GaLaBau-Interview
BGL-Präsident Thomas Banzhaf: „Grün ist Daseinsvorsorge, kein Luxus!“

Wie geht es dem GaLaBau, wohin entwickelt sich die Branche und welche Aufgaben liegen vor ihr? Im Interview ordnet Thomas Banzhaf, Präsident des Bundesverbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL), die Situation ein, benennt Handlungsbedarfe und bezieht politisch Stellung.
Die Umsätze im GaLaBau sind zuletzt weiter gewachsen. Wird die Branche noch von einer Art „Sonderkonjunktur“ getragen, und wie wird es weitergehen?

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Sie vertreten als größter Arbeitgeberverband der grünen Branche elf Landesverbände mit mehr als 4.200 kleinen und mittleren GaLaBau-Betrieben. Was erwarten diese jetzt konkret von der Politik?
Banzhaf: Planungssicherheit, Verlässlichkeit, deutlich weniger Bürokratie – und Gerechtigkeit für den GaLaBau. Die Maut auf leichte Nutzfahrzeuge ist das Negativ-Beispiel für ein ungerechtes Bürokratiemonster zulasten des GaLaBaus. Warum wird der Dachdecker, der ein Solar-Gründach baut, davon befreit? Aber die Landschaftsgärtnerin, die dasselbe Material mit demselben Fahrzeug auf dieselbe Baustelle transportiert, muss diese Maut zahlen. Das ist ungerecht, und wir kämpfen weiter dagegen. Übrigens haben wir bereits einen Etappensieg erringen können: Das Verwaltungsgericht Berlin hat uns in dieser Instanz Recht gegeben, dass ein GaLaBau-Betrieb wie ein Handwerksbetrieb von der Lkw-Maut auf leichte Nutzfahrzeuge auszunehmen ist. Wir werden auch künftig nicht aufhören, bei unseren Kontakten in der Bundesregierung Druck zu machen, bis wir es durchsetzen!
Die jüngsten Beschlüsse der Koalition – etwa zur Entlastungsprämie oder zur Entwicklung der GKV-Beiträge – zeigen einmal mehr, wie stark politische Entscheidungen unmittelbar auf die Kostenstruktur von Betrieben wirken. Gut gemeint ist aktuell leider zu oft nicht gut gemacht. Zusätzliche Belastungen dürfen die Investitionsfähigkeit der Unternehmen nicht weiter schwächen.
Klimaanpassung als Grundgesetz-Auftrag: Grün ist kein Luxus
Sie fordern seit Längerem, dass der Klimawandel ganz oben auf die politische Agenda gehört, dauerhaft. Ist das noch zeitgemäß, sprich: Bleiben Sie langfristig bei dieser Position?
Banzhaf: Natürlich! Klimaschutz und Klimaanpassung müssen als Gemeinschaftsaufgabe im Grundgesetz verankert werden. Nur so lässt sich die Finanzierung zukunftsfähiger Städte dauerhaft sichern, und zwar unabhängig von politischen Mehrheiten. Das ist nicht nur für unsere Branche wichtig, die mit ihren Leistungen direkt zur Klimaanpassung beiträgt: Das ist vor allem für die Menschen in den Städten existenziell.
Ganz konkret?
Banzhaf: Grün ist Daseinsvorsorge – kein Luxus! Denn nur grüne Städte sind lebendige Städte. Sie „atmen“, sie verdunsten und kühlen; als Schwammstadt können sie Wasser in regenreichen Zeiten an Ort und Stelle speichern und bei Bedarf wieder abgeben. Sie bieten vielfältige Lebensräume für Menschen, Tiere und Pflanzen. Wir erwarten gezielte Förderprogramme und zukunftsfeste Förderstrukturen für nachhaltige, langfristige Klimaanpassung und grüne Infrastruktur in den Städten. Denn das ist eine gleichzeitig dringliche und generationenübergreifende Aufgabe.
