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Norderstedts digitaler Weg

Die Stadtentwässerung Norderstedt hat in den vergangenen Jahren einen tiefgreifenden Wandel vollzogen: vom papierbasierten Arbeiten hin zu einem vollständig digitalen Betrieb. Grundlage dieser Modernisierung ist die Kombination aus dem Kanaldatenmanager IKIS, der Reinigungssoftware IKAS Cleaner und einem digitalen Kanban-Board. Die Begleitung des Teams durch einen Arbeitstag verdeutlicht, wie sich Planung, Ausführung und Dokumentation heute zu einem geschlossenen Datenkreislauf verbinden.

Bedarfsorientierte Reinigung: Norderstedts digitaler Weg
Das Team der Stadtentwässerung Norderstedt vor dem modernen, auffällig grünen Fahrzeug- und Gerätepark. | Foto: IBAK

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Vom Kalibrierschlauch zum Werkzeug in der grabenlosen Sanierung

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Norderstedt ist eine vergleichsweise junge Stadt: Erst 1970 gegründet, lebten dort zu Beginn rund 55.000 Einwohner. Heute, im Jahr 2026, sind es bereits rund 85.000. Das stetige Wachstum verlangt nach einer leistungsfähigen Infrastruktur, insbesondere im Bereich der Abwasserentsorgung. Eine zusätzliche Besonderheit ist die Lage: Rund 75 Prozent der Stadtfläche gehören zur Wasserschutzzone III, was besonders hohe Anforderungen an den Betrieb und die Überwachung des Kanalnetzes stellt.

Das Netz umfasst mehr als 500 Kilometer an Regen- und Schmutzwasserkanälen, die teils Dimensionen bis DN 1800 erreichen. Hinzu kommen etwa 14.000 Schächte, 175 abflusslose Sammelgruben, 42 Regenrückhaltebecken, über 33.000 Hausanschlussleitungen und 41 Pumpstationen. Im Gegensatz zu vielen anderen Städten gehört das Abwassersystem der Stadt Norderstedt der Kommune. Arbeitsgrundlage des Betriebs ist ein moderner Fahrzeug- und Gerätepark, alles in auffälligem Grün gehalten. Um den täglichen Betrieb kümmern sich rund 25 Mitarbeiter. Sie alle sind auf großflächigen Fotos auf den Fahrzeugen als stolzes, eingespieltes Team in Szene gesetzt.

Digitalisierung als Schlüssel zur Modernisierung

Noch bevor die Sonne aufgeht, herrscht in der von außen ebenfalls grün glänzenden Fahrzeughalle der Stadtentwässerung bereits reges Treiben. Für die meisten beginnt der Arbeitstag weit vor sechs Uhr. Man begrüßt sich freundlich und wirft einen ersten Blick auf die Tablets, von denen jedes einem Fahrzeug zugeordnet ist.

Was früher ein Stapel aus Papierakten, Planausdrucken und handschriftliche Notizen war, die durch vereinzelte Excel-Tabellen ergänzt wurden, wird jetzt durch den Kanaldatenmanager IKIS bereitgestellt und verwaltet. Die anstehenden Einsätze erscheinen klar strukturiert auf einem Kanban-Board: reguläre Reinigungs- und Inspektionsaufträge, priorisierte Schadensmeldungen und kurzfristig eingetroffene Störungen. „Das digitale Board hat aus unserem Morgen einen Arbeitsstart ohne Reibungsverluste gemacht. Alle sehen auf einen Blick, welche Aufgaben offen sind, welche Kolonnen bereits etwas angenommen haben und wo besondere Dringlichkeit besteht. Grundlage dafür war die Einführung der IBAK-Software“, beschreibt Einsatzleiter Stefan Eckmann den Ablauf, in dem er als Führungskraft weniger steuernd eingreifend muss.

Systemarchitektur zur digitalen Erfassung, Dokumentation und Verwaltung von Kanal- und Reinigungsdaten | Foto: IBAK
Systemarchitektur zur digitalen Erfassung, Dokumentation und Verwaltung von Kanal- und Reinigungsdaten | Foto: IBAK

„Wir planen unseren Tag selbstständig“, berichtet Matthias Schwartinsky sichtlich stolz, während er sich einen Auftrag auf sein Tablet lädt. Was trivial klingt, ist Ausdruck eines Kulturwandels: weg von der zentralen Zuteilung, hin zu mehr Eigenverantwortung und situativem Entscheiden. Sofort wird für seine Kollegen auf dem digitalen Board sichtbar, dass diese „To-Do-Karte“ in Bearbeitung ist. Auch Rico Krätzschmar hat bereits seine Tagesplanung erledigt: Sinkkastenreinigungen stehen an, sofern nicht ein Notruf eintrifft, auf den sofort reagiert werden muss. Denn das Team übernimmt auch die Sielbereitschaft für 24 Stunden an 365 Tagen.

