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B_Ibaumagazin

BauGPT: KI gegen Fachkräftemangel

Wer Fachkräfte sucht, landet im Bau oft in einem undurchsichtigen Mix aus Jobbörsen, Headhuntern und Bauchgefühl. Anna Hocker will das ändern: Mit BauGPT hat sie eine KI-Plattform aufgebaut, die Recruiting, Fachwissen und Daten speziell für Bauunternehmen zusammenführt. Im Interview mit dem B_I baumagazin spricht sie darüber, warum klassische Recruiting-Lösungen an ihre Grenzen stoßen, wo KI heute schon konkret hilft – und weshalb Betriebe bis 2030 ohne Produktivitätsgewinne und neue Wege im Recruiting an Substanz verlieren könnten.

BauGPT im Interview: KI-Recruiting gegen Fachkräftemangel in der Bauwirtschaft
Anna Hocker von BauGPT: „Viele Prozesse wirken auf den ersten Blick digitalisiert – aber in der Praxis fehlen durchgängige Datenflüsse und eine echte Systematik." | Foto: BauGPT

Frau Hocker, wenn Sie einem Bauunternehmer in zwei, drei Sätzen erklären müssten, was BauGPT macht – was würden Sie sagen?

Anna Hocker: BauGPT ist eine KI-Plattform speziell für die Bauwirtschaft. Wir helfen Betrieben dabei, interne Abläufe produktiver zu machen und schneller passende Fachkräfte zu finden – indem wir Recruiting, Fachwissen und Daten entlang realer Prozesse verbinden. Das Ziel: weniger Zeitverlust, bessere Entscheidungen und am Ende messbar mehr Wirkung.

Welche Probleme im Recruiting auf dem Bau haben Sie am Anfang gesehen, die bestehende Lösungen aus Ihrer Sicht nicht gelöst haben?

Hocker: Zu Beginn war für uns klar: Recruiting im Bau ist extrem fragmentiert. Viele Kanäle, wenig Transparenz, kaum Daten. Jobbörsen, Headhunter und Agenturen verkaufen Reichweite – aber selten echte Ergebnisse. Und vor allem: Niemand hat systematisch verstanden, wie ein Betrieb die richtigen Fachkräfte wirklich erreicht und warum.

Sie vermitteln inzwischen zehntausende Fachkräfte und arbeiten mit über 1.000 Unternehmen: Was hat aus Ihrer Sicht diesen schnellen Wachstumsschub ausgelöst?

Hocker: Wir haben von Anfang an ein reales Problem gelöst – und zwar Besetzungen messbar verbessert, statt nur Stellenanzeigen zu schalten. Viel Wachstum kam über Weiterempfehlungen. Bauunternehmen haben gemerkt, dass sie mit Daten und KI wieder Kontrolle über ihr Recruiting bekommen. Und natürlich: Der Fachkräftemangel ist in der Bauwirtschaft früher und härter spürbar geworden als in vielen anderen Branchen

BauGPT: „Digitalisierung ist oft punktuell – nicht strategisch“

Die Bauwirtschaft gilt oft als Nachzügler bei der Digitalisierung. Wie digital ist die Branche wirklich – aus Ihrer datengetriebenen Perspektive?

Hocker: Viele Prozesse wirken auf den ersten Blick digitalisiert – aber in der Praxis fehlen durchgängige Datenflüsse und eine echte Systematik. Schätzungen gehen davon aus, dass 96 Prozent aller Daten in der Bauwirtschaft ungenutzt und unstrukturiert bleiben. Digitalisierung ist häufig punktuell, aber nicht strategisch – und das mindert den Nutzen in vielen Betrieben.

Genau deshalb bietet KI, die mit „nativen Inputs“ arbeitet und die Nutzer dort abholt, wo sie stehen, eine große Chance. Statt komplexe Systeme aufzuzwingen, kann KI nahtlos in bestehende Prozesse integriert werden – effizient und ohne große Schulungsaufwände. So lassen sich Aufgaben automatisieren und optimieren, die die Effizienz und Präzision in Bauunternehmen spürbar steigern.

Sie sagen, bis 2030 droht im Fachkräftebereich eine große Lücke. Wie dramatisch ist die Lage aus Ihrer Sicht wirklich – jenseits der Schlagworte?

Hocker: Die Lage ist strukturell dramatisch, nicht zyklisch. Wir sehen heute schon Regionen und Gewerke, in denen selbst hohe Budgets kaum noch gute Bewerbungen bringen. Ohne Produktivitätsgewinne und neue Wege – in Ausbildung, Regularien und auch Recruiting – wird ein Teil der Bauleistung schlicht nicht mehr erbracht werden können.