Digitale Transformation: Die eigene GaLaBau-KI startet 2026
Nicht nur der Klimawandel bringt Transformationsdruck. Neue Antriebe, Digitalisierung und jetzt auch noch Künstliche Intelligenz. Wenn Sie in die Zukunft schauen: Sehen Sie Ihre Branche gut gewappnet?
Banzhaf: Für den Garten- und Landschaftsbau ist Künstliche Intelligenz kein Bruch, sondern ein folgerichtiger Entwicklungsschritt. Die Branche hat in der Vergangenheit bereits wiederholt Anpassungsfähigkeit bewiesen – getragen von handwerklicher Kompetenz, unternehmerischem Denken und Offenheit für Innovationen. KI ist ein Werkzeug, dessen Nutzen im Zusammenspiel mit fachlicher Expertise und verantwortungsbewusstem Handeln, persönlicher Beratungs- und Sozialkompetenz erwächst. Dafür stehen die Betriebe und Verbände des Garten-, Landschafts- und Sportplatzbaus.
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Welche Rolle spielt dabei der BGL?
Banzhaf: Der BGL hat bei der digitalen Transformation eine vermittelnde und beratende Rolle übernommen: als Übersetzer technologischer Entwicklungen und als Berater für seine Mitgliedsbetriebe. Ergänzend binden wir gezielt externe Expertise aus Forschung und Entwicklung ein. Aktuell entsteht eine eigene GaLaBau-KI, die den Zugriff auf Informationen des Bundes- und der Landesverbände erleichtern wird. Auf der internationalen Leitmesse GaLaBau vom 15. bis 18. September 2026 in Nürnberg werden Mitglieder diese Anwendung erstmals auf dem BGL-Stand, der „Zukunft grüner LebensRäume“, testen können.

Wie steht es um den Fachkräftebedarf Ihrer Branche?
Banzhaf: Weil unsere Arbeit insgesamt so gefragt ist, bleibt der Bedarf an Arbeits- und Fachkräften im GaLaBau hoch. Gerade konnten wir die Zahl unserer Auszubildenden ein weiteres Jahr in Folge auf fast 8.100 steigern. Auch die Zahl der Beschäftigten in der Branche wuchs weiter, auf über 131.700. Doch wenn die Aufgaben zunehmen, brauchen wir mehr Menschen, die für uns arbeiten wollen.
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Wie rühren Sie die Werbetrommel?
Banzhaf: Die Argumente für unseren Beruf sind überzeugend: Er ist sinnstiftend, denn man sieht unmittelbar, was man geschafft und geschaffen hat. Man wirkt an der hochrelevanten Aufgabe der Klimaanpassung in den Städten mit. Und die Arbeit ist heute deutlich weniger körperlich belastend als früher, auch dank technischer Entwicklungen. Entscheidend wird sein, das Berufsbild noch sichtbarer zu machen, junge Menschen gezielt anzusprechen, und wir brauchen auch viel mehr Frauen.
Nachfolgedruck: Generationenwechsel im Fokus
Ein drängendes Thema kleiner und mittlerer, oft familiengeführter Unternehmen ist die Nachfolge. Wie groß ist der Handlungsdruck im GaLaBau?
Banzhaf: Sehr groß. Ich gehe davon aus, dass knapp die Hälfte unserer Mitgliedsbetriebe in den kommenden zehn Jahren eine Nachfolge regeln muss. Aber die klassische Übergabe innerhalb der Familie ist nicht mehr gesetzt. Viele junge Menschen wägen sehr genau ab, ob sie die unternehmerische Verantwortung übernehmen wollen. Das macht Nachfolgelösungen komplexer und langwierig. Dazu bietet der BGL entsprechende Beratung, Leitfäden und Hilfen an, auch in Seminarform.
Wo hakt es denn noch?
