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Sommerhitze: Tipps zum Arbeiten auf Baustellen

Über 30 Grad und ĂŒber Wochen kaum AbkĂŒhlung in Sicht: Bei den aktuellen Temperaturen in Deutschland steigt die Hitzebelastung fĂŒr besonders fĂŒr alle, die auf Baustellen arbeiten. Hier sind sieben Regeln und Tipps, wie sich BeschĂ€ftigte im Baugewerbe vor Hitzeerkrankungen schĂŒtzen können.

Baustellen & Hitze: Sieben Tipps zum Arbeiten auf Baustellen im Sommer
Viel trinken ist wichtig bei Hitze. Der Arbeitgeber hat dafĂŒr zu sorgen, dass den BeschĂ€ftigten auf der Baustelle immer ausreichend GetrĂ€nke zur VerfĂŒgung stehen. | Foto: BG Bau
Seit der 18. Kalenderwoche gilt im Baugewerbe die Sommerarbeitszeit mit 41 Arbeitsstunden pro Woche, und zwar bis zur 48. Kalenderwoche. Das ist so im Bundesrahmen-Tarifvertrag (BRTV) geregelt. Schon im Juni stiegen aber die Temperaturen hĂ€ufig bis ĂŒber 30 Grad Celsius, und auch der Juli ist geprĂ€gt von viel Sonne und starker Hitze. Wer bei den aktuellen Sommertemperaturen auf der Baustelle schuften muss, ist einer noch stĂ€rkeren körperlichen Belastung ausgesetzt als sowieso schon im Arbeitsalltag. "Wer körperlich schwer arbeitet, ist durch Hitze besonders belastet. Deshalb ist der Schutz der BeschĂ€ftigten unerlĂ€sslich. Hohe Temperaturen können zu gesundheitlichen SchĂ€den wie Hitzschlag, Sonnenstich und Kreislaufstörungen fĂŒhren. Sie verursachen aber auch eine verringerte Konzentrations- und ReaktionsfĂ€higkeit, weshalb ArbeitsunfĂ€lle zunehmen können", sagt Hans-JĂŒrgen Wellnhofer, kommissarischer Leiter der Hauptabteilung PrĂ€vention der BG BAU. Das kann im schlimmsten Fall tödlich enden. Pro Jahr sterben in Deutschland nach Zahlen des Robert-Koch-Instituts rund 4.500 Menschen an Hitzschlag. Die Berufsgenossenschaft BG Bau und die Gewerkschaft IG Bau geben hilfreiche Tipps, wie man sich selbst und seine Kollegen bei Hitze und starker Sonne auf Baustellen vor Hitzeerkrankungen schĂŒtzen kann.

Tipp 1 bei Hitze am Bau: Weniger arbeiten

„Mach mal halblang“ ist eine gute Verhaltensregel bei hohen Temperaturen. An besonders heißen Tagen sollte die ArbeitsintensitĂ€t und das Arbeitspensum verringert werden, um die innere WĂ€rmeproduktion zu minimieren. Auch regelmĂ€ĂŸige Erholungspausen im Schatten oder kĂŒhlerer Umgebung sind kein Luxus, sondern nötiger Gesundheitsschutz.

Tipp 2 bei Hitze am Bau: Arbeitszeit verlagern

Weitsichtige Bau-Arbeitgeber passen die ArbeitsplĂ€ne den Temperaturen an, oft schon aus technischen GrĂŒnden, da sich einige Materialien bei hohen Temperaturen nicht mehr zuverlĂ€ssig verarbeiten lassen. Aber auch fĂŒr die BeschĂ€ftigten ist es gesĂŒnder, eher in den kĂŒhleren Morgen- oder spĂ€ten Nachmittagsstunden zu arbeiten. Sinnvoll ist zudem, TĂ€tigkeiten mit dem Schattenverlauf zu planen und auszufĂŒhren und - wenn möglich - im Rotationsprinzip, also abwechselnd, zu arbeiten. Die BG Bau weist darauf hin, dass bei großer Hitze ausnahmsweise auch in Gebieten vor 7 Uhr gearbeitet werden darf, wo es sonst aus LĂ€rmschutzgrĂŒnden nicht erlaubt ist.

Tipp 3 bei Hitze am Bau: Direkte Sonne meiden

BeschĂ€ftigte am Bau mĂŒssen vor Hitze und direkter Sonne geschĂŒtzt werden, sei es durch Schattenspender wie Wetterschutzzelte oder Sonnensegel. Oder auch, indem die Bauarbeiten, zum Beispiel an Fassaden, nach dem Stand der Sonne ausgerichtet werden. Wer dennoch in der Sonne arbeiten muss, braucht einen angemessenen UV-Schutz. „Wer in praller Sonne arbeitet, muss höllisch aufpassen. Denn das Entstehen von Hautkrebs hĂ€ngt ganz wesentlich davon ab, wie hoch die Gesamtdosis an Sonneneinstrahlung ist, der ein Mensch im Laufe seines Lebens ausgesetzt ist“, warnen die Spezialisten der IG Bau. FĂŒr alle, die unter freiem Himmel auf Baustellen arbeiten, ist also regelmĂ€ĂŸiges Eincremen mit Sonnenmilch mit hohem Lichtschutzfaktor angesagt.

