Urban Mining
Pilotprojekt testet erstes Gebäudematerialkataster

München pilotiert das erste Gebäudematerialkataster im Stadtteil Feldmoching-Hasenbergl. Mit dem digitalen „Urban Mining Screener“ wurden bereits 7.500 Gebäude auf ihre verbaute Materialzusammensetzung analysiert. Ziel ist es, Bauabfälle zu reduzieren und Baustoffe im Sinne der Kreislaufwirtschaft gezielt wiederzuverwenden.
Die deutsche Bauwirtschaft verantwortet jährlich einen enormen Ressourcenverbrauch und ist gleichzeitig einer der größten Abfallverursacher. Bisher enden Baustoffe beim Rückbau meist auf Deponien oder fließen in ein qualitativ minderwertiges Downcycling – etwa alte Ziegel als Straßenfüllung. Der Grund: Es fehlt an Transparenz über die in Bestandsgebäuden gebundenen Materialien.
Paradigmenwechsel vom Abbruch zum systematischen Rückbau
Für ausschreibende Stellen, Planer und Bauunternehmen bedeutet das Pilotprojekt in München daher einen relevanten technologischen Schritt hin zum zirkulären Bauen. Die Landeshauptstadt erprobt den Einsatz eines digitalen Flächentools, dem sogenannten Urban Mining Screener, entwickelt von Epea (Teil von Drees & Sommer) und Madaster Germany. Die Software ermöglicht es, aus grundlegenden Eingangsdaten wie Baujahr, Ort und Gebäudetyp die Materialzusammensetzung ganzer Stadtteile abzuschätzen.
Für die Baupraxis liefert dieses Werkzeug einen entscheidenden Mehrwert: Es schafft Planungssicherheit. Wenn bereits vor einem Eingriff in den Bestand klar ist, welche Rohstoffe in welcher Menge und Qualität anfallen, lassen sich Materialströme prognostizieren. Dies ermöglicht es Bauunternehmen, Sekundärbaustoffe frühzeitig in neue Projekte einzuplanen und Entsorgungskosten signifikant zu senken.
Millionen Tonnen Beton und Metall erfasst
Im Rahmen des Pilotprojekts wurden im Stadtteil Feldmoching-Hasenbergl rund 7.500 Gebäude analysiert. Die Datenauswertung verdeutlicht die Dimension des urbanen Rohstofflagers: Allein in diesem Quartier sind mehr als 4,4 Millionen Tonnen Beton und über 200.000 Tonnen Metalle verbaut.

Die systematische Erfassung dieser Materialien bildet die Grundlage für ein vorausschauendes Stoffstrommanagement, das darauf abzielt, CO2-Emissionen und Rohstoffverbrauch langfristig zu minimieren.
Bestandteil der kommunalen Zero-Waste-Strategie
Hintergrund des Projekts ist das Zero-Waste-Konzept der Stadt München. Bis 2035 soll die Restmüllmenge um 35 Prozent gesenkt werden. Da rund 60 Prozent des städtischen Materialverbrauchs (etwa 47 Millionen Tonnen jährlich) auf den Bau- und Infrastruktursektor entfallen, setzt das Kommunalreferat hier den größten Hebel an.
Das nun erprobte Gebäudematerialkataster soll als Basis für eine stadtweite „Baustoff-Bibliothek“ dienen. In den nächsten Schritten werden die Ergebnisse innerhalb der Stadtverwaltung ausgewertet, um das Kataster auf weitere Stadtgebiete auszuweiten. Zudem wird geprüft, wie die Daten in bestehende Initiativen zur Kreislaufwirtschaft Bau – wie das EU-Projekt Circular Construction Finance oder die lokale Urban-Mining-Initiative – integriert werden können, um die Recyclingquote bei künftigen Bauvergaben strukturell zu erhöhen.
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