Fiat E-Ducato: Stromer auf der Überholspur
Der Fiat E-Ducato zeigt eindrucksvoll, welche Kraft ein Elektroantrieb entfalten kann. Mit einer leistungsstarken Batterie und einem kraftvollen Motor bietet der Transporter beachtliche Fahrleistungen, die selbst in anspruchsvollen Situationen überzeugen. Trotz seiner beeindruckenden Beschleunigung bleibt der E-Ducato auch auf Langstrecken effizient, was ihn zu einer interessanten Wahl im Segment der elektrischen Nutzfahrzeuge macht.

Der Stromer zeigt, was ein Elektroantrieb zu leisten vermag. Hier setzt er sich aus einer dicken Batterie mit einer nominellen Kapazität von 110 kWh – nutzbar sind 98 kWh – und einem E-Motor mit einer höchst beachtlichen Leistung von 200 kW sowie einem Drehmoment von 410 Nm zusammen. Auswahl an Antriebsvarianten gibt es nicht, man muss den E-Ducato nehmen, wie er ist.
Fiat E-Ducato auf volle Geschindigkeit

Aber er bringt Leistung: Dieser Transporter beschleunigt nicht, er explodiert. Den Standardsprint von null auf 100 Sachen, nicht unbedingt eine Lieblingsdisziplin für kräftig gebaute 3,5-Tonner, der E-Ducato erledigt ihn mal eben in 9,6 Sekunden. Die Zwischenbeschleunigung ähnelt einer Kernschmelze: Tempo 60 bis 100 mit Kickdown, typisch am Ende einer Autobahnbaustelle und für dicke Diesel mit langer Übersetzung eine Herausforderung – 5,6 Sekunden. Von 80 auf 120 km/h, auch anspruchsvoll – 7,8 Sekunden. Da blickt so mancher Autofahrer verblüfft hinterher.
Bei gut 130 Sachen ist dann Schluss, zugunsten des Stromverbrauchs und der Reichweite. Und mal ehrlich: Muss das alles sein? Muss es nicht. Also die Taste für die Fahrdynamikregelung gedrückt und von „Power“ auf „Normal“ gestellt. Die verbleibenden 160 kW/380 Nm sind mehr als genug. Und wenn die Fuhre leer ist, tut’s problemlos der Eco-Modus mit 120 kW/360 Nm. Dann ist das Maximaltempo auf 90 km/h begrenzt. Ist zwischendurch mehr Mumm und Tempo gefragt, einfach Fahrpedal voll durchtreten, schon geht’s wieder ab. Der E-Ducato wirkt davon etwas überrascht, stolpert kurz. Also einfach Normalmodus verwenden und alles andere vergessen.
Das gilt ebenfalls für die Rekuperation, die E-Bremse mit Strom-Rückgewinnung, beinflussbar mit Schaltpaddeln hinter dem Lenkrad. Im Segelmodus rollt der Transporter leichtfüßig mit höchst dezenter Verzögerung, also Obacht bei veränderten Geschwindigkeitsbegrenzungen oder Ortseinfahrten. Stufe eins entspricht etwa der Motorbremswirkung bei Gas weg im Verbrenner. Stufe zwei steigert die Bremswirkung, Stufe drei bis zum Einpedal-Modus. Dann aber geht’s ruppig zu, diese Variante verlangt einen sehr feinfühligen Fuß auf dem Fahrpedal.
Ladeleistung des E-Ducato

Heißes Tempo sowie Beschleunigungsorgien verbieten sich auf Dauer aus Rücksicht auf den Verkehr drumherum sowie die Reichweite – sonst sind selbst 98 kWh schnell verbraucht. Zumal der E-Ducato zwar nominell mit bis zu 150 kW recht flott lädt, diesen Wert jedoch im Testbetrieb trotz angenehmer Außentemperaturen nicht erreichte. Auf der Strecke der letzten 20 oder 25 Prozent Kapazität tröpfeln auch am Schnelllader sogar nur mühsam um die 20 kW Strom in die Batterie. Gut eine Stunde Zeit von 80 auf 100 Prozent sagt die Anzeige der Displays voraus. Also lieber starten und eine Zwischenladung einkalkulieren. Stichwort Display: In Cockpitmitte lassen sich Ladezeiten programmieren, auch die Ladeleistung und andere Feineinstellungen vornehmen, auch die der zahlreichen Assistenzsysteme. Alles in prima Klarschrift gekennzeichnet.
Ladekapazität des E-Transporters Fiat E-Ducato