Von starren Intervallen zur bedarfsorientierten Reinigung

Über viele Jahre hinweg erfolgte die Reinigung des Kanalnetzes nach starren Intervallen. Unabhängig davon, ob ein Abschnitt tatsächlich verschmutzt war, wurden feste Touren abgearbeitet. „Das Verfahren war zwar einfach zu organisieren, aber weder ökologisch noch wirtschaftlich sinnvoll“, erläutert Eckmann.

Mit der Einführung einer bedarfsorientierten Reinigung hat Norderstedt einen wichtigen Schritt getan. Grundlage dafür sind moderne Inspektionsverfahren, digitale Datengrundlagen und eine Priorisierung nach hydraulischer Bedeutung und Gefährdungspotenzial. „Wir reinigen nicht mehr nach Kalender, sondern nach tatsächlichem Bedarf. Das macht uns schneller, effizienter und sicherer“, führt Eckmann weiter aus.

Über das Tablet im Fahrzeug ruft der Fahrer Tourdaten, Lagedaten der Sinkkästen und technische Hinweise in Echtzeit ab und dokumentiert seine Arbeit digital. | Foto: IBAK
Über das Tablet im Fahrzeug ruft der Fahrer Tourdaten, Lagedaten der Sinkkästen und technische Hinweise in Echtzeit ab und dokumentiert seine Arbeit digital. | Foto: IBAK
Zusätzlich zum Kanalkataster wurde ein Kataster für Sinkkästen eingerichtet, wodurch auch für diese eine bedarfsorientierte Reinigung möglich ist. Die 15.000 Sinkkästen im Stadtgebiet werden je nach Bewertung drei bis sechs Mal jährlich überprüft und gereinigt. Krätzschmar ist bereits mit dem Fahrzeug für die Sinkkastenreinigung unterwegs. Es ist genau auf die Anforderungen des Arbeitsalltags ausgelegt: Das auf der rechten Seite befindliche Lenkrad ermöglicht ihm einen sicheren und schnellen Ausstieg zur Gehwegseite. Direkt neben dem Fahrersitz ist ein stabil montiertes Gestell für das Tablet angebracht, über das er die genaue Lage der Sinkkästen, Tourdaten und technische Hinweise in Echtzeit abrufen und dokumentieren kann. Mit Blick aus dem Seitenfenster positioniert Krätzschmar den seitlichen Hebemechanismus des Fahrzeugs direkt am Sinkkasten. Innerhalb weniger Minuten ist der erste von 120 geplanten Sinkkästen freigeräumt und digital dokumentiert. „Wir verlieren keine Zeit mehr mit Nacharbeit. Was ich hier mache, ist Sekunden später im System sichtbar“, erklärt Krätzschmar, der das Setzen des digitalen grünen Häkchens auch als Motivationsschub für sich selbst wahrnimmt.

Der Weg in die Digitalisierung wurde systematisch als Projekt in mehreren Schritten angegangen. Strategischer Kopf des Vorhabens und umsetzungsstarker Kommunikator war und ist Einsatzleiter Stefan Eckmann. Nach der politischen Entscheidung und der Bereitstellung der Haushaltsmittel folgten Ausschreibung, Beschaffung und Einführung der Basissoftware IKIS, der Kanaldatenmanager. Schulungen für Ingenieure und Inspekteure legten die Grundlage. Anschließend wurde das System kontinuierlich ausgebaut – von Sinkkästen über Mulden bis hin zu Durchlässen und Entwässerungsrinnen. Parallel dazu liefen die operativen Arbeiten weiter, was die Belastung für alle Beteiligten erhöhte.

„Die Digitalisierung im laufenden Betrieb einzuführen, war für uns eine der größten Herausforderungen. Man braucht Geduld, Überzeugungskraft und die Bereitschaft, auch Rückschläge auszuhalten. Aber heute können wir sagen: Es hat sich gelohnt“, so Eckmann. Der digitale Wandel wurde konsequent umgesetzt: Die Mitarbeiter arbeiten im Außeneinsatz mit Tablets und Cloudanbindung; für Nacharbeiten und Auswertungen in ruhiger Büroumgebung stehen Shared-Desk-Arbeitsplätze zur Verfügung.

Stefan Eckmann teilt die Erfahrungen der Stadtentwässerung Norderstedt aus der digitalen Transformation und trägt damit dazu bei, praxisnahe Lösungen für ähnliche Herausforderungen aufzuzeigen. | Foto: IBAK
Stefan Eckmann teilt die Erfahrungen der Stadtentwässerung Norderstedt aus der digitalen Transformation und trägt damit dazu bei, praxisnahe Lösungen für ähnliche Herausforderungen aufzuzeigen. | Foto: IBAK

IKAS Cleaner – Schnittstelle zwischen Büro und Fuhrpark

Eine besondere Rolle in dieser Entwicklung spielt die Software IKAS Cleaner. Sie bildet das digitale Bindeglied zwischen Büro und Reinigungs- und Inspektionsfahrzeugen, wie an diesem Tag eindrücklich deutlich wird.

