Alles easy? „Grüne“ Stampfer im Vergleich

Null Emissionen gut und schön, aber wie verhalten sich die neuen gas- bzw. strombetriebenen Stampfermodelle von Bomag und Wacker Neuson eigentlich im Betrieb? In unserem Technikcheck vergleichen wir die Praxistauglichkeit der Marktneulinge.
Bomag ließ auf der Intermat 2015 die Katze aus dem Sack und zeigte seine Antwort auf die emissionsfreien Stampfer von Wacker Neuson. Während die Anwender bei der Verdichtungsleistung laut Bomag keine Kompromisse machen müssen, werden sie sich bei der Bedienung ein bisschen umgewöhnen müssen. Denn ganz so einfach, wie mancher sich das vorgestellt und gewünscht haben dürfte – wie ein plug-and-play-Gerät sozusagen – ist der Betrieb der Stampfer leider nicht. Jedenfalls nicht so kinderleicht wie die Handhabung der Elektrostampfer des Wettbewerbers, die dieser auf der Nordbau 2014 erstmals einem größeren Publikum vorstellte. Lässt man einmal die Verdichtungswirkung, die Wirtschaftlichkeit und sonstige Argumente beiseite, geht zumindest dieser Punkt an die Verdichtungsexperten aus Bayern.

Gas nachfüllen
Start nicht auf Knopfdruck
Beim Starten des Bomag-Stampfers sind ein paar Handgriffe mehr erforderlich als beim auf Knopfdruck anspringenden Elektro-Bayern. Hat man den Drehzahlhebel auf Leerlauf gestellt, die Absperrventile der Kleinstflaschen geöffnet, den Motorstoppschalter auf „On“ gestellt und den Choke geschlossen, genügen ein bis zwei Startversuche durch Betätigen des Reversierstarters. Danach öffnet man noch den Choke.
Eine weitere interessante Frage konnte Krautkremer klären, nämlich wie man die Restlaufzeit des Gasstampfers feststellt. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten: entweder durch den eingebauten Betriebsstundenzähler (Stunden bis zum Service), den Tagesstundenzähler, die Motordrehzahl oder ganz einfach durch Überprüfen des Gewichts der Gasflasche mittels Federwaage.
Gasflaschen transportieren
Auch beim Transport sind die Gasflaschen „nicht ganz ohne“. Propangas gilt nämlich als Gefahrstoff und darf nur in gewissen Mengen im Straßenverkehr transportiert werden. Gut, 333 kg Propangas, die gemäß der sogenannten 1.000-Punkte-Regel in ein und demselben Transport im Straßenverkehr mitgeführt werden dürfen, sind eine ganze Menge, und die wenigsten Bauunternehmer werden sich mit einem derartigen Vorrat auf den Weg zur Baustelle machen. Sind noch Gefahrstoffe anderer Beförderungskategorien wie Heizöl, Diesel oder Benzin mit an Bord, verringert sich aber die Menge des Gases, das mitgeführt werden darf.

Wacker unter Strom

30 Minuten Akkulaufzeit
Wacker Neuson hat sich für einen Lithium-Eisenphosphat-Akku entschieden. Er bietet eine gleichbleibende Leistungsabgabe, eine maximale Temperaturstabilität bei gleichzeitig minimaler Alterung, kann 1.500 mal ohne Memory-Effekt aufgeladen werden und bietet größtmögliche Sicherheit, weil eine Selbstzündung ausgeschlossen ist. Mit dem Standard-Ladegerät ist er in vier Stunden wieder voll aufgeladen, mit dem Schnellladegerät in einer Stunde. Keine schlechten Werte, aber, das gibt Greschner zu bedenken, dennoch ein Kompromiss. Der ideale Akku sei „noch circa sechs Jahre entfernt“.
Die Laufzeiten bewegen sich derzeit am unteren Ende dessen, was auf der Baustelle gefordert wird. 30 Minuten beim kleinen AS30e und 20 Minuten beim AS50e klingen in der Tat nach wenig, sind aber nach Auffassung der Münchener ausreichend für den praxisüblichen Gebrauch; zumal die Laufzeit mit einem Ersatzakku einfach verdoppelt werden kann. Angesichts der technischen Entwicklung im Bereich der Akkutechnik werde das Akku-Gewicht in den nächsten Jahren weiter sinken und die Energiedichte und damit die Laufzeit steigen, sagt Greschner. Aktuell seien mit einem acht Kilogramm schweren Akku 40 Minuten Laufzeit möglich. Schon in zwei Jahren seien aber dank einer mehr als verdoppelten Energiedichte Akkus mit sechs Kilogramm Gewicht und 60 Minuten Laufzeit denkbar; und das werde so weitergehen.
Weniger Energiekosten
Schon mit den derzeit eingesetzten Akkus sind aber laut Greschner die Energiekosten fast um die Hälfte niedriger als bei konventionellen Stampfern, und der wartungsfreie, weil kohlebürstenfreie Asynchronmotor trägt seinen Teil dazu bei, die Betriebskosten weiter zu senken. Wacker Neuson will mittel- und langfristig in allen Produktkategorien Produkte anbieten, die mit null Emissionen auf der Baustelle arbeiten.
Neben diesen im Betrieb gänzlich emissionsfreien Stampfern bietet Wacker Neuson auch emissionsarme Modelle an. Greschner legt Wert auf die Feststellung, dass auch die benzingetriebenen Zwei- und Viertaktstampfer von Wacker Neuson die geltenden Richtlinien erfüllen: durch Entwicklungen wie die Motorsteuerung mit programmierbarer Kennfeldregelung und die seit 2010 in allen Zweitaktstampfern verbauten Oxidationskatalysatoren.
Dieser Artikel ist zuerst erschienen im B_I baumagazin 12/2015.
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