Sany bringt seinen ersten Elektrobagger auf den europäischen Markt: Der SY19E, eine Maschine der 2-Tonnen-Klasse, kommt in marken-untypischem blau daher. | Foto: Sany Europe
Die Baumaschinenindustrie zeigt, dass viele Prozessschritte des Bauens batterie-elektrisch erfolgen können. Auf der bauma in München werden zahlreiche neue Baumaschinen mit Akku vorgestellt – zum Beispiel für die Asphaltverdichtung, die Erdbewegung und den Hochbau.
Emissionsfreies Arbeiten ist ein wichtiger Trend in der Baubranche. Um im Sinne des Klimaschutzes Treibhausgasemissionen zu reduzieren, werden immer mehr Baumaschinen und Baufahrzeuge mit elektrischem Antrieb entwickelt. Doch Elektromotoren haben noch weitere Vorteile: Sie schützen auch ihre Bedienerinnen und Bediener sowie die Umgebung vor lokalen Abgasen. So sind viele Arbeitsschritte auch an schlecht belüfteten Einsatzorten problemlos möglich. Außerdem sind sie geräuscharm und damit für Arbeiten an lärmsensiblen Orten geeignet – beispielsweise in der Nachbarschaft zu Krankenhäusern oder auf innerstädtischen Baustellen. Ein weiterer Pluspunkt: Elektromotoren gelten als wartungsarm und effizient. Damit sorgen sie für niedrige Betriebs- und Energiekosten.
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Reversierbare Vibrationsplatte mit Akku
Auch die erste akkubetriebene reversierbare Vibrationsplatte mit Direktantrieb ist unter den Neuheiten: Bei der APU3050e des Herstellers Wacker Neuson erfolgt der Fahrtrichtungswechsel über die bewährte hydraulische Verstellung wie bei konventionellen Modellen. Die Maschine mit einer Arbeitsbreite von 50 cm und einer Zentrifugalkraft von 30 kN zeichnet sich durch ihre gute Führbarkeit aus und ist durch die niedrigste Bauhöhe aller reversierbaren Vibrationsplatten auf dem Markt auch für den Einsatz in engen Gräben bestens geeignet. Nach den vorwärtslaufenden Rüttelplatten AP1840e, AP1850e und AP2560e ist die reversierbare Vibrationsplatte APU3050e die vierte batteriebetriebene Rüttelplatte von Wacker Neuson.
Akku einsetzen und losverdichten: Die elektrische Rüttelplatte AP1850e (links) bekommt bald weitere Batterie-Geschwister, verspricht Wacker Neuson. | Foto: Wacker Neuson
Emissionsfreie Asphaltverdichtung mit Elektro-Tandemwalzen
Dort, wo in noch größerem Maßstab emissionsfrei verdichtet werden soll, können künftig elektrisch angetriebene Tandemwalzen eingesetzt werden. Als Weltpremiere präsentiert die Hamm AG auf der bauma dazu acht Modelle der Serie HD CompactLine. Bei diesen kommt der Strom von einem wartungsfreien Lithium-Ionen-Akku mit einer Kapazität von rund 23 kWh. Darüber hinaus wird die beim Bremsen freigesetzte Energie der Fahr- und Vibromotoren über Rekuperation genutzt. Die Kapazität des Akkus reicht für einen ganzen Arbeitstag. Der E-Antrieb reduziert auch die Schallemissionen drastisch. Damit sind die E-Tandemwalzen geeignet für alle Bereiche, in denen besonders leise verdichtet werden soll. Weil in solchen Umgebungen oft auch eine niedrige Vibrationsbelastung gefordert ist, stellt der Verdichtungsspezialist neben E-Vibrations- und Oszillationswalzen auch eine E-Kombiwalze mit Oszillation vor.
