Die Asphaltbranche steht vor erheblichen wirtschaftlichen Herausforderungen
Steigende Energie- und Rohstoffpreise, Fachkräftemangel, Klimaschutz und neue Regelwerke setzen die Asphaltbranche unter erheblichen Druck. Im Interview mit Bernd Hinrichs spricht André Täube, Geschäftsführer des Deutschen Asphaltverbands (DAV), über wirtschaftliche Herausforderungen, technologische Entwicklungen und die strategische Ausrichtung der Branche – auch mit Blick auf die Deutschen Asphalttage 2026 in Berchtesgaden.

Welche aktuellen Herausforderungen sehen Sie für die Asphaltbranche im Kontext steigender Energie- und Rohstoffpreise?

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André Täube: Die Asphaltbranche steht vor erheblichen wirtschaftlichen Herausforderungen. Insbesondere die stark gestiegenen Energiepreise sowie die Volatilität der Bitumenpreise wirken sich unmittelbar auf die Produktionskosten aus. Diese Entwicklungen erschweren die Kalkulation und reduzieren die Planungssicherheit für die Unternehmen deutlich. Gleichzeitig spüren viele Betriebe den zunehmenden Margendruck, insbesondere der Mittelstand. Vor diesem Hintergrund gewinnen energieeffiziente Produktionsprozesse, alternative Energieträger und verlässliche Rahmenbedingungen weiter an Bedeutung.
Wie wirkt sich der Fachkräftemangel inzwischen konkret auf Asphaltmischwerke und Bauprojekte aus?
Täube: Der Fachkräftemangel ist in der Asphaltbranche klar spürbar. In Asphaltmischwerken fehlen zum Teil Fachkräfte, beispielsweise für den Betrieb oder die Qualitätssicherung. Auch auf den Baustellen führt der Personalmangel zunehmend zu Engpässen, etwa durch eingeschränkte Arbeitszeiten oder Verzögerungen im Bauablauf. Um dem entgegenzuwirken, investieren die Unternehmen verstärkt in Aus- und Weiterbildung, setzen auf Quereinsteiger und prüfen verstärkt den Einsatz automatisierter und digitaler Lösungen. Auch der DAV unterstützt den Kampf gegen den Fachkräftemangel, beispielsweise mit Weiterbildungsangeboten der Asphalt Akademie und dem weiterbildenden Studium Asphalttechnik. Die langfristige Sicherung von Fachkräften ist eine der zentralen Aufgaben der Branche.
Welche technischen und materiellen Hürden bestehen derzeit bei der breiteren Anwendung Temperaturabgesenkter Asphalte?
Täube: Temperaturabgesenkter Asphalt hat sich in der Anwendung bereits technisch bewährt und zahlreiche Vorteile wie beispielsweise einem geringen Primärenergiebedarf oder eine reduzierte thermische Beanspruchung des Bindemittels. Dennoch bestehen weiterhin Hürden für eine flächendeckende Anwendung. Dazu zählen unterschiedliche Wissens- und Erfahrungsstände und Akzeptanzniveaus bei Auftraggebern, Bauüberwachung und Ausführung. Zudem fehlt es noch an einheitlichen und klaren Regelungen, was zu Unsicherheiten in der Praxis führt. Das neue Technische Regelwerk, dessen Einführung wir dieses Jahr erwarten, wird hier die benötigte Klarheit schaffen. Zudem erfordern Temperaturabgesenkte Verfahren stabile Prozesse im Mischwerk sowie entsprechend geschultes Personal am Werk und beim Einbau. Der DAV arbeitet intensiv daran, diese Hemmnisse weiter abzubauen und die Akzeptanz der Verfahren zur Temperaturabsenkung zu stärken.
Wie weit ist die Branche bei der Umsetzung von CO₂-Reduktionszielen entlang der Prozesskette – von der Produktion bis zum Einbau?
Täube: Die Asphaltbranche hat in den vergangenen Jahren bereits wichtige Fortschritte bei der Reduzierung von CO₂-Emissionen erzielt. Dazu zählen Effizienzsteigerungen in den Mischwerken, der verstärkte Einsatz von Temperaturabgesenktem Asphalt sowie Optimierungen in Logistik und Transport. Auch der Bezug von Strom aus erneuerbaren Energien und der Einsatz alternativer Brennstoffe gewinnen an Bedeutung. Gleichzeitig ist klar, dass weitere substanzielle Emissionsminderungen nur im engen Zusammenspiel mit Auftraggebern, Gesetzgebern und der Energiewirtschaft möglich sind. Klimaschutz ist eine gemeinsame Aufgabe entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Welche Rolle spielt die Wiederverwendung von Asphaltmischgut, und wo liegen noch die größten Hemmnisse für eine stärkere Verwendung?
Täube: Asphalt zählt bereits heute zu den Baumaterialien mit der höchsten Wiederverwendungsrate. Ausbauasphalt und daraus gewonnenes Asphaltgranulat werden – abhängig von Schichtart und technischen Anforderungen – in erheblichem Umfang im Asphaltmischgut eingesetzt. Auch die aktuelle rechtliche Einordnung unterstützt eine stärkere Wiederverwendung von Ausbauasphalt. Die jüngste Klarstellung im Rahmen der LAGA-Vollzugshilfen zur Ersatzbaustoffverordnung (EBV) bestätigt, dass Asphaltmischgut nicht in den Anwendungsbereich der EBV fällt – unabhängig davon, ob Ausbauasphalt oder andere Sekundärbaustoffe enthalten sind.
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Hemmnisse bestehen weiterhin in uneinheitlichen Vorgaben der Auftraggeber sowie in teilweise restriktiven Ausschreibungsbedingungen. Zudem ist die durchgängige Sicherstellung einer gleichbleibenden Qualität des Asphaltgranulats über die gesamte Prozesskette von zentraler Bedeutung. Vor diesem Hintergrund hat der DAV gemeinsam mit weiteren Branchenvertretern die Gründung der RAL-Gütegemeinschaft Aufbereitung und Lagerung von Ausbauasphalt e.V. initiiert und ist in deren Fachbeirat vertreten. Mit transparenten Güte- und Prüfanforderungen kann die Qualitätssicherung weiterentwickelt und die Akzeptanz bei Auftraggebern und Anwendern gestärkt werden.
Welche Branchenthemen und Diskussionen stehen bei den Deutschen Asphalttagen 2026 in Berchtesgaden im Fokus?
Welche Impulse erhoffen Sie sich persönlich von den Deutschen Asphalttagen in Berchtesgaden für die strategische Ausrichtung des Deutschen Asphaltverbands?
Täube: Ich erhoffe mir vor allem einen intensiven fachlichen Austausch und ein gemeinsames Verständnis für die Transformationsaufgaben unserer Branche. Wichtige Impulse erwarte ich insbesondere für eine realistische, technisch fundierte und wirtschaftlich tragfähige Klimastrategie. Die Deutschen Asphalttage sollen darüber hinaus den Dialog zwischen allen Branchenvertretern stärken, Asphalt als leistungsfähigen und nachhaltigen Baustoff klar positionieren und unser gemeinsames Ziel unterstreichen: den Aufbau und Erhalt einer zuverlässigen Infrastruktur für Deutschland. Der Leitsatz der Veranstaltung „Treffen. Reden. Entscheiden.“ ist bewusst gewählt und wörtlich zu verstehen.
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