KI auf der Baustelle: weniger „Science-Fiction“, mehr Prozessarbeit

Viele denken bei KI zuerst an Bürojobs, nicht an Baustellen. Wo genau kommt Ihre KI heute konkret zum Einsatz?

Hocker: Unsere KI optimiert überall dort, wo früher papierbasierte oder manuelle Prozesse dominierten. Im Recruiting unterstützt sie zum Beispiel bei Stellenanzeigen, bei der Analyse der Kanäle, bei Übersetzungen und bei der Bewertung von Bewerbungen. Außerdem hilft sie, Fachwissen zu strukturieren und Führungskräfte bei Entscheidungen zu unterstützen. Und auch in Planung, Recherche, Rechnungsprüfung oder Bauleitung können BauGPT-Anwendungen deutliche Produktivitätsgewinne bringen.

Können Sie ein praktisches Beispiel geben, wie KI bei Ihnen einen Recruitingprozess verkürzt oder qualitativ verbessert hat?

Hocker: Ein konkretes Beispiel ist die automatische Analyse ausländischer Bewerbungen – inklusive Bewertung und Handlungsempfehlung für Recruiter. Was früher Wochen an Testläufen und Rückfragen gebraucht hat, passiert heute datenbasiert in wenigen Tagen. Gleichzeitig sinkt die Zahl unpassender Bewerbungen deutlich. Das spart Zeit – sowohl bei den Betrieben als auch bei den Kandidaten.

Wo ziehen Sie eine klare Grenze: Welche Entscheidungen sollten aus Ihrer Sicht niemals komplett an eine KI delegiert werden?

Hocker: Einstellungsentscheidungen dürfen nie rein automatisiert sein. KI kann vorbereiten, strukturieren und Empfehlungen geben, aber die finale Entscheidung gehört immer dem Menschen. Gerade kulturelle Passung und Führungsfragen lassen sich nicht sinnvoll vollständig delegieren.

Datenschutz, Datenqualität, Vertrauen: Wo KI im Bau heute an Grenzen stößt

Wo stoßen Sie heute mit Ihrer Technologie (noch) an klare Grenzen – technisch, rechtlich oder kulturell?

Hocker: Rechtlich sind Datenschutz und Mitbestimmung klare Rahmen, die wir bewusst respektieren. Technisch ist Datenqualität ein entscheidender Faktor: Schlechte Prozesse liefern schlechte Daten. Und kulturell braucht es manchmal Zeit, bis das Vertrauen in datenbasierte Entscheidungen wächst – gerade in traditionsreichen Betrieben.

Die drei BauGPT-Gründer (v.l.n.r.): Jonas Stamm, Anna Hocker und Patrick Christ | Foto: BauGPT
Die drei BauGPT-Gründer (v.l.n.r.): Jonas Stamm, Anna Hocker und Patrick Christ | Foto: BauGPT

Sie planen eine Expansion in die USA: Was lässt sich aus Europa übertragen – und was definitiv nicht?

Hocker: Übertragbar sind Technologie, Datenlogik und das Verständnis für produktivitätsgetriebenes Recruiting. Nicht übertragbar sind Arbeitsmarktmechaniken, rechtliche Rahmen und die Rolle der Gewerke. In den USA ist Recruiting stärker marktgetrieben, in Europa stärker reguliert – darauf muss man reagieren.

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Wenn wir fünf Jahre nach vorne schauen: Wie sieht ein typischer Recruitingprozess im Bauunternehmen 2030 aus?

Hocker: Ich glaube, bis 2030 sehen wir wieder einen Anstieg der handwerklichen Ausbildungen – das würde dem Arbeitsmarkt in der Bauwirtschaft gut tun. Recruiting läuft außerdem kontinuierlicher, nicht mehr nur bei akutem Bedarf. Daten zeigen frühzeitig Engpässe, KI schlägt Maßnahmen vor, und Betriebe bauen aktiv Talentpools auf. Stellenanzeigen sind dann nur noch ein kleiner Teil eines breiteren Systems.

Welchen Rat würden Sie einem mittelständischen Bauunternehmer geben, der sagt: „Ich weiß, ich muss digitaler werden – aber ich weiß nicht, wo ich anfangen soll“?

Hocker: Heute muss sich niemand mehr durch komplizierte Software kämpfen, sie mühsam lernen und dafür gewohnte Abläufe komplett umstellen. KI kann Nutzer dort abholen, wo sie sind – und Engpässe über Chat oder Sprache direkt lösen. Das sind Chancen mit enormem Potenzial, gerade für den Mittelstand.


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