Wiener Wohnhochhaus
Schalungsmatrizen für Sichtbeton: Fassadengestaltung am Wiener Grünblick
Beim Bau des 90 Meter hohen Wohnhochhauses „Grünblick“ in Wien setzen die Architekten auf farbigen, strukturierten Sichtbeton. Für die Gestaltung der Balkonunterseiten und Brüstungen kamen Schalungsmatrizen zum Einsatz, die sowohl im Fertigteilwerk als auch auf der Baustelle verarbeitet wurden. Das Projekt vereint komplexe Fassadengestaltung mit effizienten Bauabläufen.

Für die Balkone des Wiener Hochhausprojekts gab das Architekturbüro Mario Cucinella Architects (Bologna) einen terrakottaähnlichen Farbton sowie eine spezifische Oberflächenstruktur vor. Um diese architektonischen Details an den Unterseiten und Brüstungen der versetzt angeordneten Balkone umzusetzen, nutzten die Bauausführenden eingefärbten Beton in Kombination mit Strukturmatrizen von NOE-Betongestaltung. Die finale Betonrezeptur ermittelte das Betonfertigteilwerk Rauter im Vorfeld anhand verschiedener Farbmuster aus Weißzement und beigemischten Pigmenten.
Modifiziertes Design und Witterungstests
Die Wahl der Oberflächenstruktur fiel zunächst auf eine Vorlage aus dem Standard-Sortiment des Matrizen-Herstellers. Nach der Fertigung erster Musterplatten wurde das Design jedoch modifiziert, um den exakten Vorgaben der Architekten zu entsprechen.

Um sicherzustellen, dass die Balkonunterseiten bei allen 340 Wohnungen eine einheitliche Farbgebung und Oberflächenwirkung aufweisen, errichtete der Generalunternehmer Srabag ein sechs mal fünf Meter großes Mock-Up. Dieses Vorführmodell wurde mehrere Wochen der Witterung ausgesetzt. So ließen sich eventuelle Farbveränderungen des Betons unter realen Bedingungen vor dem eigentlichen Bau prüfen.
Zweigleisiges Bauverfahren: Fertigteil und Ortbeton
Die Produktion der Balkone erforderte zwei unterschiedliche betontechnologische Ansätze. Bei den großflächigen Balkonen an den Gebäudeecken legten die Arbeiter die Schalungsmatrizen direkt auf der Baustelle in die Schalung ein und vergossen sie mit Ortbeton.

Für alle übrigen Balkone produzierte das Fertigteilwerk zunächst sechs Zentimeter dicke Elementdecken. Diese kamen auf der Baustelle als verlorene Schalung zum Einsatz. Parallel dazu wurden die zugehörigen Brüstungen montiert, anschließend durch Ortbeton ergänzt und statisch miteinander verbunden.
Maßgenauigkeit durch Fasergewebe
Die verwendeten Polyurethan-Matrizen sind auf der Rückseite mit einem Fasergewebe verstärkt. Dieses Gewebe erhöht die Maßgenauigkeit der Formen, was insbesondere bei Temperaturschwankungen auf der Baustelle sowie bei häufiger Wiederverwendung relevant ist. Laut Hersteller lassen sich die Matten, abhängig von der gewählten Struktur, bis zu 100-mal nutzen. Für die Profilierung des Betons werden die Matrizen rutschsicher in der Schalung fixiert. Nach dem Aushärten des Betons und der Entnahme der Gießform bleibt das gewünschte Relief im Beton zurück.
Eckdaten zum Projekt „Grünblick“
Das Wohnhochhaus liegt im „Viertel Zwei“, einem städtebaulichen Entwicklungsgebiet in Wien. Das 90 Meter hohe Gebäude verfügt über eine Bruttogeschossfläche von mehr als 51.000 Quadratmetern sowie eine dreigeschossige Tiefgarage. Auf 28 oberirdischen Stockwerken befinden sich 340 Eigentumswohnungen mit Flächen zwischen 44 und 134 Quadratmetern. Im Erdgeschoss sind fünf Gewerbeeinheiten und ein Concierge-Service untergebracht. Das nach ÖGNI-Gold zertifizierte Gebäude verfügt zudem über gemeinschaftliche Dachflächen mit Diningroom, Terrasse, Pool, Fitnessbereich und Sauna.

