Netzausbau
Warum die 30-Tonnen-Klasse jetzt unentbehrlich ist

Der beschleunigte Netzausbau bei Strom- und Energietrassen erhöht den Druck auf Bauunternehmen und Fachplaner. Gefragt sind grabenlose Verfahren, die hohe Zugkräfte mit kompakter Bauweise vereinen. Praxisberichte der Bauunternehmen Wilhelm Wähler und Kuhlmann Leitungsbau zeigen, wie der Einsatz von 30-Tonnen-Bohrgeräten wie dem modernen Grundodrill 28Nplus Arbeitsabläufe vereinfacht, die Qualitätssicherung digitalisiert und die Baustellenlogistik entlastet.

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Der beschleunigte Ausbau der Großtrassen (SuedLink, SuedOstLink etc.) sowie regionaler 110-kV-Netze, Windparks und Telekommunikationstrassen treibt die Nachfrage nach grabenlosen Spülbohrverfahren massiv an. Für Tiefbauunternehmen liegt die zentrale Herausforderung darin, längere Trassenabschnitte zwischen 200 und 400 Metern sowie Rohrdurchmesser bis 650 mm wirtschaftlich zu realisieren.
Die Praxis zeigt, dass die 30-Tonnen-Klasse hier eine Schlüsselrolle einnimmt. Bennet Oddoy, Bauleiter Tief- und Rohrleitungsbau bei Wilhelm Wähler, betont den Trend: „Der Markt im Horizontalbohren entwickelt sich derzeit dahin, dass Trassen zunehmend ausgebaut werden. Bohrgeräte ab der 30-Tonnen-Klasse und darüber hinaus sind aktuell stark nachgefragt – es ist mehr als ausreichend Arbeit vorhanden.“ Aus diesem Grund hat sein Unternehmen in die 28Nplus von Tracto investiert.
Für Spezialtiefbauer geht es bei Neuanschaffungen oft um die Erweiterung des Leistungsspektrums bei Großprojekten. Jens Schnakenbeck, Bauleiter HDD bei Kuhlmann Leitungsbau, verweist auf die strategische Ausrichtung: „Speziell bei den HGÜ-Trassen Süd-Ost-Link, Süd-Link sowie künftig Nord-Link und West-Link möchten wir mitbauen.“
HDD-Bohrgerät mit 30 Tonnen Zugkraft: Kalkulation und Gestängemagazin-Logistik optimieren
Der Einsatz von Bohrgeräten wie dem Grundodrill 28Nplus mit hoher Zugkraft (280 - 300 kN) und starken Spülpumpen (650 l/min) erweitert den kalkulatorischen Spielraum von Bauunternehmen spürbar. Neben der reinen Maschinenleistung gewinnt die Logistik auf der Startbaustelle an Bedeutung.
Ein integriertes On-Board-Gestängemagazin reduziert den Rüstaufwand erheblich. Jens Schnakenbeck erklärt den Vorteil für den Bauablauf: „Die 28N ist derzeit eine der größten ‚kompakten Bohranlagen, ausgestattet mit einem „On-Board-Magazin“ mit 288 m Bohrstangen, ohne das per Hand Bohrstangen nachgelegt oder entnommen werden müssen. Das heißt bis Bohrlängen von 2.888 m wird kein zusätzliches Personal oder Gerät für diese Arbeiten benötigt.“
Auch auf die Sicherheit und Ergonomie wirkt sich das System positiv aus. Tobias Schulz, Systemführer HDD bei Kuhlmann Leitungsbau, ergänzt: „Diese Option schont mich und natürlich das Material, denn so schonend kann ich selbst kaum die Stangen verschrauben.“
Zusätzlich sorgen automatische Magazin-Rotationssysteme für eine gleichmäßige Abnutzung der einzelnen Bohrstangen. Bennet Oddoy berichtet aus der Langzeiterfahrung bei Wilhelm Wähler: „Durch die Rotation im Gestängemagazin nutzen sich die Stangen gleichmäßiger ab. Unsere erste Anlage dieser Klasse läuft seit fünf bis sechs Jahren immer noch mit dem ursprünglichen Gestängesatz, während vergleichbare Systeme oft schon nach zwei bis drei Jahren höheren Verschleiß aufweisen.“
Leistungsparameter | Relevanz für die Projektpraxis |
|---|---|
Zugkraft (280 kN) | Ermöglicht Aufweitdurchmesser bis 800/900 mm und lange Rohreinzugsstrecken. |
Spülleistung (650 l/min) | Deckt Standardbohrungen ab; bei Extremdurchmessern sind externe Zusatzpumpen nötig. |
Magazinkapazität (288 m) | Reduziert Personalaufwand und Nebenzeiten auf der Startbaustelle. |
Gestängelänge (3 m) | Erlaubt engere Biegeradien bei komplexen Trassenverläufen im Baugrund. |
Kabelgeführtes Bohren mit Wire-Line: Präzision bei kritischen Infrastrukturen
Bei Querungen von Bahntrassen, Autobahnen oder bei Baugrundstörungen durch Fremdleitungen und Elektromagnetismus (z.B. nahe Umspannwerken oder Windenergieanlagen) stoßen kabellose Walkover-Ortungssysteme an Grenzen. Hier bietet das kabelgeführte Bohren (Wire-Line-Verfahren) die geforderte Ausführungssicherheit.
Das Signal wird dabei über ein durch das Gestänge gezogenes Kabel direkt an den Messplatz übertragen. Jens Schnakenbeck bestätigt: „Bei Störfeldern im Boden oder elektromagnetischer Strahlung ist die kabelgeführte Ortung oft die einzige Alternative, um eine präzise Lagekontrolle zu erzielen.“

