CO₂-Management
Bauwirtschaft vergibt Einsparpotenzial bei Emissionen

Diesel, Strom, Zement oder Maut: In vielen Kostenposten am Bau stecken heute CO₂-Aufschläge. Eine Studie der TU Dresden zeigt jedoch: Lediglich fünf Prozent der deutschen Bauunternehmen kennen ihre tatsächlichen Emissionen. Demnach entgeht der Branche ein enormes Einsparpotenzial, da sich nur erfasste Werte gezielt senken lassen.

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In den Preisen für Energie, Baustoffe und Logistik zahlen Bauunternehmen bereits heute indirekt für ihre CO₂-Emissionen. Dennoch wissen die wenigsten Betriebe, wie viel Kohlendioxid sie tatsächlich ausstoßen. Zu diesem Ergebnis kommen Forschende der Professur für Betriebswirtschaftslehre (insbesondere Management Accounting and Control) an der Technischen Universität Dresden (TUD) in einer repräsentativen Studie.
Dafür wurden im Winter 2025/2026 bundesweit 601 Bauunternehmen aus allen 16 Bundesländern befragt. Die Stichprobe entspricht in Größe, Umsatz und Eigentümerstruktur der deutschen Bauwirtschaft (89 Prozent der befragten Betriebe befinden sich in Familien- oder Gründerhand).
Aus Sicht der Wissenschaft entgehen den Unternehmen dadurch konkrete Einsparpotenziale: Nur wer seine Emissionen systematisch erfasst, kann diese an den entsprechenden Stellen gezielt reduzieren und infolgedessen seine Betriebskosten senken.
Im branchenübergreifenden Vergleich liegt das Bauwesen klar zurück: Während deutschlandweit rund 16 Prozent aller Unternehmen ihren CO₂-Fußabdruck kennen, sind es in der Baubranche lediglich fünf Prozent. Bei kleineren Bauunternehmen mit zehn bis 49 Beschäftigten liegt dieser Wert sogar bei nur drei Prozent.
CO₂-Aufschläge im Angebot: Regionales Bild in Sachsen
Ein detaillierter Blick auf die regionale Auswertung zeigt ein ähnliches Bild: Aus Sachsen nahmen 64 Unternehmen an der Studie teil. Zwar kennt auch hier kaum ein Betrieb seinen genauen CO₂-Fußabdruck, dennoch rechnet bereits jedes fünfte sächsische Unternehmen (20 Prozent) die Kosten für CO₂-Emissionen oder allgemeine Umweltkosten in seine Projekte ein. Dieser Wert liegt nur leicht unter dem Bundesdurchschnitt, bei dem branchenweit 22 Prozent der Unternehmen (kleine Betriebe zu gleichen Teilen wie große) diese Kosten in ihren Angeboten berücksichtigen.
Dr. Philipp Richter, der die Studie leitete, ordnet die Ergebnisse ein: „Kleinere Bauunternehmen rechnen CO₂ genauso oft in ihre Angebote ein wie große. Ihren eigenen Ausstoß kennen sie kaum, obwohl die Daten in jeder Buchhaltung liegen. Es fehlt nur die Entscheidung, hinzuschauen.“
Wachsender Druck durch Vergabestellen, Banken und Gesetzgebung
Der Handlungsdruck auf mittelständische Bauunternehmen steigt kontinuierlich. Eine direkte Pflicht zur Berichterstattung über die eigenen Emissionen trifft nach der EU-Omnibus-Richtlinie zwar derzeit nur sehr große Unternehmen, doch die Anforderungen in der Praxis greifen weiter:
- Große Auftraggeber fragen Emissionsdaten zunehmend bei ihren Nachunternehmen ab.
- Öffentliche Vergabestellen bewerten Emissionen bei der Auftragsvergabe mit einem festen CO₂-Preis.
- Banken und Kreditinstitute beziehen Klimarisiken immer stärker in die Kreditprüfung ein.
- Ab 2028 verlangt das Gebäudemodernisierungsgesetz zudem für größere Neubauten eine vollständige CO₂-Bilanz über den gesamten Lebenszyklus.
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HIer geht's zur Studie: Richter, P. & Leistner, P. (2026): CO₂-Management in der deutschen Bauwirtschaft. Benchmark und Wegweiser für den Mittelstand. Studienbericht. Technische Universität Dresden. https://doi.org/10.5281/zenodo.23098124
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Quelle: TU Dresden
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