Die ersten Elektro-Tandemwalzen von Hamm haben einen Lithium-Ionen-Akku mit rund 23 kWh Kapazität und nutzen die beim Bremsen freigesetzte Energie der Fahr- und Vibromotoren über Rekuperation. | Foto: Hamm AG
Dass Hamm nun elektrische Tandemwalzen vorstellt, ist nicht überraschend. Schon in der Vergangenheit hat der Hersteller bei diesem Maschinentyp mit alternativen Antrieben experimentiert: 2018 auf der Pariser Baumaschinenmesse Intermat stellte er, quasi als Vorstufe der Voll-Elektrifizierung, die Hybridwalze HD+ 90i PH vor. Bei ihr deckt ein Dieselmotor nur die Grundlast ab, während bei den für Walzen üblichen Lastspitzen, beispielsweise beim Anfahren der Vibration oder beim Beschleunigen, ein Hydraulikspeicher einspringt. Weil Walzen sich aufgrund ihres Lastzyklus sehr gut für diese Art der Hybridisierung eignen, entwickelte auch Bomag als Alternative zu den Diesel- und Gasmotoren in seiner Tandemwalze BW 174 AP einen hydraulischen Hybridantrieb.
Der erste Raupenkompaktlader ohne Hydrauliksystem: Bei der Konzeptmaschine Bobcat T7X werden Fahr- und Arbeitsbewegungen vollelektrisch angetrieben. | Foto: Doosan Bobcat
Vollelektrischer Kompaktlader als Konzept
Noch im Konzeptstatus ist der Bobcat T7X, der erste vollelektrische Kompaktlader der Welt. Dessen Hersteller Doosan Bobcat will die bauma dazu nutzen, um weiterhin Kundenfeedback aus verschiedenen Bereichen zu sammeln. Ziel ist es, die Marktchancen der Maschine in Europa, dem Nahen Osten und Afrika noch besser einschätzen zu können. Mit seinem 62 kWh starken Lithium-Ionen-Akkupack kann der T7X vier Stunden im Dauerbetrieb arbeiten. Seine fahrbare Nutzlast beträgt knapp 1.400 kg. Im Unterschied zu allen anderen Ladern der Welt benötigt die Innovation praktisch keine Flüssigkeiten: Bobcat hat die traditionelle hydraulische Arbeitsgruppe vollständig durch ein elektrisches Antriebssystem ersetzt, das aus elektrischen Zylindern und elektrischen Antriebsmotoren besteht. Die einzige Flüssigkeit, mit der die Maschine befüllt wird, sind rund vier Liter umweltfreundliches Kühlmittel. Der Ansatz, auf die Hydraulik ganz zu verzichten, ist für die Baumaschinenindustrie absolut revolutionär. Trotzdem arbeiten auch andere Hersteller an entsprechenden Lösungen. Zum Beispiel plant Volvo CE mit dem EX02 seinen ersten vollelektrischen Minibagger. Die Schweden wollen alle ihre kompakten Baumaschinen in Zukunft vor allem mit Elektroantrieb anbieten und die Entwicklung neuer Dieselmotoren für diese Modelle einstellen.
Sozusagen ein „alter Hase“ im Elektro-Geschäft ist dagegen der schon auf der bauma 2016 vorgestellte allradgelenkte Kramer 5055e Radlader. Sein Nachfolger soll, mutmaßlich ausgestattet mit verbesserter Akkutechnik, ebenfalls auf der bauma vorgestellt werden. Außerdem verspricht das Unternehmen als Neuheit einen E-Teleskoplader – ohne jetzt schon weitere Details zu verraten. Man kann davon ausgehen, dass noch weitere Hersteller auf der bauma mit überraschenden Neuheiten aus dem Elektro-Bereich aufwarten werden. Allein deshalb lohnt sich ein Besuch des Münchner Messegeländes im Oktober.
Nicht nur im Galabau schätzen Bauunternehmen und auch Anwohner die geräuschlose Performance des Elektro-Radladers 5055e von Kramer. | Foto: Kramer-Werke
Betonmischer mit 100 Prozent Elektroantrieb
Mit dem Fahrmischer „iONTRON eMischer“ von Putzmeister kann in Zukunft auch der Betontransport vollelektrisch vonstattengehen. Das heißt, es wird nicht nur die Mischtrommel elektrisch angetrieben, sondern auch der Fahrantrieb erfolgt batterieelektrisch. Die Batterie des Fahrzeugs hat eine Kapazität von 350 kWh. Damit reicht eine Akkuladung für fünf bis sechs Touren im urbanen Bereich – also in der Regel für einen ganzen Arbeitstag. Sind mehr Einsätze geplant, kann zwischengeladen werden. Die volle Energie holt sich der Mischer über Nacht durch die Aufladung an einer DC-Ladesäule zurück. Sein nahezu lautloser Fahrbetrieb ermöglicht einen uneingeschränkten Einsatz auch dort, wo strenge Lärmschutzauflagen gelten – ein bedeutender Wettbewerbsvorteil bei Ausschreibungen in Ballungsgebieten. Steigende Preise für fossile Brennstoffe machen den E-Antrieb zudem zu einer auch sparsamen Alternative. Deshalb entwickeln auch andere Hersteller wie zum Beispiel Volvo CE elektrische Antriebe für Fahrmischer und Bau-Lkw.
