Bauindustrie
Neuer Präsident Olaf Demuth: Scharfe Kritik am „Ankündigungsmodus“ der Regierung
Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) hat eine neue Spitze: Olaf Demuth übernimmt das Präsidentenamt. Auf dem „Tag der Bauindustrie“ nutzte der Zech-Vorstand die Bühne direkt für eine Abrechnung mit der Koalition: Die Politik müsse endlich ins Machen kommen, statt die Branche mit einem Reformstau zu blockieren.

Unmittelbar nach seiner einstimmigen Wahl durch die Mitgliederversammlung suchte der 63-jährige Diplom-Bauingenieur den direkten Konfrontationskurs mit den anwesenden Regierungsvertretern, darunter Vizekanzler Lars Klingbeil und Bundesbauministerin Verena Hubertz.
Demuth zog eine ernüchternde Bilanz der bisherigen Regierungspolitik: „Der Koalitionsvertrag liest sich wie ein ambitioniertes Leistungsverzeichnis – sauber formuliert und mit klaren Soll-Vorgaben.“ Auf der Baustelle sei davon bislang jedoch wenig angekommen.
Gefühl von Reformstau statt Aufbruchsstimmung
Der neue Bauindustrie-Präsident wirft der Politik vor, tragfähige Entwürfe auf den kleinsten gemeinsamen Nenner zu reduzieren und Terminpläne zu verschieben. Zwar würden Gesetze beschlossen, doch handle es sich oft nur um kleinteilige Einzelmaßnahmen, „die wie Nachträge im laufenden Betrieb abgearbeitet werden.“ Das Resultat sei ein Reformstau, während die Branche auf den großen Wurf warte.
Es gehe nicht darum, mit dem Finger auf die Regierung zu zeigen, sondern das Arbeitsprogramm für die kommenden Monate zu definieren, so Demuth. Die vom Verband identifizierte Mängelliste deckt dabei fast alle Kernbereiche der Bauwirtschaft ab.
Infrastruktur schwer unterfinanziert
So warnt der Verband vor einem eklatanten Finanzierungsloch in der Infrastruktur: Für das Jahr 2027 drohe ein Investitionsrückgang von fast einer Milliarde Euro bei den Bundesverkehrswegen. Zudem fehlten wichtige Gesamtansätze wie die Kreditfähigkeit der Autobahn GmbH. Auch beim Thema Bürokratieabbau sieht der HDB Widersprüche: Während es gute Ansätze zur Planungsbeschleunigung gebe, drohten diese durch neue Vorgaben aus dem Bundesumweltministerium direkt wieder konterkariert zu werden.
Fehlendes Tempo bei Wohnungsbau und Arbeitsmarkt
Besonders drängend sei die Lage im Wohnungsbau. Die Konzepte für einen Neustart – vom Gebäudetyp E über eine vereinfachte Förderkulisse bis zur Anpassung der TA Lärm – lägen längst auf dem Tisch. Die Regierung müsse hier angesichts der Krise endlich handeln, so die Forderung.
Auch auf dem Arbeitsmarkt fehle es an Tempo. Die Anerkennungsverfahren für ausländische Fachkräfte seien nach wie vor zu langwierig. Gleichzeitig kritisiert der Verband, dass die Balance zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerinteressen verloren zu gehen drohe. Ein gescheiterter Sozialpartnerdialog zur Arbeitszeitflexibilisierung und zunehmende Rechtsunsicherheiten für die Betriebe seien die alarmierenden Folgen.
Graben zum Mittelstand schließen
Neben der politischen Agenda sieht Demuth auch verbandsintern große Aufgaben. Sein erklärtes Ziel ist es, die stark zersplitterte Branche zusammenzuführen. Die anstehenden gesellschaftlichen Aufgaben seien nur in einem Schulterschluss zwischen großen Konzernen und dem Mittelstand zu bewältigen. „Meine feste Überzeugung: Fortschritt gelingt nur mit einer Industriepolitik, die die gesamte Breite der Branche im Blick hat und alle Akteure einbindet“, so der Hamburger.
Geordneter Übergang an der Verbandsspitze
In seinem neuen Amt folt Demuth auf Peter Hübner, der dem Hauptverband der Deutschen Bauindustrie insgesamt zehn Jahre vorstand. Hübner legte sein Amt nach der Hälfte seiner dritten Amtszeit regulär nieder, um einen geordneten Nachfolge- und Übergangsprozess einzuleiten.
Beruflich ist Olaf Demuth seit 2017 als Vorstand der Zech Group SE tätig, wo er den Geschäftsbereich Building (Bau, Ingenieurbau, Technik, Systeme und Umwelt) verantwortet. Seine Karriere begann er 1988 bei der Hamburger Niederlassung der Strabag Hoch- und Ingenieurbau AG. Nach der Übernahme durch die Ed. Züblin AG im Jahr 2006 wechselte er in die technische Leitung und rückte 2013 in den Vorstand auf.
Auf Verbandsebene bringt Demuth langjährige Erfahrung mit: Er engagiert sich seit 19 Jahren im Vorstand des Bauindustrieverbandes Hamburg Schleswig-Holstein, davon zehn Jahre als Vorsitzender. Dem Präsidium des Hauptverbandes auf Bundesebene gehört er bereits seit 2018 an.
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