Geomar Kiel saniert
Sanierung mit innovativer Gebäudeschutzrinne

Bei der Sanierung des Gebäudes 8A auf dem Gelände des Geomar Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel machten flächige Feuchteschäden im Bereich der zur Kantine gehörenden Fassadenfußpunkte zusätzliche Eingriffe in den Baukörper erforderlich. Dabei wurde erstmals eine neu entwickelte Gebäudeschutzrinne eingesetzt, die den konstruktiven Feuchteschutz bei zu tief gegründeten, nicht unterkellerten Gebäuden deutlich vereinfacht und eine wirtschaftliche Alternative zu klassischen Drän- und Entwässerungsgräben darstellt.
Auf dem Geomar-Gelände wird seit 2025 das Gebäude 8A umfassend saniert. „Im Zuge der Maßnahme entstehen unter anderem eine neue Großküche mit Lagerräumen, ein moderner Speisesaal sowie neue Personalräume für die zukünftigen Mitarbeiter“, sagt Susanne Vietheer, Verwaltung Technische Dienste, Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel.

„Ziel der Sanierung ist es, das Gebäude technisch, funktional und bauphysikalisch auf einen zeitgemäßen Stand zu bringen.“ Die Sanierung erfolgt nahezu bis auf Rohbauniveau. Sämtliche Bodenbeläge wurden entfernt, die Rohsohle freigelegt und der komplette Bodenaufbau einschließlich Abdichtung auf der Stahlbetonbodenplatte erneuert.

Parallel dazu werden neue Lüftungs- und Klimakanäle sowie die gesamte Elektrotechnik installiert. Die bestehenden Fensteranlagen blieben erhalten, wurden jedoch im unteren Anschlussbereich abdichtungstechnisch überarbeitet. Ein zentraler Bestandteil der Maßnahme war die Neugestaltung des bodennahen Fassadenanschlusses inklusive Entwässerung.

Das nicht unterkellerte Gebäude ist vergleichsweise tief gegründet, während der Bemessungswasserstand auf Höhe der Geländeoberkante liegt. Diese Konstellation begünstigt Feuchtebelastungen im Bereich der Bodenplatte und der Fassadenfußpunkte – ein Problem, das durch die Zunahme von Starkregenereignissen in den vergangenen Jahren weiter verschärft wurde. „Im Zuge des vollständigen Rückbaus der Bodenaufbauten zeigte sich, dass es sich nicht um einen lokalen Schaden im Küchenbereich handelte, sondern um einen flächigen Feuchteschaden entlang beider Fensterfassaden“, so Vietheer weiter.
Feuchteschaden am Fundament: Kein Einzelfall
„Feuchteprobleme an nicht unterkellerten Bestandsgebäuden sind kein Einzelfall“, weiß Henrik-Horst Wetzel, Sachverständiger für Schäden an Gebäuden, Laboe. „Es kommt dazu, wenn sich der Bemessungswasserstand auf der Höhe der Geländeoberkante befindet und diese Gebäude dann zu tief gegründet sind.“

Um zu tief gegründete, nicht unterkellerte Gebäude vor zu hoher Wassereinwirkung zu schützen, entwickelte Wetzel den so genannten Drängraben. Dieser Drängraben wurde im Jahr 2008 zum ersten Mal bei einem großen Schulgebäude realisiert und seither bei einer Vielzahl unterschiedlichster Gebäude mit großem Erfolg nachgerüstet. In der Folgezeit wurde dann aufgrund behördlicher Zwänge aus einem 50 cm breiten Drängraben ein ebenfalls 50 cm breiter Entwässerungsgraben.

