Wohnungsbau
IG Bau warnt vor Asbest-Gefahr bei Sanierungen

In Altbauten stecken Millionen Tonnen Asbest. Bei Sanierungen kann der krebserregende Stoff zu einer ernsten Gefahr für Bauarbeiter und Heimwerker werden. Die IG Bau fordert deshalb einen Schadstoff-Pass für Gebäude sowie ein KfW-Förderprogramm zur Asbest-Sanierung.
Der Sanierungsmarkt in Deutschland wächst. Aus Bestandsgebäuden wird neuer und zusätzlicher Wohnraum. Ältere Wohnhäuser werden modernisiert, seniorengerecht umgebaut oder aufgestockt. Doch in mindestens jedem zweiten Altbau lauert eine nicht zu unterschätzende Gesundheitsgefahr. Nach der „Situationsanalyse Asbest“, die das Pestel-Institut im Auftrag der IG Bau erstellt hat, sind 9,4 Millionen Wohnhäuser potenziell asbestbelastet - mehr als die Hälfte aller Wohngebäude in Deutschland. Bei ihrem Bau zwischen 1950 und 1989 war die Verwendung von Asbest gang und gäbe. Verboten wurde Asbest erst im Jahr 1993. Bei der Sanierung solcher Gebäude können schädliche Asbestfasern beispielsweise aus Fliesenklebern, Spachtelmassen, Putzen oder Estrich freigesetzt werden. Gefährdet sind besonders Bauarbeiter, aber auch Heimwerker.
Asbest als häufigste Todesursache bei Berufskrankheiten am Bau
Nach den Zahlen der Bau-Berufsgenossenschaft (BG Bau) gehört Lungenkrebs durch Asbest zu den häufigsten Berufskrankheiten am Bau. Damit ist Asbest die häufigste Todesursache bei Berufskrankheiten. In den letzten zehn Jahren verzeichnete die BG Bau 3.376 Versicherte, die infolge einer asbestbedingten Berufserkrankung gestorben sind, allein im Jahr 2022 waren es 320. Auch die Zahl der Neuerkrankungen nahm im vergangenen Jahr zu: 2.414 neue Verdachtsfälle asbestbedingter Berufserkrankungen wurden gemeldet. Diese Fälle könnten stark zunehmen, warnt die IG Bau. „Wir stehen am Anfang von zwei Sanierungsjahrzehnten. Die energetische Gebäudesanierung wird enorm an Fahrt aufnehmen“, so Carsten Burckhardt, Bundesvorstand der IG Bau. „Mit der Sanierungswelle droht deshalb jetzt eine ‚Asbest-Welle‘ auf dem Bau.“

„Asbest-Gipfel“ der öffentlichen Hand gefordert
Um dem zu begegnen, fordert Burckhardt ein umfangreiches Maßnahmenpaket, das Bund, Länder und Kommunen übergreifend angehen müssten. Dabei gehe es vor allem um bessere Informationen über Asbest-Gefahren und um konsequenten Arbeitsschutz. Nötig sei ein Schadstoff-Gebäudepass mit unterschiedlichen Gefahrenstufen für die jeweilige Asbest-Belastung eines Gebäudes. Zugleich müssten Asbest-Sanierungen staatlich gefördert werden. Dazu müsse der Bund ein KfW-Förderprogramm „Asbest-Sanierung“ auflegen, um zusätzliche Kosten bei der energetischen oder altersgerechten Gebäudesanierung abzufedern.
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