Lars Poggensee und Torben Erbstößer sind mit einem Spülwagen unterwegs. Anlass ist ein am Vortag festgestellter Rohrbruch. Ein Bürger hatte über die Hotline angerufen, nachdem sich in seiner Straße während der Nacht Wasser gestaut hatte. Dass ein solcher Hinweis binnen Minuten in ein digitales Einsatzpaket übersetzt wird, ist im heutigen Betrieb selbstverständlich. Der betroffene Abschnitt war gestern bereits gespült und inspiziert worden, doch die Daten legten nahe, dass Sedimente weiter in angrenzende Haltungen transportiert worden sein könnten.

Auf dem Weg zum Einsatzort sieht Poggensee auf dem Tablet die Stammdaten der angrenzenden Haltungen ein. Reinigungsvermerke aus vergangenen Maßnahmen sowie Auffälligkeiten früherer Inspektionen sind ebenfalls dort hinterlegt. Beim Spülen bestätigt sich die Vermutung: Große Mengen Sand werden ausgespült, gefolgt von feinen Steinchen und schließlich Scherben. Letztere sind ein kritischer Hinweis auf Materialschäden. „Wenn wir Scherben ziehen, wissen wir, dass wir sofort Klarheit brauchen“, erläutert Poggensee, der auf dem Tablet unmittelbar den Auftrag für seinen Kollegen Marcus Ketelsen auslöst. Die Dokumentation erfolgt ohne umständliche Texteingaben, sondern über Auswahlboxen und Drop-down-Menüs. Der Arbeitsfortschritt wird in der Netzdarstellung sichtbar, und die Daten fließen unmittelbar zurück in den Kanaldatenmanager IKIS. „Die Technik erleichtert uns nicht nur die Arbeit. Sie macht sichtbar, was wir leisten. Das motiviert ungemein“, schildert Poggensee.

Auf den Tablets der Fahrzeuge sind alle relevanten Informationen hinterlegt: die Stammdaten der Haltungen, die zulässigen Drücke und Hinweise für den Fahrer aus vergangenen Maßnahmen. | Foto: IBAK
Auf den Tablets der Fahrzeuge sind alle relevanten Informationen hinterlegt: die Stammdaten der Haltungen, die zulässigen Drücke und Hinweise für den Fahrer aus vergangenen Maßnahmen. | Foto: IBAK

Inspekteur Ketelsen kann sehen, wann welche Haltung zuletzt gereinigt wurde. Damit wird der Abstimmungsaufwand minimiert und der Ablauf deutlich effizienter gestaltet. Heute zieht er den eben eingetroffenen Auftrag seines Kollegen Poggensee vor und inspiziert die frisch gespülte Haltung sofort. Die Bilder, die am Monitor im Bedienraum des Inspektionsfahrzeugs erscheinen, liefern rasch Gewissheit: Die angrenzenden Haltungen sind intakt; es handelt sich um weitere Scherben des am Vortrag bereits erfassten Schadens.

Mehr Effizienz, mehr Transparenz, mehr Motivation

Der heutige Tag zeigt eindrucksvoll, wie selbstverständlich der Datenkreislauf inzwischen in der Praxis funktioniert. Von der Reinigung bis zur Kamerainspektion – jeder Schritt greift technisch, fachlich und organisatorisch ineinander.

Der Nutzen geht dabei weit über die Vereinfachung der Abläufe hinaus. Mit der digitalen Dokumentation stehen valide Reinigungsdaten für Reports, Statistiken und Abrechnungen zur Verfügung. Sie ermöglichen eine präzise Nachweisführung gegenüber Aufsichtsbehörden, erleichtern die interne Steuerung und liefern die Grundlage für die kontinuierliche Optimierung der bedarfsorientierten Reinigung.

Darüber hinaus führt die Reduktion kleinteiliger Kontrollprozesse zu einer Entlastung von Führungskräften, während Mitarbeiter mehr Eigenverantwortung und Gestaltungsspielraum erleben. „Wir wollten nicht einfach eine Software einführen, sondern eine neue Arbeitskultur entwickeln. Heute erleben wir, dass unsere Kolleginnen und Kollegen selbstbewusster, eigenverantwortlicher und motivierter arbeiten“, fasst Eckmann zusammen.

Die grünen Fahrzeuge sind auffällig im Stadtbild. Die Fahrerinnen und Fahrer grüßen sich untereinander. Die hohe Identifikation mit der Arbeit ist spürbar. Die Entwicklung der Stadtentwässerung Norderstedt zeigt, dass Digitalisierung in der kommunalen Abwasserwirtschaft weit mehr ist als der Einsatz neuer Software. Sie ist ein Kulturwandel, der Arbeitsabläufe effizienter, Entscheidungen fundierter und Mitarbeiter zufriedener macht. Mit der Kombination von IKIS und IKAS Cleaner wurde ein geschlossenes, papierloses System geschaffen, das Planung, Ausführung und Dokumentation miteinander verknüpft. Bedarfsorientierte Reinigung, konsequente Datennutzung und die Einbindung aller Beteiligten führen dazu, dass die Stadt auf künftige Herausforderungen bestens vorbereitet ist.

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Quelle: IBAK

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