Tipp 4 bei Hitze am Bau: Hitzequellen reduzieren

Bei stehender Luft ist Hitze oft noch unertrĂ€glicher. Hier können Ventilatoren fĂŒr mehr Luftbewegung sorgen. Arbeiten, die in Baumaschinen oder Fahrzeugen mit Klimaanlage erledigt werden können, sollten bei Hitze vorgezogen werden. Übrigens ignorieren immer noch viele Fahrer, dass die Klimaanlage nur bei geschlossenen Fenstern funktioniert. Auf zusĂ€tzliche WĂ€rmequellen sollte man verzichten: So sollte man den Einsatz technischer GerĂ€te, die sehr viel WĂ€rme abstrahlen, wo möglich vermeiden.

Tipp 5 bei Hitze am Bau: Viel trinken

Bei Sommerhitze sollte man deutlich mehr trinken als sonst. Drei bis fĂŒnf Liter pro Person empfiehlt die BG Bau. Alkoholfreie GetrĂ€nke wie Wasser, Saftschorlen oder FrĂŒchte- und KrĂ€utertee helfen, die Körpertemperatur zu regulieren und Hitzeerkrankungen zu vermeiden. Wie kommt man am auf so eine Menge? Die Fachleute der IG BAU haben fĂŒr heiße Arbeitstage eine Faustregel parat: alle 15 bis 20 Minuten ein volles Wasserglas trinken. FĂŒr so eine „GetrĂ€nke-Flatrate“ hat der Arbeitgeber zu sorgen, das ist in der ArbeitsstĂ€ttenverordnung geregelt. Das heißt: BeschĂ€ftigte auf Baustellen mĂŒssen in der NĂ€he ihrer ArbeitsplĂ€tze immer ĂŒber Trinkwasser oder andere alkoholfreie GetrĂ€nke verfĂŒgen. Eiskalte GetrĂ€nke sind ĂŒbrigens fĂŒr den Augenblick zwar erfrischend, kurbeln aber den Kreislauf noch zusĂ€tzlich an und sollten deshalb eher nach Feierabend genossen werden.

Tipp 6 bei Hitze am Bau: KĂŒhlkleidung tragen

FĂŒr heiße Sommertage und fĂŒr Arbeiten, die bei extremer Hitze ausgefĂŒhrt werden mĂŒssen, gibt es spezielle Funktionskleidung, die mit KĂŒhlung auf Verdunstungsbasis arbeitet. KĂŒhlwesten und KĂŒhlkappen, KĂŒhlnackenschutz und KĂŒhleinlagen fĂŒr den Bauhelm helfen, den Körper vor Hitzeerkrankungen zu schĂŒtzen. Die Anschaffung von KĂŒhlkleidung und Arbeitsmitteln zur Verschattung fördert die BG BAU im Rahmen ihrer ArbeitsschutzprĂ€mien.

Tipp 7 bei Hitze am Bau: Warnzeichen erkennen, erste Hilfe leisten

Aber woran erkennt man eigentlich hitzebedingte Erkrankungen? FĂŒr Laien sind Hitzschlag und Sonnenstich nicht so ohne weiteres unterscheidbar. Ernst zu nehmende Warnsignale sind in jedem Fall Übelkeit, Schwindel, Kopfschmerzen, Nackenschmerzen, hochroter Kopf, HautblĂ€sse, schneller Puls, MĂŒdigkeit, ĂŒbermĂ€ĂŸiger Durst, KrĂ€mpfe sowie Unruhe, AggressivitĂ€t und Verwirrtheit. Bei solchen Anzeichen mĂŒssen Betroffene sofort in eine kĂŒhle Umgebung oder in den Schatten gebracht werden. Wichtig ist AbkĂŒhlung bei den Betroffenen, am besten am Kopf, zum Beispiel mit Wasser oder nassen TĂŒchern. Nicht vergessen, schwere Kleidung zu öffnen! Bei allen Symptomen muss sofort der Rettungsdienst unter 112 alarmiert werden.

Tarifliche Regelungen bei Sommerhitze

Bau-Tarifvertrag regelt Sommer-Ausfallstunden

Arbeitsstunden, die aus WitterungsgrĂŒnden zwischen April und November ausfallen, also zum Beispiel wegen großer Hitze oder Starkregen, können innerhalb der folgenden vierzig Arbeitstage zuschlagspflichtig mit 12,5 Prozent Zuschlag nachgeholt werden. Auch das regelt der Bundesrahmen-Tarifvertrag, der seit dem 1. Januar 2023 in Kraft ist.

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Sommer-Ausfallgeld bei großer Hitze fĂŒr Dachdecker

Das Dachdeckerhandwerk muss auch im Sommer in besonders exponierter Lage arbeiten. Wird die Hitze so groß, dass nicht gearbeitet werden kann, greift auch hier die Ausfallgeldregelung. Darauf haben sich im Jahr 2020 der Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) und die IG Bau verstĂ€ndigt. Das Dachdecker-Ausfallgeld ist eine tarifliche Lohnersatzleistung und ersetzt Arbeitnehmern 75 Prozent ihres entgangenen Stundenlohns fĂŒr maximal 53 Stunden.

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