Gebrauchte Baumaschinen
TradeAnyMachine: Digitaler Handel ohne Zwischenhändler

Das Start-up TradeAnyMachine verspricht Bauunternehmen einen profitableren Verkauf gebrauchter Maschinen. Die Plattform vernetzt Verkäufer direkt mit Käufern, auch international. Wie die Händler-Ausgründung den Markt verändern will, erklärt Gründer Maurice Frenken im Interview.
Der Handel mit gebrauchten Baumaschinen ist in weiten Teilen noch von Intransparenz und analogen Prozessen geprägt. Bauunternehmen verlieren beim Verkauf über traditionelle Zwischenhändler häufig einen relevanten Teil des potenziellen Marktpreises. Bis zu 30 Prozent des möglichen Verkaufspreises können durch Zwischenhändlermargen auf der Strecke bleiben, rechnet TradeAnyMachine vor. Die Gründer des Start-ups, Nils Jacoby, Tim Frenken und Maurice Frenken, haben deshalb eine digitale End-to-End-Lösung entwickelt, die den globalen Handel für Bauunternehmen vereinfachen und profitabler gestalten soll.
Gebrauchtmaschinen per App verkaufen: So funktioniert TradeAnyMachine
Der Prozess gliedert sich in vier Schritte: Zunächst bewerten Verkäufer ihre Maschine über die App "SellAnyMachine" und stecken einen realistischen Preisrahmen ab. Anschließend geht die Maschine mit einem erstellten Auktionsgutachten auf dem Portal "BuyAnyMachine" in ein internationales Käufernetzwerk.
Beim Verkauf tritt TradeAnyMachine als Vertragspartner auf. Das Unternehmen übernimmt die komplette internationale kaufmännische Abwicklung, inklusive Bonitätsprüfung, Ausfuhrnachweisen und Zoll-Thematiken. Der Verkäufer entscheidet sich am Ende für das beste Gebot. Für das abgebende Bauunternehmen ist der Service kostenfrei; der Käufer trägt eine Gebühr von vier Prozent.
Für Bauunternehmen entfällt durch dieses Modell der übliche Aufwand für Preisverhandlungen, Exportformalitäten und Logistik. Die direkte Vermarktung an ein internationales Publikum steigert zudem die Wahrscheinlichkeit, den bestmöglichen Marktwert für die Gebrauchtmaschine zu erzielen.
Im Gespräch mit Maurice Frenken, Co-Gründer von TradeAnyMachine

bau.bi: Herr Frenken, TradeAnyMachine ist eine Ausgründung eines etablierten Baumaschinenhändlers. Erzählen Sie uns mehr zu diesem Hintergrund?
Maurice Frenken: Mit Frenken sind wir bereits seit 1992 im Baumaschinenhandel aktiv. Während meines Studiums an der WHU bin ich auf die digitalen Geschäftsmodelle von Auto1 und SellAnyCar aufmerksam geworden, deren Gründer ebenfalls dort studiert haben. Diese Logik aus dem Automobilhandel habe ich mit unserem jahrzehntelangen Wissen aus dem Baumaschinenhandel verknüpft. So ist TradeAnyMachine entstanden – als konsequente digitale Weiterentwicklung unseres traditionellen Handelsgeschäfts.
Digital einen größeren Käuferkreis erreichen
bau.bi: Welche konkreten Probleme aus Ihrem bisherigen Händleralltag haben Ihnen gezeigt, dass der Markt eine solche digitale Plattform braucht?
Maurice Frenken: Der wunde Punkt war für viele Verkäufer immer die Reichweite. Beim Verkauf erreichte eine Maschine bislang oft nur einen begrenzten, regionalen Käuferkreis. Das volle internationale Nachfragepotenzial blieb dadurch häufig ungenutzt – und damit auch ein möglicher Preisvorteil. Hinzu kommt, dass der Markt strukturell bis heute ineffizient organisiert ist. Er ist erstens intransparent, zweitens laufen viele Prozesse noch weitgehend analog und drittens ist der Markt international stark fragmentiert. Über unsere Plattform erhalten Verkäufer ohne Mehraufwand direkten Zugang zu einem internationalen Käufernetzwerk, das es vorher in dieser Form nicht gab. Mehr Nachfrage bedeutet mehr Liquidität und am Ende einen besseren Preis.
Verkaufsprozess aus dem klassischen Handel abgebildet
bau.bi: Baumaschinenkauf ist Vertrauenssache. Inwiefern hilft Ihnen Ihre Erfahrung aus dem klassischen Handel dabei, digitale Prozesse vertrauensvoll zu gestalten?
Maurice Frenken: Vertrauen entsteht im Baumaschinenhandel an ganz konkreten Stellen: Stimmt der Zustand der Maschine wirklich mit der Beschreibung überein? Kommt das Geld sicher an? Klappt der Transport? Aus über 30 Jahren Handel kennen wir diese Sorgen von beiden Seiten. Genau dieses Wissen fließt in unsere digitalen Prozesse ein. Wir bilden die Schritte ab, die wir im klassischen Handel ohnehin durchlaufen: standardisierte Zustandsbewertung, eine abgesicherte Zahlungsabwicklung und eine begleitete Logistik. Wir digitalisieren also keinen Prozess am Reißbrett, sondern den, den wir selbst seit Jahren leben. Das schafft Vertrauen, weil der Kunde merkt, dass hinter der Plattform Menschen mit echter Handelserfahrung stehen.
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Was TradeAnyMachine besser macht als andere
bau.bi: Der Markt für gebrauchte Baumaschinen wird von großen, etablierten Portalen dominiert. Wo genau schließt TradeAnyMachine eine Lücke, die diese Plattformen bisher offenlassen?
Maurice Frenken: Der Markt ist heute stark fragmentiert: Jeder Anbieter deckt nur einen Teil der Wertschöpfungskette ab. Anzeigenportale bringen zwar Reichweite, lassen den Verkäufer bei Abwicklung, Transaktionssicherheit und Logistik aber weitgehend allein. Online-Auktionshäuser bieten Reichweite und teils Abwicklung, dafür fehlt es an Geschwindigkeit, Planbarkeit und Datentransparenz. TradeAnyMachine verbindet genau diese Stärken: Wir bringen das Vertrauen und die Sorgfalt des klassischen Handels in eine digitale, international skalierbare Plattform und bilden die gesamte Kette aus einer Hand ab – von der Reichweite über Geschwindigkeit, Transaktionssicherheit und Abwicklung bis hin zu Planbarkeit und datenbasierten Insights.
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