Fachkräftemangel
Vorbeugung durch Fortbildung

Der Fachkräftemangel ist ein entscheidender Faktor, der uns nicht nur in den Pflege- und Sozialsystemen, in der Gastronomie, der IT-Branche oder im klassischen Handwerk mit Sorge in die Zukunft blicken lässt. Die Gesellschaft muss hier umgehend gegensteuern – auch in der kritischen Infrastruktur der Abwasserentsorgung, der Trinkwasserversorgung und der Sanierung der Leitungsnetze ist diese Entwicklung längst angekommen.
Es gilt, junge Menschen zu motivieren, sich in diesem Bereich für eine Ausbildung oder ein Studium zu entscheiden. Aktiver Umwelt und Klimaschutz bietet attraktive Arbeitsplätze, die sinnvoll, nachhaltig und zukunftsorientiert sind. Die Sanierung von Entwässerungssystemen umfasst mittlerweile unzählige technisch anspruchsvolle Berufsbilder, die dringend aus ihrem „Dornröschenschlaf“ erweckt und in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt werden müssen.
Komplexe Technik erfordert tiefgreifendes Fachwissen
Der VSB hat sich seit mehr als 25 Jahren der Fortbildung und der Erstellung von Regelwerken für die Sanierung der Abwasserkanalisation unter dem Motto „Lücken schließen“ verschrieben. Mit dem Lehrgang zum „Zertifizierten Kanalsanierungs-Berater“ hat sich eine hervorragende, berufsbegleitende Ausbildung etabliert. Sie richtet sich an Mitarbeitende von Netzbetreibern, Kommunen, Ingenieurbüros für Planung und Bauüberwachung sowie an ausführende Unternehmen und Produkthersteller und wird Jahr für Jahr erfolgreich angenommen.
Im Gegenzug darf jedoch nicht außer Acht gelassen werden, dass mittlerweile technisch hochkomplexe Systeme auf dem Markt verfügbar sind, die teilweise mehrere Sanierungsverfahren in einer Einheit beziehungsweise in einem Fahrzeug vereinen. So gibt es beispielsweise Robotersysteme, die neben den bewährten Arbeiten wie Fräsen, Verspachteln und Verpressen mittlerweile auch Hutprofile einbauen, mittels Adapter-Lösungen Kurzliner oder Edelstahl-Manschetten setzen oder über eine leicht anzubringende Kupplung Injektionen mit Zementmörtel durchführen können.
Dies ist eine bewundernswerte Entwicklung der letzten Jahre, die zeigt, wie innovativ unsere Branche ist. Hier verbirgt sich jedoch auch ein Risiko, das beachtet werden muss: Die technische Komplexität solcher Fahrzeuge und die richtige Anwendung stellen höchste Anforderungen an das gewerbliche Personal auf der Baustelle.

Das fundierte Wissen um die Einsatzmöglichkeiten, die Anwendungsgrenzen der Systeme und der fachgerechte Umgang mit unterschiedlichen Materialien sind zwingend erforderlich.Wird dieses Wissen nicht vermittelt – und das kann durch die Systemhersteller kaum vollumfänglich abgedeckt werden –, fehlt eine essenzielle Grundlage. Neben der rein technischen Systemschulung für die Bedienung der Anlage, ist elementares theoretisches Fachwissen nötig, das gesondert geschult werden muss. Andernfalls überträgt man den Mitarbeitern eine sehr hohe Verantwortung und lässt sie buchstäblich „im Abwasser stehen“, wenn der Einsatz nicht fachgerecht, sondern fehlerhaft und folglich unwirtschaftlich abläuft.
Die Lösung: Der Lehrgang zur „Zertifizierten Fachkraft Kanalsanierung“
Genau an diesem Punkt setzt der seit mehreren Jahren vom Verband zertifizierter Sanierungs-Berater e.V. angebotene Lehrgang zur Zertifizierten Fachkraft Kanalsanierungan. Das Ausbildungskonzept ist gezielt auf das ausführende Personal der Kanalsanierung ausgerichtet. Zum einen soll es den Menschen von der Baustelle – also dem Fachpersonal von Sanierungsfirmen – die Möglichkeit zur Weiterbildung geben. Zum anderen soll es Quereinsteigern ermöglichen, sich für die Sanierungsbranche zu qualifizieren. Selbstverständlich ist der Lehrgang auch für Mitarbeitende kommunaler Entwässerungsbetriebe ideal, die eigenständig Sanierungsarbeiten im eigenen Netz ausführen oder entsprechende Arbeiten anleiten und überwachen.
Praxis zum Anfassen
Der Lehrgang erstreckt sich über zwei Wochen mit jeweils fünf Tagen, ermöglicht eine intensive Auseinandersetzung mit den Themen und Techniken der Kanalsanierung und wird im Januar / Februar zu Beginn des Jahres angeboten – in der Zeit, in der witterungsbedingt viele Baustellen noch nicht bedient werden können. In diesem Zeitraum stehen bei den ausführenden Unternehmen normalerweise Fahrzeug-Wartung und -Pflege sowie die notwendigen innerbetrieblichen Schulungen als auch z.B. Anwendertage von Herstellern an. Warum also die Zeit nicht auch als Investition in Bildung und Mitarbeiterbindung investieren?