Elektrohydraulischer Mobilkranbetrieb
Das E-Pack von Tadano ist ein elektrohydraulisches System mit integriertem 32-kW-Elektromotor für einen geräuscharmen und emissionsfreien Kranbetrieb. Diese Lösung war bereits auf der letzten bauma im Jahr 2019 zu besichtigen. Allerdings war sie damals nur für ein einziges Kranfahrzeug verfügbar. In diesem Jahr zeigt Tadano auf der Weltleitmesse, dass mittlerweile fünf seiner AC-Krane mit dem E-Pack bestellt oder vorhandene Krane damit nachgerüstet werden können. Außerdem wird der japanische Hersteller eine Vorschau auf den nach eigenen Angaben weltweit ersten vollelektrischen Rough-Terrain-Kran geben. Die Maschine befindet sich derzeit in einer weit fortgeschrittenen Entwicklungsphase und soll Ende 2023 in den Markt eingeführt werden. Sie wird in der Lage sein, ausschließlich mit der von seinen Batterien gelieferten Energie zum Einsatzort und wieder zurückzufahren und dort alle Hübe durchzuführen.
Elektrische batteriebetriebene zero emission Baumaschinen auf der Messe bauma München: Weitere Bilder
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Sany bringt seinen ersten Elektrobagger auf den europäischen Markt: Der SY19E, eine Maschine der 2-Tonnen-Klasse, kommt in marken-untypischem blau daher. | Foto: Sany Europe
Akku einsetzen und losverdichten: Die elektrische Rüttelplatte AP1850e (links) bekommt bald weitere Batterie-Geschwister, verspricht Wacker Neuson. | Foto: Wacker Neuson
Nicht nur im Galabau schätzen Bauunternehmen und auch Anwohner die geräuschlose Performance des Elektro-Radladers 5055e von Kramer. | Foto: Kramer-Werke
Der erste Raupenkompaktlader ohne Hydrauliksystem: Bei der Konzeptmaschine Bobcat T7X werden Fahr- und Arbeitsbewegungen vollelektrisch angetrieben. | Foto: Doosan Bobcat
Keine Hydraulikzylinder: Das Anheben des Hubgerüsts übernehmen beim Kompaktraupenlader Bobcat T7X sogenannte elektrische Aktoren. | Foto: Doosan Bobcat
Die ersten Elektro-Tandemwalzen von Hamm haben einen Lithium-Ionen-Akku mit rund 23 kWh Kapazität und nutzen die beim Bremsen freigesetzte Energie der Fahr- und Vibromotoren über Rekuperation. | Foto: Hamm AG
Neuer Elektrobagger: Mit dem 5-Tonnen-Kurzheck ZX55U-6 EB geht Hitachi Construction Machinery Europe den nächsten Schritt in seiner Elektrifizierungsstrategie. Ende 2018 wurde dafür in einem Joint Venture mit der deutschen KTEG das European Application Center (EAC) gegründet. | Foto: HCME
Born in Büdelsdorf: Auf der Basis jahrzehntelanger Erfahrung im Radladerbau hat Mecalac den Elektro-Radlader es1000 entwickelt. | Foto: Mecalac
Kongenialer Partner für den Elektrobagger auf der zero-emission-Baustelle: Mecalacs Baustellendumper ed6 soll einen ganzen Arbeitstag mit einer Akkuladung bestreiten können. | Foto: Mecalac
Nach dem LB16 sind nun auch LB25 und LB30 "unplugged": Die akkubetriebenen Liebherr-Bohrgeräte können für alle gängigen Anwendungen im Spezialtiefbau eingesetzt werden. | Foto: Liebherr