Frauenanteil im Bau steigt weiter
Der Bauingenieurberuf wird für Frauen zunehmend attraktiver. Aktuell sind rund 30 Prozent der Studierenden im Fach Bauingenieurwesen weiblich. Von insgesamt 60.150 Studierenden entfallen damit etwa 18.200 auf Frauen. Vor 25 Jahren lag ihr Anteil noch bei rund 20 Prozent. Damit liegt die Baubranche beim Frauenanteil im Studium inzwischen vor einigen anderen Bereichen der deutschen Wirtschaft.

Die Zahlen stammen aus der aktuellen Publikation „Frauen am Bau“, die der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie veröffentlicht hat. Demnach zeigt sich seit Jahren eine grundsätzlich positive Entwicklung – auch wenn nicht alle Trends für Optimismus sorgen. Gleichzeitig bleibt der Frauenanteil in der Bauwirtschaft insgesamt ausbaufähig. Bundesweit liegt er im Baugewerbe bei rund 14 Prozent und stagniert seit gut zwei Jahrzehnten auf diesem Niveau.
Frauenanteil im Bauingenieurstudium bei 30 Prozent
Der steigende Frauenanteil im Bauingenieurwesen gilt als wichtiges Signal für die Branche. Bauingenieurinnen arbeiten heute in unterschiedlichsten Bereichen – von Planung und Projektmanagement über Infrastrukturprojekte bis hin zu nachhaltigem Bauen und Digitalisierung.
Allerdings blickt die Branche mit Sorge auf die Entwicklung bei den Studienanfängern. Seit etwa zehn Jahren gehen die Zahlen insgesamt zurück – und damit auch die Zahl der weiblichen Erstsemester. Im Wintersemester 2024/25 entschieden sich rund 2.720 Frauen für ein Bauingenieurstudium, bei insgesamt etwa 9.000 Studienanfängern.
Das sind zwar deutlich mehr als noch vor zwei Jahrzehnten, jedoch etwa 13 Prozent weniger als zum Höchststand vor rund elf Jahren. Als Hauptgrund gilt vor allem die demografische Entwicklung. Für die Bauwirtschaft bleibt es deshalb eine wichtige Aufgabe, junge Menschen weiterhin für technische Berufe zu begeistern und die vielfältigen Karrierewege im Bau sichtbar zu machen. Angesichts von Fachkräftemangel und demografischem Wandel wächst der Druck zusätzlich, bislang wenig erschlossene Zielgruppen stärker anzusprechen.
Mehr Frauen in gewerblichen Bauberufen
Auch in den klassischen Baustellenberufen steigt das Interesse von Frauen langsam an. Der Anteil von Frauen in bauhauptgewerblichen Berufen liegt derzeit bei 2,3 Prozent. Bei den entsprechenden Ausbildungsberufen beträgt der Frauenanteil rund 4,8 Prozent.
Insgesamt arbeiten im Bauhauptgewerbe etwa 11 Prozent Frauen. Dass der Anteil weiterhin vergleichsweise niedrig ist, hängt unter anderem mit der Struktur der Branche zusammen: Rund 70 Prozent der Beschäftigten arbeiten in gewerblichen Tätigkeiten auf Baustellen.
Gleichzeitig verändern technische Innovationen und neue Arbeitsprozesse das Berufsbild vieler Bauberufe. Digitale Planung, moderne Maschinen und neue Arbeitsmethoden sorgen dafür, dass sich auch Tätigkeitsprofile weiterentwickeln. In der Praxis sind Frauen heute zunehmend auch in Berufen wie der Zimmerei oder als Baugeräteführerinnen tätig.
Auch in der Ausbildung zeichnet sich Bewegung ab. In Baden-Württemberg ist die Zahl weiblicher Auszubildender in Bauberufen zuletzt um 11,6 Prozent gestiegen. Das zeigt, dass handwerkliche Tätigkeiten für junge Frauen zunehmend an Attraktivität gewinnen.
Gehaltsunterschiede im Bau bleiben Thema
Ein weiteres Thema bleibt der Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen im Baugewerbe. Der durchschnittliche Bruttoverdienst von Expertinnen liegt derzeit noch deutlich unter dem ihrer männlichen Kollegen.
Die Bauindustrie verweist darauf, dass Tarifverträge grundsätzlich keine Unterschiede zwischen Männern und Frauen vorsehen. Einkommensdifferenzen entstehen häufig durch unterschiedliche Arbeitszeitmodelle, Karriereverläufe oder durch den Vergleich langjähriger männlicher Mitarbeiter mit neu eingestellten weiblichen Fachkräften.
Trotzdem bleibt das Ziel der Branche klar: Der Bau soll für Frauen weiterhin attraktiver werden – sowohl im Studium als auch auf der Baustelle und in technischen Berufen. Dabei geht es nicht nur um Nachwuchsgewinnung, sondern auch um eine moderne Arbeitskultur. Mehr Vielfalt, Chancengleichheit und zeitgemäße Rollenbilder können dazu beitragen, Teamarbeit und Problemlösung in den Unternehmen zu stärken. Angesichts des Fachkräftemangels kommt der Gewinnung neuer Zielgruppen eine immer größere Bedeutung zu.
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