Baumaschinen
Ersatzteile: Wie Kramp den Maschinenstillstand auf Baustellen minimieren will

Der technische Großhändler Kramp baut sein Geschäft im Bausektor strategisch aus. Im Interview erläutert Bernhard Schwietering, Field Sales Manager Nord bei Kramp Deutschland, wie das Unternehmen mit einem breiten Sortiment, einer auf Nachtlieferung ausgelegten Logistik und digitalen Services die Teileversorgung für Bau- und GaLaBau-Betriebe beschleunigen und so teure Maschinenstillstände reduzieren will.
Kramp fokussiert sich seit Mitte 2025 verstärkt auf den Baubereich. Was war der konkrete Auslöser für diesen Schritt und wie fügt sich diese Expansion in Ihre langfristige Unternehmensstrategie ein?
Bernhard Schwietering: Der verstärkte Fokus auf den Baubereich ist für Kramp ein konsequenter Schritt und keine kurzfristige Neuausrichtung. Schon seit vielen Jahren beschäftigen wir uns mit diesem Segment – erste Aktivitäten im Sourcing reichen etwa bis 2010 zurück, und in Märkten in der Schweiz sind wir seit 2018 gezielt im Bereich Construction aktiv. Dort haben wir den Markt systematisch analysiert und uns insbesondere auf Kunden mit professionellen Werkstattstrukturen konzentriert.
Ein wesentlicher Treiber ist die zunehmende Verzahnung von Landwirtschaft und Bau. Viele technische Komponenten – etwa in den Bereichen Hydraulik oder Antriebstechnik – sind sehr ähnlich, und auch unsere Kunden bedienen häufig beide Segmente. Dadurch steigt die Nachfrage nach bauspezifischen Ersatzteilen kontinuierlich.
Darüber hinaus sehen wir in angrenzenden Segmenten wie dem Garten- und Landschaftsbau zusätzliches Potenzial. Insgesamt zahlt der Ausbau des Baubereichs direkt auf unsere langfristige Strategie ein: Wir entwickeln uns vom klassischen Agrarspezialisten hin zu einem breit aufgestellten technischen Großhändler mit relevanten Lösungen für verschiedene Einsatzbereiche.
Stillstand als Super-GAU: Warum die Baustelle andere Regeln diktiert
Wo liegen aus Ihrer Sicht die fundamentalen Unterschiede zwischen den Ersatzteilbedarfen in der Landwirtschaft und denen im Baugewerbe – besonders mit Blick auf den extrem teuren Maschinenstillstand?
Schwietering: Die Anforderungen im Bau unterscheiden sich vor allem durch die deutlich höhere Auswirkung von Maschinenstillständen. Während in der Landwirtschaft Ausfälle eher noch abgefedert werden können, hat eine Baumaschine häufig eine zentrale Funktion im gesamten Arbeitsprozess – fällt sie aus, steht im Zweifel die gesamte Baustelle. Entsprechend hoch ist der Zeitdruck, und die Verfügbarkeit von Ersatzteilen wird zum entscheidenden Faktor.
Hinzu kommt, dass im Baubereich ein deutlich stärkerer Fokus auf Originalteilen liegt. Stückzahlen sind oft geringer als in der Landwirtschaft, wodurch Nachbauteile weniger verbreitet sind und auch schwieriger verfügbar sein können. Unternehmen setzen daher bewusst auf OEM‑Qualität.
Gleichzeitig gibt es auch klare Überschneidungen: In Bereichen wie Hydraulik, Antriebstechnik, Werkstattbedarf oder Motorenteilen bestehen starke Synergien, die Kramp gezielt nutzt, um beide Branchen effizient zu bedienen.
Ein Sortiment für alle: Der Spagat zwischen Großhändler und Kleinwerkstatt

Nach welchen Kriterien wählen Sie neue Bau-Komponenten aus, und wie schaffen Sie den Spagat, dass das Sortiment für den großen Baumaschinenhändler genauso attraktiv ist wie für die kleine Werkstatt?
Schwietering: Maschinen wie Radlader, Bagger oder Teleskoplader spielen sowohl für große Händler als auch für kleinere Werkstätten eine zentrale Rolle, sodass hier eine breite Nachfrage besteht.