Lars von Doehlen, Technischer Leiter Tief- und Rohrleitungsbau bei Wilhelm Wähler, sieht im Wire-Line-Equipment auch eine betriebswirtschaftliche Komponente: „Solche Bohrungen sind aufwendiger und entsprechend höher vergütet. Nicht jedes Unternehmen übernimmt diese Projekte, da das Equipment kostenintensiv ist und spezialisiertes Vermessungspersonal erfordert.“
Automatische Bohrdatenerfassung nach DVGW: Digitaler Transfer zum technischen Büro
Die lückenlose Qualitätssicherung gewinnt bei Auftraggebern wie Netzbetreibern, Wasserverbänden und Kommunen zunehmend an Gewicht. Parameter wie Spülungsdruck, Zugkraft, Drehmoment und Vortriebsgeschwindigkeit werden während des Spülbohrverfahrens automatisiert erfasst.
Bennet Oddoy erläutert die Umsetzung in der Praxis: „Für viele Auftraggeber reichen die Borddaten aus, die direkt vom Bohrgerät bereitgestellt werden. Die Aufbereitung erfolgt intern, sodass sie im Nachgang den Bauleitern zur Verfügung stehen.“
Neben der rein rechtlichen Absicherung beschleunigt der digitale Datenfluss die kaufmännischen Prozesse. Jens Schnakenbeck hebt hervor: „Vor allem erreichen wir dadurch einen schnelleren Transfer zum technischen Büro, wo wir die Leistungen sofort erfassen und abrechnen können.“
Maschinensteuerung und Ergonomie: Vollautomatik versus manuelle Kontrolle
Auf moderne Steuerungssysteme blicken Bediener und Bauleiter differenziert. Während Automatikfunktionen beim Aufweiten des Bohrlochs und beim Rohreinzug für Entlastung sorgen, bleibt die Pilotbohrung Domäne erfahrener Maschinisten.
HDD-Systemführer Tobias Schulz beschreibt seine Vorgehensweise: „Die Pilotbohrung mache ich immer manuell, das muss mit Gefühl gemacht werden. Die Aufweitungen fahre ich teilautomatisch, um jederzeit nachjustieren zu können.“ Bei wechselnden Geologien – wie dem Übergang von Sand zu Lehm oder Fels – sei das direkte Eingreifen unverzichtbar, um die Parameter vor Erreichen der Leistungsgrenze zu optimieren.
Technische Spezifikationen und Grenzen im Feldeinsatz
Auch in der 30-Tonnen-Klasse setzen Physik und Baugrund Grenzen. Bei Aufweitdurchmessern bis zu 900 mm reicht das integrierte Widerlager der Ankerbohrer oft nicht mehr aus. In solchen Fällen müssen externe Widerlager, etwa in Form von eingebrachten Spundbohlen, die Zugkräfte abfangen.
Zudem erfordert der Betrieb abgasarmer Stage-V-Motoren ein angepasstes Verbrauchscontrolling. Während die Motorentechnik im Teillastbereich sparsam arbeitet, steigt der Kraftstoffbedarf in extremen Bodenklassen rasch an. Der Einsatz emissionsarmer Technik dient Unternehmen dabei zunehmend als Nachweis bei Ausschreibungen in sensiblen Natur- und Wasserschutzgebieten.
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