Deutschlands Wasserversorgung nicht krisenfest
Die Sicherheit der Wasserversorgung entwickelt sich aus Sicht der Bevölkerung zu einer zentralen Risiko- und Standortfrage für Deutschland. Der IFAT Circularity Monitor, eine repräsentative YouGov-Umfrage* der IFAT Munich im Vorfeld der Münchner Sicherheitskonferenz, zeigt: 63 % der Befragten halten Deutschland auf Krisen in der Wasserversorgung eher schlecht oder gar nicht vorbereitet. Nur drei Prozent bewerten die Vorbereitung als sehr gut. Besonders hoch ist die Sorge vor gezielten Eingriffen in die Infrastruktur – durch physische Sabotage oder Cyberangriffe.

*Die Daten dieser Befragung basieren auf Online-Interviews mit Mitgliedern des YouGov Panels, die der Teilnahme vorab zugestimmt haben. Für diese Befragung wurden im Zeitraum 12. und 14.1.2026 insgesamt 2.103 Personen befragt. Die Erhebung wurde nach Alter, Geschlecht und Region quotiert und die Ergebnisse anschließend entsprechend gewichtet. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die Wohnbevölkerung in Deutschland ab 18 Jahren.
"Das hohe Risikobewusstsein in der Bevölkerung zeigt, dass der Schutz der Wasserversorgung sicherheitspolitisch neu gedacht werden muss“, sagt Wolfgang Ischinger, Vorsitzender der Münchener Sicherheitskonferenz. „Gerade im Sinne einer Green Defense gehört die Resilienz kritischer, nachhaltiger Infrastrukturen – einschließlich ihres Schutzes vor Sabotage und Cyberangriffen – ins Zentrum der nationalen Sicherheitsstrategie.“ Während auf der Munich Security Conference die strategischen Dimensionen solcher Bedrohungen diskutiert werden, rückt die IFAT Munich die praktische Umsetzbarkeit in den Mittelpunkt.
Hohes Risikobewusstsein für Sabotage und Cyberangriffe

Grundsätzlich ist das Vertrauen in die Sicherheit der Trinkwasserversorgung in Deutschland hoch, wie zuletzt wieder im Branchenbild der Wasserwirtschaft 2025 bestätigt wurde. Doch zukünftige Bedrohungen bereiten zunehmend Sorgen; es rückt ein Themenbereich in den Fokus, der lange als technisch beherrschbar galt, inzwischen aber zunehmend als Teil der nationalen Sicherheitsarchitektur wahrgenommen wird. „Die Umfrage macht deutlich, dass Wasserinfrastruktur nicht mehr nur als technische Aufgabe verstanden wird, sondern als sicherheitsrelevanter Faktor“, sagt Wolf Merkel, Vorstand des DVGW Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches. „Versorgungssicherheit lässt sich heute nicht isoliert denken. Sie erfordert integrierte Konzepte, die physischen Schutz, Cyberresilienz und Klimaanpassung zusammenführen.“
Auffällig ist, dass Extremwetterereignisse von den Befragten zwar als relevantes Risiko wahrgenommen werden, jedoch hinter gezielten Angriffen zurückbleiben: 59 Prozent sehen sie als wahrscheinliche Bedrohung für die Wasserversorgung. Das verweist auf ein verändertes Sicherheitsverständnis in einer Zeit hybrider Bedrohungen und zunehmender geopolitischer Spannungen.
Abwasser als unterschätzte Schlüsselressource

Ein besonders hohes Problembewusstsein zeigt sich beim Thema Abwasser. 91 % der Befragten erkennen Störungen in der Abwasserentsorgung als ernsthafte Gefahr für Umwelt, Gesundheit und öffentliche Sicherheit. Gleichzeitig gilt dieser Teil der Infrastruktur im Alltag als weitgehend unsichtbar – und wird entsprechend selten strategisch diskutiert.
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Bei der Abwasserinfrastruktur ermittelt der IFAT Circularity Monitor Extremwetter als das am größten wahrgenommen Risiko (63 %)**, gefolgt von physischer Sabotage und technischen Defekten (jeweils 62 %)**. Für die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) unterstreichen die Ergebnisse den Handlungsdruck. „Abwasseranlagen sind systemrelevant, auch wenn sie im öffentlichen Bewusstsein oft im Hintergrund stehen“, sagt Vorständin Lisa Irwin-Broß. „Dass die Bevölkerung diese Zusammenhänge so klar erkennt, ist ein wichtiges Signal. Die Wasserwirtschaft setzt sich mit großem Engagement dafür ein, die Versorgungssicherheit auch zukünftig jederzeit zu gewährleisten. Beim Stromausfall in Berlin zum Jahreswechsel hat die Wasserwirtschaft ihre Leistungsfähigkeit eindrucksvoll bewiesen, die Berliner Wasserbetriebe konnten aufgrund der vorhandenen Notstromversorgung die Wasserver- und Abwasserentsorgung aufrechterhalten.“

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Quelle: Messe München
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