Wenn der Strand zum Stadion wird
Timmendorfer Strand, rund 15 Kilometer nördlich von Lübeck, ist im Sommer nicht nur Badeort, sondern auch Hochleistungsbaustelle: Für die Deutschen Beachvolleyball-Meisterschaften und das anschließende Open-Air-Event „Stars am Strand“ entsteht Jahr für Jahr eine temporäre Arena direkt am Spülsaum. Enge Zeitpläne treffen dabei auf klare Vorgaben von Küsten- und Naturschutz. 2025 sorgten in den Spülsaum gerammte Träger und Platten eines temporären Verbausystems dafür, dass der eigens aufgeschüttete Sand nicht vom Meerwasser abgetragen wurde.

Die Konstruktion misst rund 83 Meter in der Länge und 39 Meter in der Breite. Zwei Innenraum-Eingänge und acht Tribünenaufgänge führen zu mehreren tausend Plätzen für Sport- und Musikveranstaltungen. Laut Veranstalter startet die Detailplanung Monate vorher, rund 180 Beteiligte koordinieren Aufbau und Ablauf.
Sandmanagement am Strand: 4.500 Kubikmeter nach Digitalaufmaß
Die Sandarbeiten begannen am 18. August 2025. Insgesamt wurden etwa 4.500 m³ Sand bewegt, wobei der Höhenunterschied vom Dünenfuß bis zum Spülsaum 2 bis 3 Meter betragen kann. Entscheidend ist die Präzision: Der Strand wird nicht einfach aufgeschüttet, sondern modelliert. Grundlage sind digitale Aufmaße, damit nach dem Rückbau das ursprüngliche Profil wieder exakt hergestellt werden kann.
Temporärer Küstenschutz am Spülsaum: Verbau gegen Erosion
Damit Wind, Welle und auflaufendes Ostseewasser den frisch eingebauten Sand nicht binnen kurzer Zeit abtragen, kam ein temporärer Küstenschutz-Verbau zum Einsatz. Verwendet wurden Träger und Platten eines Linearverbausystems, das sonst typischerweise im Tief- und Ingenieurbau zur Sicherung von Baugruben eingesetzt wird.
Einbau unter Wetterfenster: Filtervlies verhindert Ausspülung
Die Elemente wurden bis etwa drei Wochen vor Veranstaltungsbeginn angeliefert. Ein Radlader brachte sie zur Einbaustelle, ein Bagger rammte die Träger ein. Das ist stark wetterabhängig und praktisch nur bei ablandigem Wind möglich, weil sonst zu viel Wasser auf den Strand gedrückt wird.

Insgesamt wurden 28 Träger gesetzt. Die Träger waren rund 3,50 Meter lang und etwa 1,50 Meter tief eingebunden, die Platten 2,32 Meter hoch und 3 Meter breit. Ein hinter dem Verbau angebrachtes Filtervlies verhinderte Ausspülungen selbst dann, wenn bei Starkwind Wasser über die Wand schlug. Wichtig dabei: Der Verbau diente nicht der Lastabtragung des Stadions, sondern ausschließlich dem Schutz des aufgeschütteten Sandes vor den Wellen.
Stadion-Infrastruktur und Rückbau: 280 Tonnen Material, Kilometer Leitungen
Unmittelbar nach den Sandarbeiten begann der Stadionaufbau. Dafür wurden rund 280 Tonnen Material mit sieben Lkw angeliefert. Parallel entstanden die eher unsichtbaren, aber entscheidenden Infrastrukturen: etwa 7.000 Meter Stromleitungen, 800 Meter Netzwerkleitungen sowie 1.000 Meter Wasser- und Abwasserleitungen und rund 40 Stromkästen.

Nach Ende der Veranstaltungen folgte der komplette Rückbau: Platten und Vlies wurden entfernt, die Träger gezogen und der Sand zurück Richtung Düne geschoben. Die ursprüngliche Neigung vom Dünenfuß bis zum Wasser wurde wiederhergestellt – abgestimmt mit Gemeinde sowie Küsten- und Naturschutz.
Eventbau im Küstenraum: Maximale Wirkung, minimaler Eingriff
Unterm Strich zeigt das Projekt, wie temporärer Eventbau mit hoher Wirkung und minimalem Eingriff funktionieren kann.

Der temporäre Verbau erwies sich dabei als schnelle und sichere Lösung – auch, weil er zügig einzubringen ist und in Kombination mit dem Vlies die Voraussetzungen schafft, große Sandbewegungen zuverlässig abzusichern.
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