Banzhaf: Wir sehen auch, dass viele Unternehmerinnen und Unternehmer sich zu spät dem Thema zuwenden. Ich habe persönlich erlebt, wie entscheidend eine professionelle Beratung für diesen Prozess ist, mit genügend Vorlauf. Ende Fünfzig? Das ist definitiv zu spät, wenn man seinen Betrieb gut übergeben, ihn erhalten und für die eigene die Altersvorsorge einplanen will.
BGL positioniert sich für Demokratie und Weltoffenheit
Die politische Polarisierung nimmt zu. Wie positioniert sich der BGL?
Banzhaf: Da ist die Antwort sehr klar: Wir stehen für eine offene, demokratische und rechtsstaatliche Gesellschaft. Wir sprechen mit den Parteien, die erkannt haben, dass der Ausbau grüner und blauer Infrastruktur zur Klimafolgenanpassung eine sehr hohe Priorität hat und auch zukünftig finanziert werden muss. Wir unterstützen eine Politik, die Landes- und Bundesgartenschauen als wichtige städtebauliche Infrastrukturprojekte finanziell und ideell bestärkt und nicht ablehnt. Ein großer Teil unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und Auftraggeberinnen und Auftraggeber sind in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten aus anderen Ländern zu uns nach Deutschland gekommen. Wir schätzen diese Menschen sehr und wollen sie nicht verlieren. Eine Politik, die Menschen aus anderen Ländern ausgrenzt, Zuwanderung grundsätzlich ablehnt und Deutschland als Einwanderungsland diskreditiert, verschärft den Fachkräftemangel langfristig.
Die Einheit Europas und unsere gemeinsame Europäische Währung haben sich gerade für uns wirtschaftlich positiv ausgewirkt. Mit Menschen, die all das in Frage stellen oder ändern wollen, erkenne ich keine Gemeinsamkeit. Um als GaLaBau-Branche auch zukünftig wirtschaftlich erfolgreich sein zu können, sind diese Themen überlebenswichtig.
Ausblick auf die GaLaBau: Innovationsplattform und Branchen-Spirit
Wie Sie bereits anmerkten, trifft sich vom 15. bis 18. September die Branche auf der GaLaBau in Nürnberg. Mit welchen Erwartungen blicken Sie auf die Messe?
Banzhaf: Die GaLaBau ist der zentrale Treffpunkt unserer Branche. Sie bündelt Innovationen, Markttrends und den fachlichen Austausch. Gerade in einer Phase wirtschaftlicher und weltpolitischer Unsicherheit ist das von großer Bedeutung: Die Messe gibt Orientierung, vernetzt und verbindet Menschen, schafft Vertrauen und setzt Impulse für Investitionen.
Themen wie Klimaanpassung, Schwammstadt-Konzepte und nachhaltige Materialien werden auf der GaLaBau 2026 natürlich eine große Rolle spielen. Als ideeller Träger der GaLaBau setzen wir mit unserem Stand, der „Zukunft grüner LebensRäume“, genau diese Schwerpunkte – ein Messe-Auftritt, der kühlt und atmet.
Außerdem erwarte ich, dass wir auf der GaLaBau neue, konkrete Lösungsansätze sehen werden, wie sich die Branche auf aktuelle und künftige Aufgaben einstellt. Das betrifft den Umgang mit steigenden Kosten, ebenso wie die Effizienz von Maschinen und Prozessen, alternativen Antrieben und Energiequellen und digitalen Lösungen für Planung und Bau – und natürlich unseren Umgang mit KI im GaLaBau.
Worauf freuen Sie sich besonders?
Banzhaf: Ich persönlich freue mich außerordentlich auf den „GaLaBau-Spirit“, diese ganz besondere Stimmung „unserer Messe“: Die GaLaBau zeigt alle zwei Jahre sehr eindrucksvoll, wie leistungsfähig und innovativ unsere Branche ist. Dieses Selbstbewusstsein gibt uns Zuversicht, Auftrieb und vermittelt zuverlässig eine optimistische Stimmung des Anpackens. Und das ist gerade jetzt sehr wichtig.
Herr Banzhaf, vielen Dank für das Gespräch.
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Quelle: BGL
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