Theorie und Praxis Hand in Hand
Themenschwerpunkte sind zunächst die theoretischen Grundlagen der Kanaluntersuchung und des Kanalbetriebs. Ein fundiertes Verständnis dieser Basis ist elementar, um die darauffolgenden Sanierungsverfahren zielführend und nachhaltig einzusetzen. Ein erfahrenes Dozententeam leitet den Lehrgang, wobei die Praxiserfahrung aller Referierenden entscheidend für die hohe Qualität der vermittelten Inhalte ist.
Der weitere Fokus liegt auf der praktischen Darstellung von Sanierungstechniken, unterteilt in die Bereiche Reparatur, Renovierung und Erneuerung. Dies ermöglicht den Teilnehmenden, ein breites Spektrum kennenzulernen. Bei den Praxisvorführungen ist aktives Mitmachen ausdrücklich erwünscht. Unsere Referierenden werden dabei von ausführenden Unternehmen und Systemherstellern der Branche tatkräftig vor Ort unterstützt. So können Verfahren detailliert vorgestellt, Einsatzgrenzen aufgezeigt und vor allem eigene Erfahrungen durch das sprichwörtliche „Anfassen“ geteilt werden.
In den vergangenen Jahren sind hierbei die Firmen Janßen Umwelttechnik mit ihren angebotenen Injektionssystemen in nicht begehbaren Abwasserkanälen bis DN 700, die Fa. Pipetronics mit ihren multifunktionalen Robotersystemen bis DN 800, die Fa. Uhrig Kanaltechnik mit ihren Edelstahl-Manschetten „Quick-Lock“ – Einsatzbereich mittlerweile bis DN 3000 - sowie die Fa. Resinnovation mit ihrem teilautomatisierten Partliner-System (Kurzliner) als auch die Fa. Hermes Technologie mit ihren Systemen und Materialien zur Sanierung von Schächten, Bauwerken und begehbaren Abwasserkanälen mit zementgebundenen Baustoffen zu nennen. Durch die Beteiligung dieser Firmen wird die Wissensvermittlung für den Alltag auf der Baustelle nochmals auf ein höheres Niveau gehoben.

Qualitätssicherung als oberstes Ziel
Ein zentraler Aspekt jeder Baumaßnahme – und damit auch dieses Lehrgangs – ist die Sicherstellung der Ausführungsqualität, der zu erzielenden Nutzungsdauer der Verfahren sowie der Arbeitssicherheit. Die Teilnehmenden lernen, wie sie die Qualität während des gesamten Sanierungsprozesses fachgerecht überwachen und sicherstellen können.
Für den Lehrgang werden keine besonderen Zulassungsvoraussetzungen gefordert, sodass eine Teilnahme unabhängig vom bisherigen beruflichen Hintergrund und der Arbeitserfahrung gewährleistet ist. Nach erfolgreicher Teilnahme und dem Bestehen der schriftlichen Abschlussprüfung erhalten die Absolventinnen und Absolventen ihr Zertifikat als „Zertifizierte Fachkraft Kanalsanierung“.

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