Fachkräftemangel am Bau
Tarifvertrag erlaubt Vier-Tage-Woche im Baugewerbe

Um ihre Beschäftigten zu halten und Nachwuchskräfte zu gewinnen, sieht sich die Baubranche gefordert, flexiblere Arbeitszeitmodelle anzubieten. Die Vier-Tage-Woche ist laut ZDB nach dem Tarifvertrag im Baugewerbe bereits möglich. Die IG Bau steht ihr eher skeptisch gegenüber.
Über die Vier-Tage-Woche wird aktuell in allen Branchen diskutiert. Am Bau gilt sie als besonders schwierig zu umzusetzen: Die technischen Arbeitsabläufe lassen eine längere Pause oft nicht zu, wird dagegen argumentiert. Dennoch steckt auch das Baugewerbe im gleichen Dilemma wie andere Branchen: Der Mangel an Arbeitskräften muss ausgeglichen werden, gleichzeitig erwarten die Beschäftigten von ihren Arbeitgebern die Möglichkeit, ihre Arbeitszeit flexibler gestalten zu können. „Auch bei uns diskutieren die Mitglieder intensiv über eine Vier-Tage-Woche“, sagt Robert Feiger, Bundesvorsitzender der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt gegenüber dem B_I baumagazin. „Weil sich auf dem Bau Home-Office nicht realisieren lässt, sind wir umso mehr gefordert, attraktive Arbeitszeitmodelle anzubieten.“

IG Bau will flexiblere Arbeitszeitmodelle schaffen
IG Bau: Weniger Stunden nur bei vollem Lohnausgleich
Dass die Beschäftigten sich im Zweifel für den Arbeitgeber entscheiden, der attraktivere Arbeitsbedingungen bieten kann, das bekommt das Baugewerbe immer stärker zu spüren. „Grundsätzlich müssen wir die Baubranche unbedingt attraktiv halten, denn der Fachkräftemangel schlägt auch bei uns voll durch“, sagt Feiger. Verhandlungen über Arbeitszeitverkürzungen stünden aktuell bei der IG Bau aber nicht an, so Feiger weiter. Und bezieht klar Stellung: „Sollte die Arbeitszeit reduziert werden, ist dies nur bei vollem Lohnausgleich denkbar.“
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Auch Bauindustrie fordert flexiblere Arbeitszeiten
Auch aus der Bauindustrie wird die Forderung nach flexibleren Arbeitszeiten laut, sie geht aber in eine andere Richtung. So spricht sich der Bayerische Bauindustrieverband dafür aus, die gesetzliche Begrenzung der Arbeitszeit auf maximal zehn Stunden pro Arbeitstag aufzuheben. Sollte sich das durchsetzen, könnte das auf eine Vier-Tage-Woche hinauslaufen.

Baugewerbe: Vier-Tage-Woche ist Verhandlungssache
Der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes steht der Lockerung der Arbeitszeitbegrenzung, wie sie in Teilen der Bauindustrie gefordert wird, kritisch gegenüber. „Eine Arbeitszeit von mehr als zehn Stunden auf der Baustelle halten wir für gefährlich", so Heribert Jöris, Geschäftsführer Sozial- und Tarifpolitik beim ZDB, gegenüber dem B_I baumagazin. „Die Folge wären sicherlich mehr Arbeitsunfälle und ein drastischer Leistungsabfall. Das unterstützen wir in dieser generellen Form nicht." Die Vier-Tage-Woche dagegen könnte im Baugewerbe durchaus eine Chance haben. „Die Vier-Tage-Woche, also die Verteilung der 40-Wochenstunden auf vier Tage, lässt unser Tarifvertrag jetzt schon durchaus zu", so Jöris. „Ob diese Möglichkeit genutzt wird, sollten Arbeitgeber und Arbeitnehmer einvernehmlich entscheiden."
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