"Cool Roof" im Praxistest
Weiße Ziegel trotzen der Sommerhitze

In Aystetten entsteht derzeit Deutschlands erstes Bauprojekt mit den hochreflektierenden "Level RS Cool Roof"-Dachziegeln von Erlus. Durch einen solaren Reflexionsgrad von über 68 Prozent verzichtet der Mehrgenerationen-Komplex komplett auf aktive Klimatechnik. Dies zeigt das enorme Potenzial weißer Dächer für den passiven Wärmeschutz.

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Der zunehmende Bedarf an passiver Gebäudekühlung rückt klimagerechte Baustoffe ins Zentrum aktueller Bauplanungen. Bei einem Neubauprojekt in Aystetten bei Augsburg kommt nun der weiße Dachziegel "Level RS Cool Roof" des Herstellers Erlus zum Einsatz. Der technische Kernnutzen dieser Lösung liegt in der hochreflektierenden Oberfläche.
Reflektierende Dachziegel als Alternative zur Klimaanlage
Messungen belegen für den Ziegel einen solaren Reflexionsgrad von 68,4 Prozent.

Diese Eigenschaft reduziert die Aufnahme von Strahlungswärme signifikant. Die Gebäudehülle übernimmt somit selbst die Temperaturregulierung und hält die Innenraumtemperaturen auch an heißen Sommertagen auf einem moderaten Niveau. Dies senkt den Kühlbedarf, reduziert CO₂-Emissionen und unterstützt die nächtliche Auskühlung des Baukörpers.
Geschlossene Oberfläche gegen Verschmutzung
Ein häufiger Vorbehalt von Bauherren gegenüber weißen Dacheindeckungen ist die optische Alterung durch Umwelteinflüsse wie Luftverschmutzung oder Pollenflug. Um diesem Problem konstruktiv zu begegnen, ist der Ziegel mit einer speziellen Edelengobe versehen.

Diese bildet im Gegensatz zu offenporigen Materialien eine geschlossene Oberfläche, die Schmutzablagerungen deutlich weniger Angriffsfläche bietet. Bei der Verlegung der 400 Quadratmeter großen Dachfläche durch das lokale Holzbauunternehmen Aumann wurde zudem auf saubere Schnittkanten und eine Retusche mit farblich passender Kaltengobe geachtet, um die Ästhetik dauerhaft zu sichern.
Skalierbarkeit für den städtischen Raum und Sanierungen
Das architektonische Konzept in Aystetten nutzt das weiße Dach bewusst als gestalterisches Element, passend zu bronzefarbenen Fenstern und einer Besenstrichfassade. Doch das Potenzial der Technologie geht über den reinen Neubau hinaus.

Auch für Dachsanierungen stellt das reflektierende Konzept eine skalierbare Lösung dar. Insbesondere im städtischen Umfeld können weiße Dächer dazu beitragen, den städtischen Wärmeinseleffekt (Urban Heat Island) zu mindern. Bei dem aktuellen Projekt in Aystetten fügt sich das Dach nahtlos in ein auf Autarkie ausgelegtes Energiekonzept ein, das bis zur Fertigstellung 2027 um Photovoltaik und Regenwassernutzung ergänzt wird.
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