Termin mit Mehrwert
Oldenburger Asbestzementleitungssanierungstag traf auf positive Resonanz

Der erste Oldenburger Asbestzementleitungssanierungstag des Instituts für Rohrleitungsbau an der Fachhochschule Oldenburg e.V. (iro) traf auf positive Resonanz in der Branche. Das Präsenzseminar in Oldenburg war schnell ausgebucht. Das zeigte den aktuell großen Informations- und Handlungsbedarf von Betreibern bzw. Auftraggebern, Ingenieurbüros und ausführenden Unternehmen zum Umgang mit Asbestzementleitungen, die in die Jahre gekommen sind.
Ein nicht unerheblicher Teil unserer erdverlegten und innerhäuslichen Abwasser- und Trinkwasserleitungen besteht aus Asbestzement (AZ). Betreiber, Ingenieurbüros und ausführende Unternehmen stehen für unsere Daseinsvorsorge vor großen Herausforderungen zur Reparatur und Sanierung von Leitungen mit Asbestzement auf öffentlichem Grund. Für Eigentümer von Grundstücken und Gebäuden, die vor 1993 gebaut wurden, gilt das für erdverlegte und innerhäusliche Leitungen ebenfalls. Erdverlegte Leitungen und die Arbeitssicherheit bei deren Sanierung bzw. Instandhaltung mit grabenlosen Verfahren waren Hauptfokus des Seminars in Oldenburg. Andere Nachhaltigkeitsaspekte der drei Säulen Ökologie, Ökonomie und Soziales, Reparaturen und Sanierungen mit klassischem Tiefbau und Weiteres zur praktischen Umsetzung wurde auch thematisiert.
Vielfältiges Programm und offener Austausch
Mit dem Programm deckten die Veranstalter unterschiedliche Perspektiven ab und boten viel Raum für den Austausch – einzeln nach jedem Vortrag, in einer abschließenden Podiumsdiskussion mit allen Vortragenden und in den Pausen. Die BGT-Geschäftsstelle war aufgrund ihrer Erfahrungen zur Beantragung und Umsetzung des emissionsarmen Verfahrens BT 61 mit einem Vortrag dabei. Viele Referenten aus ausführenden Unternehmen berichteten über praktische Erfahrungen mit unterschiedlichen grabenlosen Verfahren zur Instandhaltung erdverlegter AZ-Leitungen, wie Berstlining, vor Ort härtendem Schlauchlining oder Lining mit eingezogenen Schläuchen, für unterschiedliche Medien, Abwasser oder Trinkwasser, und für Freispiegel- oder Druckleitungen. Ein Referent aus einem Tiefbauunternehmen berichtete über den Aufwand zum Austausch von AZ-Leitungen und das Dilemma von Reparaturen im Notfall nach Leitungsbrüchen. Wegen fehlender Information und der gebotenen Eile müssen vorsorglich mit erheblichem Aufwand alle Arbeitssicherheitsmaßnahmen für Asbestzement eingehalten werden.
Es wurden Gesundheitsschutz und viele andere Aspekte beim ersten Oldenburger Asbestzementleitungssanierungstag behandelt, wie:
- Rechtliche Rahmenbedingungen, wie Gefahrstoffverordnung (GefStoffV), TRGS 519 und REACH-Verordnung und anerkannte emissionsarme Verfahren
- Klassischer Tiefbau
- Unterschiedliche grabenlose anerkannte emissionsarme Verfahren, wie vor Ort härtende Schlauchliner, Berstlining und kevlarverstärkte Schlauchliner, aber auch ähnliche bisher nicht von DGUV bzw. IFA anerkannte emissionsarme Verfahren, wie Close-Fit-Lining
- Reparatur, Sanierung, Instandhaltung, Rehabilitation
- Verbleib der AZ-Leitungen im Untergrund oder Austausch
- Entscheidungskriterien regional zuständiger Gewerbeaufsichten
- Effizienterer Abbau des Sanierungsrückstaus durch übergreifende Abstimmung, wie mit Straßenbaumaßnahmen
- Perspektiven von ausführenden Unternehmen, Betreibern, des iro e.V. und des Bundesverbands grabenlose Technologien e.V. (BGT)
Erkenntnisse aus dem Seminar
Der offene Austausch zwischen den Vortragenden und den übrigen Teilnehmern – zu einzelnen Vorträgen, aber auch in den Pausen und in der Podiumsdiskussion – bereicherte das Seminar erheblich und trug dazu bei, dass alle für ihre weitere Arbeit profitieren konnten, unter anderem durch folgende Erkenntnisse:
- Aktualisierungen und die Bündelung anerkannter emissionsarmer Verfahren sind wünschenswert. Ähnliche Verfahren mit vergleichbaren Anforderungen im Hinblick auf die Arbeitssicherheit im Umgang mit Asbestzement bieten Potenzial zur Bündelung. Dazu kann und möchten auch der BGT und seine Mitgliedsunternehmen beitragen, wie mehrfach in der Veranstaltung angeregt wurde.
- Die verfügbaren Verfahren mit klassischem Tiefbau und grabenlosen Methoden sind alle relevant und haben ihre Daseinsberechtigung. Bei der Auswahl der Verfahren und der Umsetzung konkreter Maßnahmen spielen neben den besonderen Anforderungen bei AZ auch viele „ganz normale“ Aspekte eine Rolle.
- Um den Abbau des Sanierungsrückstaus im Bereich von AZ-Leitungen zu beschleunigen, ist es wünschenswert, Wissensdefizite in der Branche abzubauen und Transparenz zu schaffen. Um unsere Daseinsvorsorge und kritische Infrastruktur zu sichern, müssen die verfügbaren Kapazitäten und finanziellen Mittel effizient eingesetzt werden. Die jetzt aktiven Generationen haben dabei eine große Verantwortung für nachfolgende Generationen. Die Lösung aktuell bekannter Probleme soll nicht einfach in die Zukunft verschoben werden. Kurzfristige Maßnahmen sind dringend erforderlich, aber auch eine langfristige Strategie. Der Umgang mit AZ-Leitungen wird uns noch lange beschäftigen.
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Fazit und Ausblick: Wertvolle Infos, wertvoller Austausch
Die, die sich rechtzeitig angemeldet und einen Platz bekommen haben, und die Vortragenden haben ihre Teilnahme nicht bereut. Der Austausch war intensiv und bereichernd. Alle konnten ihr Netzwerk erweitern und wertvolle konkrete Informationen und Anregungen für ihre Arbeit im Zusammenhang mit AZ-Leitungen mitnehmen. Viele plädierten für eine Fortsetzung des Austauschs in der Zukunft und auch die Einbeziehung weiterer Perspektiven.
BGT-Kontakt zu AZ-Themen: Dr. Katrin Brummermann, Referentin Technik, E-Mail katrin.brummermann@grabenlos.de, Mobil +49 173473 4790
Quelle: BGT
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