen Herausforderungen gerecht zu werden, fehlt oft die finanzielle Grundlage für eine konsequente Umsetzung.

Nachwuchsgewinnung: Mit Begeisterung gegen den demografischen Wandel

B_I galabau: Der demografische Wandel trifft Sachsen besonders hart, der Kampf um die Azubis ist voll entbrannt. Was raten Sie den sächsischen Betrieben, um junge Menschen für die Ausbildung im GaLaBau zu begeistern?

Wehle: Das ist kein rein sächsisches Thema. Mit Vorbild, Zuversicht und Mut muss es gelingen, einen der schönsten und ältesten Berufe zu bewahren und immer wieder junge Menschen dafür zu begeistern! Landschaftsgärtner verändern die Welt! Dieser Beruf darf und muss Spaß machen, schafft und erhält wichtige Werte unseres hohen Wohlstandes. Engagierte Ausbildung ist und bleibt aktuelle Überlebensstrategie und weitet den Blick über das eigene Unternehmen hinaus.

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Generationenwechsel: Die Herausforderung der Betriebsnachfolge im Osten

B_I galabau: Viele Betriebsinhaberinnen und -inhaber der Nachwende-Generation in Sachsen gehen in den nächsten Jahren in den Ruhestand. Wie akut ist das Problem der Betriebsnachfolge im sächsischen GaLaBau, und droht uns ein Sterben traditionsreicher Familienbetriebe?

Wehle: Als Verband kennen und hören wir die Sorgen unserer Fachbetriebe. Wir beraten individuell und unterstützen, wo dies gewünscht und geschätzt wird. Dankbar sind wir für ein entsprechendes Netzwerk. In den letzten 35 Jahren ist es kaum gelungen, Familientradition zu pflegen, wie das nach 1945 in anderen Bundesländern möglich war. Familie und Berufsbild können helfen – Rahmenbedingungen, Politik sowie regionale Einbindung und Verantwortung müssen aber auch passen.

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Strukturunterschiede zwischen Metropolen und ländlichem Raum

B_I galabau: Wir sehen in Sachsen ein starkes Gefälle: Boomende Metropolen auf der einen, ländliche Räume wie das Erzgebirge oder das Vogtland auf der anderen Seite. Wie unterscheiden sich die Auftragslage und die Art der Aufträge für Betriebe in der Stadt im Vergleich zum Land?

Wehle: Die Auftragsvolumen sind in Ballungszentren auch aufgrund gewerblicher Möglichkeiten wesentlich größer bei weniger Sorgen um Auszubildende und Vorlaufzeiten. Der ländliche Raum dagegen punktet bei klaren übersichtlichen Strukturen, kürzeren Wegen und funktionierenden Netzwerken. Hochwertige und gute Arbeit finden wir aber in allen Regionen.

Bürokratiehürden im GaLaBau: Fehlender Mut bei der Auftragsvergabe

B_I galabau: Wenn Sie auf die aktuelle sächsische Landespolitik blicken: Welches Gesetz oder welche Verordnung müsste morgen geändert werden, um den GaLaBau-Betrieben im Freistaat die Arbeit spürbar zu erleichtern?

Wehle: Maut, Lieferkettengesetz sowie Nachweis- und Dokumentationspflichten lähmen und entmündigen Fachbetriebe mit jahrzehntelanger Tradition. Flexible Arbeitszeitregelungen, Kooperationen innerhalb des Berufsstandes von Ausbildung bis Umsetzung sind Bausteine für eine gelingende Zukunft. Oft fehlt Mut und qualifiziertes Personal, um geltendes Recht, zum Beispiel bei Vergabe von Aufträgen, sinnvoll zu nutzen.

Mehr zum Thema:

B_I galabau: Wenn wir fünf Jahre in die Zukunft blicken: Wo steht der sächsische Garten- und Landschaftsbau im Jahr 2031, und was wird sich bis dahin am deutlichsten verändert haben?

Wehle: Wir bauen die Bundesgartenschau 2033 und andere Landesgartenschauen und sind dankbar für gut ausgebildete und hoch motivierte Mitarbeiter in unseren fachlich führenden Unternehmen.

Lesen Sie mehr über die Themen, die den GaLaBau bewegen:

Quelle: VGL Sachsen

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