Der Spagat zwischen unterschiedlichen Kundentypen gelingt uns vor allem über unsere Sortimentsstrategie: Wir setzen auf ein ausgewogenes Portfolio, das sowohl Standardkomponenten für den täglichen Bedarf als auch spezialisierte Teile für komplexere Anwendungen umfasst. Ziel ist es, für beide Gruppen – vom großen Baumaschinenhändler bis zur kleineren Werkstatt – ein relevanter und verlässlicher Partner zu sein. Langfristig verfolgen wir dabei den Anspruch, uns auch im Baubereich als Vollsortimenter zu positionieren und unseren Kunden eine möglichst vollständige und praxisorientierte Lösung aus einer Hand zu bieten.
Reparieren im Vorbeigehen: Wie der eShop situative Selbstschrauber unterstützt
Immer mehr Bauunternehmen reparieren selbst, oft nur situativ und ohne Vollzeit-Mechaniker. Wie adressiert Kramp die spezifischen Bedürfnisse dieser Kunden bei Preis, Tempo und Beratung?
Schwietering: Gerade für Bauunternehmen, die nur situativ selbst reparieren, ist eine einfache und schnelle Teilebeschaffung entscheidend. Über unseren eShop unterstützen wir Fachhändler und ihre Kunden mit einer intuitiven Teilesuche – von Hersteller und Maschinentyp bis hin zur konkreten Baugruppe. So können auch Anwender ohne tiefgehendes Ersatzteil-Know-how gemeinsam mit ihrem Händler schnell die passenden Komponenten identifizieren und bestellen.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Transparenz: Preise werden unmittelbar angezeigt, gleichzeitig bieten wir ein breites Sortiment inklusive Alternativen – etwa bei Filtern von Herstellern wie Mann, Donaldson oder Hengst. So können Händler ihre Kunden bedarfsgerecht beraten und zwischen Original- und Alternativprodukten wählen.
Ergänzt wird das durch unser Produkt-Know-how und eine schnelle Logistik. Viele Teile sind kurzfristig verfügbar und werden über Nacht geliefert – ein entscheidender Vorteil, um Stillstandzeiten möglichst gering zu halten und den Kunden schnell wieder einsatzbereit zu machen.
Markenfokus als Hürde? Wie Kramp Nischen für spezialisierte Händler besetzt
Welche besonderen Hürden begegnen Ihnen in der Zusammenarbeit mit spezialisierten Baumaschinenhändlern und wie reagieren Sie darauf?
Wichtiger Erfolgsfaktor ist dabei unser enger Austausch mit dem Markt. Über Außendienst, Kundenfeedback und Category Management nehmen wir gezielt Anforderungen auf und entwickeln unser Sortiment entsprechend weiter. So stellen wir sicher, dass wir genau dort unterstützen, wo Händler zusätzlichen Bedarf haben.
Reparaturzeit verkürzen: Digitale Tools und Turbo-Logistik gegen den Zeitdruck

Werkstätten im Baubereich leiden unter extremem Zeitdruck. Wie unterstützt Kramp hier konkret bei der technischen Beratung, um Reparaturfrequenzen zu verkürzen?
Schwietering: Im Baubereich ist Geschwindigkeit entscheidend – daher kombinieren wir digitale Tools, Logistik und technische Beratung. Über unseren Webshop stellen wir bereits viele relevante Informationen bereit, etwa zu technischen Details sowie Such‑ und Teilenummern, sodass Werkstätten schnell das passende Produkt identifizieren können.
Unsere Logistik ist dabei ein entscheidender Faktor: Durch ein europaweites Netzwerk mit mehreren Zentrallagern und hoher Warenverfügbarkeit können wir viele Teile kurzfristig liefern – häufig über Nacht. Dabei wird jede Bestellung möglichst aus dem nächstgelegenen Lager bedient, um Transportwege zu minimieren und die Lieferzeit weiter zu verkürzen.
Darüber hinaus investieren wir gezielt in Know-how – sowohl intern als auch bei unseren Kunden. Unsere Mitarbeiter werden kontinuierlich geschult, um das Baumaschinensegment fundiert zu betreuen. Gleichzeitig bieten wir über die Kramp Academy praxisnahe Schulungen an, etwa in den Bereichen Klimatechnik, Diagnosetechnik (z. B. mit TEXA-Systemen) sowie Kleinmotorentechnik für Baugeräte. So unterstützen wir Werkstätten und Bauunternehmen dabei, Reparaturen schneller, effizienter und fachgerecht durchzuführen und Stillstandzeiten auf ein Minimum zu reduzieren.
Asiatische Vielfalt und Elektrifizierung: Die neuen Wachstumstreiber im Ersatzteilmarkt
Wie schätzen Sie das zukünftige Wachstumspotenzial im Markt für Baumaschinen-Ersatzteile ein und welche Produktkategorien gewinnen aktuell besonders an Bedeutung?