„Beide Gräben sind allerdings auf Beton-Winkelstützelemente und auf ebenfalls 50 cm breite Gitterrostabdeckungen angewiesen“, so Wetzel weiter, der darauf hinweist, dass klassische Lösungen wie Drängräben oder Entwässerungsgräben sich zwar bewährt haben, jedoch mit erheblichem baulichem und finanziellem Aufwand verbunden sind.
Die neue Gebäudeschutzrinne als Systemlösung
Vor diesem Hintergrund entstand die Idee der so genannten Gebäudeschutzrinne: Ein Bauprodukt, das neben dem konstruktiven Feuchteschutz auch dazu führt, die Wassereinwirkung auf das Gebäude zu reduzieren. Zwischen der ersten Idee und der Umsetzung auf der Baustelle in Kiel lagen lediglich anderthalb Jahre – möglich gemacht durch die Zusammenarbeit des innovationsfreudigen Herstellers Funke Industrie, ein Geschäftsbreich der Funke Kunststoffe GmbH, Hamm, eines aufgeschlossenen Bauherrn und eines planungsseitig mutigen Architektenteams von Kuperarchitekten PartGmbB, Kiel.

Fassadenentwässerung an Fenstern und Türen
Für den Bereich der gegenüber der Fassade zurückspringenden Tür- und Fensternischen steht eine 15 cm hohe Funke Nebenrinne zu Verfügung. Diese wird in zwei Ausführungen angeboten. Die einteilige Standardausführung verfügt über eine feste Breite von 12 cm. Die zweiteilige Sonderausführung ist dagegen in der Breite verstellbar. Beide Funke Nebenrinnen werden seitlich an der Funke Gebäudeschutzrinne befestigt. Auch die Entwässerung der Nebenrinnen erfolgt über die Gebäudeschutzrinne. Beide Rinnen sind so konzipiert, dass es fassadenseitig bzw. auf der Seite der Türen und bodentiefen Fenster zu keinem Wasseraufstau kommen kann. Dazu sind die fassadenseitigen Wandungen mit Entwässerungsöffnungen versehen, die mit einem Geotextil abgedeckt sind.
Einbau der Entwässerungsrinne in der Praxis
Nach dem Aushub des Grabens wurde ein Planum hergestellt und mit 5 bis 8 cm Magerbeton versehen. Darauf erfolgte das exakte Setzen und Ausrichten der Rinne entlang der Glasfassade. „Auf der Außenseite wurde eine Rückenstütze aus Magerbeton angearbeitet, um die Lage dauerhaft zu sichern“, beschreibt Bauleiter Heiko Wiegele, Hochbau, Flenker Bau GmbH, Schwentinental den weiteren Einbau. „Der Spalt zwischen Fassade und Rinne wurde mit einem gewaschenen, fein gekörnten Basalt-Quarz-Splitt verfüllt, der sich in Versuchen als optimal erwies. Anschließend erfolgte der lagenweise Aufbau bis auf Pflasterhöhe.“ Die Rinne selbst wurde ohne Gefälle eingebaut, mittig entwässert sie über einen Ablauf in den vorhandenen Regenwasserkanal oder frei. Aufgrund unterschiedlicher Fassadenkonstruktionen kamen zwei Rinnenvarianten mit 43 cm und 49,5 cm Bauhöhe zum Einsatz. Bauleiter Wiegele zeigt sich überzeugt: „Die Rinne wirkt sehr stabil, ist maßgenau gefertigt und lässt sich gut händisch verarbeiten. Der Einbau ist klar strukturiert und problemlos umsetzbar. Eine Alternative wie eine Winkelstützwand mit tieferliegendem Graben wäre hier aufgrund der Nutzung der Terrassenfläche nicht praktikabel gewesen.“

Die Sanierung der Kantine des Gebäudes 8A zeigt exemplarisch, wie sich komplexe Feuchteprobleme an Bestandsgebäuden mit innovativen Lösungen effizient beheben lassen. Die Funke Gebäudeschutzrinne vereint Feuchteschutz, einfache Verarbeitung und wirtschaftliche Vorteile in einem System. Als Pilotprojekt lieferte die Maßnahme wertvolle Erkenntnisse, die bereits in die Weiterentwicklung des Produkts eingeflossen sind.
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Quelle: Funke Industrie
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