Schwietering: Wir sehen im Markt für Baumaschinen‑Ersatzteile weiterhin ein deutliches Wachstumspotenzial, insbesondere durch strukturelle Veränderungen im Markt. Dazu zählt unter anderem die steigende Vielfalt an Herstellern – insbesondere asiatischer Anbieter, was die Anforderungen an Verfügbarkeit und Sortimentsbreite weiter erhöht.
Gleichzeitig gewinnen neue Technologien an Bedeutung. Der Elektrifizierungsgrad von Maschinen nimmt zu, was sich auch im Ersatzteilbedarf niederschlägt. Themen wie Wasserstoff beobachten wir derzeit noch genau – hier wird sich zeigen, inwieweit sich daraus künftig relevante Marktchancen entwickeln.
Ein weiterer wichtiger Wachstumstreiber ist der Bereich der Mietmaschinen: Vermieter setzen ihre Geräte projektbezogen und oft sehr intensiv ein, wodurch der Bedarf an Ersatzteilen und schnellen Serviceleistungen entsprechend hoch ist. Insgesamt entstehen daraus zusätzliche Anforderungen, aber auch klare Chancen, das Sortiment gezielt weiterzuentwickeln.
Unter Strom: Wie Kramp die Werkstätten fit für die Hochvolt-Zukunft macht
Die Baubranche steht unter Dekarbonisierungsdruck. Wie reagiert Kramp auf die zunehmende Elektrifizierung von Baumaschinen?
Schwietering: Die Elektrifizierung von Baumaschinen ist ein klarer Trend, auf den wir uns gezielt vorbereiten – sowohl im Sortiment als auch in der Qualifizierung unserer Kunden. Ein zentraler Baustein ist dabei die Weiterbildung: Über unsere Kramp Academy bieten wir gezielte Schulungen im Bereich Hochvolt‑Technik an, etwa zur Elektrofachkraft für Motorgeräte und Reinigungstechnik sowie zur Fachkundigen Person Hochvolt (FHV) in der Land- und Baumaschinentechnik. Damit unterstützen wir Werkstätten dabei, die notwendigen Voraussetzungen im Umgang mit elektrifizierten Maschinen zu erfüllen.
Parallel dazu beschäftigen wir uns intensiv mit konkreten Lösungen im Servicebereich. In unserem Service‑Center in Varsseveld entwickeln wir beispielsweise individuelle Konzepte für den Umbau und die Elektrifizierung von Maschinen. Gleichzeitig wächst der Bedarf an passender Werkstattausrüstung – von speziellen Werkzeugen bis hin zu Sicherheitskomponenten wie Isolationsmaterialien oder Schutzausrüstung, die für Arbeiten an Hochvolt-Systemen erforderlich sind.
Insgesamt sehen wir die Elektrifizierung als wichtigen Entwicklungsschritt, den wir aktiv begleiten – durch Know-how, passende Produkte und konkrete Lösungen für unsere Kunden.
Ausblick: Mehr Qualität, einfachere Prozesse und ein noch breiteres Sortiment
Was ist der nächste große Schritt? Was dürfen Kunden in den kommenden Monaten im Bereich Bau/Baumaschinen konkret von Kramp erwarten?
Schwietering: Im nächsten Schritt werden wir unser Sortiment im Baubereich gezielt weiter ausbauen – sowohl in der Tiefe als auch in der Qualität. Dabei legen wir großen Wert auf hochwertige Produkte zu attraktiven Konditionen und orientieren uns stark an den konkreten Anforderungen unserer Kunden. Gleichzeitig erweitern wir unser OE‑nahes Sortiment kontinuierlich, um die steigende Nachfrage nach Originalteilen abzudecken.
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Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Optimierung von Prozessen: Durch die Weiterentwicklung von Schnittstellen und die Integration in Warenwirtschaftssysteme vereinfachen wir Bestellabläufe, reduzieren Aufwand und schaffen mehr Transparenz in der Dokumentation. Ziel ist es, unseren Kunden die tägliche Arbeit so effizient wie möglich zu gestalten.
Darüber hinaus bauen wir unser Netzwerk und unsere Infrastruktur weiter aus – insbesondere im Bereich der Kompaktmaschinen, wo der tägliche Bedarf besonders hoch ist. Kunden dürfen sich daher auf ein noch umfassenderes Angebot, einfachere Prozesse und eine weiterhin hohe Verfügbarkeit verlassen.
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